Die Deutsche Meisterschaft in Nürnberg war für Felix Sieghörtner eine Art Heimspiel: Der 28-Jährige wuchs in Ansbach auf. Familie, Freunde und Bekannte kamen in die Ballspielhalle Altenfurt, um den ehemaligen Basketballer in Aktion zu sehen.
„Ich hatte noch nie so viele Zuschauer, die wegen mir kamen“, sagt Sieghörtner, der schätzt, dass ihn 25 bis 30 Leute anfeuerten. „Das war schon was Besonderes.“ Bruder Linus (13) hatte extra eine Fahne gebastelt. Und die Fans sorgten für den Extra-Push beim Wahl-Tübinger.
Insgeheim hatte Felix Sieghörtner schon im Vorfeld auf den Titel im Armwrestling, der sportlichen Variante vom Armdrücken, gehofft. Vor allem mit dem rechten Arm, wo er vergangenes Jahr bereits Zweiter war, rechnete er sich Chancen aus.
„Ich habe mich auch noch mal verbessert im Training“, sagt Sieghörtner. In der Klasse bis 110 Kilogramm Körpergewicht gewann der 28-Jährige, der seit Ende 2023 für die Pulldogs vom TSV Güglingen im Landkreis Heilbronn antritt, dann auch mit dem rechten Arm im Finale gegen Daniel Ivanov (Kassel), gegen den es in der Vorrunde noch einen ungewöhnlich langen Kampf gegeben hatte.
Weniger als mit seinem ersten nationalen Meistertitel rechnete Sieghörtner mit dem zweiten Rang mit dem linken Arm. „Da war ich schon ein bisschen überrascht“, sagt er. Schließlich plagen ihn seit ein paar Monaten Probleme in der linken Schulter. „Das hat sich irgendwie eingeschlichen und ich konnte nie so richtig trainieren“, berichtet der Tübinger, „aber ich habe einen ganz guten Tag erwischt.“
Nun gönnt er den geschundenen Knochen, Sehnen und Muskeln erst mal ein paar Wochen Pause. „Ich muss schauen, dass ich das wegbekomme.“
Erst zum dritten Mal war Felix Sieghörtner bei einer DM dabei. Bei seiner Premiere noch in der Amateur-Kategorie, nun zum zweiten Mal in der Profi-Sparte. „Wobei die Bezeichnung Profi irreführend ist“, wie er sagt. „Es gibt null Komma gar kein Geld in diesem Sport.“
In Nürnberg musste er 50 Euro Startgebühr berappen. Preisgeld gab’s keins. „Nur einen Pokal und das war’s“, sagt Sieghörtner. Sponsoren hat er keine.
Aber ums Geld geht’s dem Informatiker ohnehin nicht. Der langjährige Basketballer musste seine Karriere verletzungsbedingt früh aufgeben. Beim Armwrestling fand er eine neue sportliche Heimat. Und ist glücklich: „Da kriegt man mich nicht mehr los“, sagt er und lacht. Ein Mal pro Woche ist Tisch-Training zu Hause in Tübingen im Keller. Dort hat Sieghörtner einen Kampftisch mit den entsprechenden Griffen stehen und befreundete Athleten aus der Umgebung kommen vorbei. Fünf Mal pro Woche geht er ins Fitnessstudio, wo er spezielle Übungen fürs Armwrestling macht.
In ein paar Jahren würde Sieghörtner gerne auch mal an einer Europameisterschaft teilnehmen. Durch den Gewinn des DM-Titels hätte er schon jetzt ein Startrecht. „Aber das ist noch ein bisschen früh“, sagt Sieghörtner. „Ich bin ja immer noch relativ neu in dem Sport.“ Und dennoch schon Deutschlands Stärkster.