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Veröffentlicht am 17.06.2026 00:08

Auf Salz gebaut: Piran an der slowenischen Riviera

Piran liegt auf einer Halbinsel. Von der Stadtmauer aus sieht man das gut. (Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn)
Piran liegt auf einer Halbinsel. Von der Stadtmauer aus sieht man das gut. (Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn)
Piran liegt auf einer Halbinsel. Von der Stadtmauer aus sieht man das gut. (Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn)

Für Ljudmila Sinkovič, die von allen nur Milka genannt wird, ist die Sache klar: „Piran ist die schönste Stadt an der slowenischen Küste“, sagt die Deutschlehrerin, die nebenbei als Gästeführerin arbeitet.

Nun ist die slowenische Küste nicht besonders lang, gerade mal 46,6 Kilometer, um genau zu sein. Eine eher kurze Strecke also, auf der es nur wenige Konkurrenten gibt, die sich mit Portorož, Izola, Koper und Ankaran dafür nur so drängeln.

Und doch erntet Sinkovič, wenn sie Piran auf diese Weise adelt, wohl nur selten Widerspruch. Die Reize des denkmalgeschützten Piran auf der schmalen Landzunge haben sich herumgesprochen. Wer auf dem Tartiniplatz, dem „Wohnzimmer von Piran“, ein Selfie macht, wird in der Saison mehr Touristen als Einheimische mit im Bild haben.

Dass Piran sich zur Schönheit entwickeln konnte, hat indes viel mit einem Jahrhunderte alten Handwerk zu tun - der Salzgewinnung vor den Toren der Stadt. Doch zunächst steht ein Stadtrundgang an. 

Junge Geliebte und böse Zungen

Die Häuser am Tartiniplatz erzählen die Geschichte von Piran. Da ist etwa das Geburtshaus von Giuseppe Tartini, dem bekanntesten Sohn der Stadt, ein Violinist, der das Geigenspiel revolutionierte. Auffälliger noch ist etwas weiter links ein Prachtbau mit Eckbalkon und anderen gotischen Elementen.

Der Legende nach traf sich hier ein reicher venezianischer Kaufmann mit seiner jungen Geliebten aus Piran. „Böse Zungen hatten viel zu tun“, sagt Sinkovič. Denn der Kaufmann war verheiratet, scherte sich allerdings nicht um die Gerüchteküche. „Lass sie reden“, lautete seine Antwort, eingemeißelt in die Fassade des Palastes. 

Das größte Haus am Platz ist das Rathaus. Einst stand hier ein venezianischer Palast, doch der wurde in der Habsburger Monarchie 1877 abgerissen. Geblieben ist der Markuslöwe in der Mitte der Fassade, mit einer Pranke auf einem Buch, das Machtsymbol der Republik Venedig. „Das haben die Habsburger erhalten, das hat ihnen gefallen.“ Und der Rest? „Ringstraßenstil aus Wien“, sagt Sinkovič.

Hinter dem Tartiniplatz beginnt das Gewirr der Altstadtgassen. „Man kann sich verlaufen, aber irgendwann kommt man zum Meer oder wieder zum Tartiniplatz“, so die Gästeführerin. Wer sich allerdings einfach nur treiben lasse, laufe Gefahr, das „Schmuckstück von Piran“ zu verpassen: den Kreuzgang des Minoritenklosters St. Franziskus.

Eine Kopie aus Venedig

Es ist durchaus möglich, dass man diesen Ort der Ruhe für sich alleine hat. Und auch die Kirche selbst lohnt einen Blick, vor allem, seit im Dezember 2025 das Gemälde „Madonna mit den Heiligen“, das Vittore Carpaccio, Maler der Frührenaissance, 1518 schuf, in die Kirche zurückgekehrt ist. 1940 war es von den Italienern nach Padua gebracht worden, aus Sorge vor Bomben. „Wir sind sehr glücklich“, sagt Sinkovič. 

Die roten Dächer der Altstadt werden überragt von der Pfarrkirche von St. Georg, der größten der zehn Kirchen. Der Glockenturm gewährt - ähnlich wie die Türme der Stadtmauer - einen schönen Blick auf Piran. Es handelt sich um eine kleinere Kopie des Glockenturms auf dem Markusplatz in Venedig, wobei Sinkovič nicht ohne Stolz darauf hinweist, dass die Kopie älter ist als das Original, denn der Campanile in Venedig stürzte 1902 ein und wurde rekonstruiert.

Oben auf dem Turm thront mit ausgebreiteten Flügeln eine bewegliche Statue: Erzengel Michael. „Schaut er Richtung Triest, wird das Wetter schön, schaut er zum Hafen, wird es schlecht.“ 2018 wurde ein Flügel bei einem Sturm abgerissen und landete auf dem Tartiniplatz.

Der gut drei Meter hohe Erzengel musste überholt werden. Fünf Monate fehlte der Wetterbote. Bevor er mit Hilfe eines Hubschraubers an seinen alten Standort zurückgebracht wurde, durften die Piraner ihn auf dem Tartiniplatz zwei Tage lang aus der Nähe bewundern.

Dank Salz zur Blüte

Dass Piran zur schillerndsten Perle an der slowenischen Riviera werden konnte, verdankt die Stadt dem Salz. Am Georgstag, dem 23. April, zogen früher Piraner Familien für mehrere Monate mit Kind und Kegel in die gut fünf Kilometer entfernten Salinen von Sečovlje, um dort das weiße Gold zu gewinnen. Jährlich wird das mit einem Volksfest gewürdigt.

Salz war ein kostbares Handelsgut, wichtig vor allem für die Konservierung von Lebensmitteln. Und auch wenn sich Venezianer wie Habsburger das Monopol sicherten und das Gros des Salzes abgegeben werden musste, wussten sich die Piraner ihren Anteil zu sichern.

Heute sind die Salinen von Sečovlje ein Naturpark. Salz wird immer noch gewonnen, allerdings nur in Lera, dem nördlichen Teil der Salinen. Wie vor 700 Jahren lassen die Arbeiter das Meerwasser verdunsten und schieben dann das Salz mit Holzschabern zusammen. Gut 1.500 Tonnen werden so von April bis August geerntet. Hinzu kommen rund 35 Tonnen der besonders begehrten Salzblüte, die von der Oberfläche der Sole mit Sieben abgeschöpft werden kann, wenn denn das Wetter mitspielt.

Eine Torte mit Olivenmousse und Karamell 

Eine Prise dieses feinen Salzes krönt auch den Appetithappen, den Irena Fonda ihren Gästen reicht. Die Verkostung steht am Ende eines Besuchs der „Fonda Fischfarm“ am Rande der Salinen von Sečovlje. Die Biologen-Familie hat sich nicht weniger vorgenommen als „den besten Fisch der Welt zu züchten“. Der wächst heran in Becken, denen sich die Besucher mit dem Boot oder wahlweise auch mit Kajak oder SUP nähern. Es ist vor allem der hier gezüchtete Wolfsbarsch - „brancin“. Unter Gourmets genießt er einen ausgezeichneten Ruf.

Wem nach dem Appetithappen der Sinn nach einer kompletten Mahlzeit steht, der sollte das „Restaurant Marina“ im nahen Portorož ansteuern. Es gehört zu den wenigen Häusern an der slowenischen Küste, die Fonda-Fisch auf der Karte haben. Und dazu auch die populäre Š'torta, eine vergleichsweise junge Tortenkreation eines Sternekochs aus Piran mit Olivenmousse, Karamell und Salz. 

Trüffel, das wohl bekannteste Produkt aus istrischer Erde, lassen sich Feinschmecker unter anderem in Padna schmecken, einem Bergdorf im Hinterland von Piran. In der „Gold Istra Residence“ werden die Trüffel frisch über zahlreiche Gerichte gehobelt und veredeln die Fuži, eine traditionelle Pasta, genauso wie das Beefsteak oder die Pannacotta.

Die Rohware liefert Dario Benčič, ein pensionierter Verkehrspolizist, der seit 40 Jahren nach der edlen Knolle buddelt, stets begleitet von einem seiner vier Hunde. In der Saison nimmt der 63-Jährige Touristen mit auf die Suche. Danach wird gemeinsam gekocht. Meist wohl immer mit mindestens einer Prise Salz.

Links, Tipps, Praktisches:

Reiseziel: Piran liegt im Südwesten Sloweniens am Mittelmeer, genauer: auf einer Halbinsel im Adriatischen Meer.

Anreise: mit dem Flugzeug nach Triest oder Ljubljana, die Flughäfen liegen 80 bzw. 140 Kilometer entfernt. Mit Zug und Bus reist man über München, Llubljana und Portorož an. Mit Pkw sind es ab München noch etwa fünf Stunden Fahrt, ab Frankfurt über neun und ab Berlin zwischen zehn und elf Stunden. Wer in Österreich und Slowenien auf Autobahn oder Schnellstraße unterwegs ist, benötigt eine kostenpflichtige Vignette (asfinag.at/maut-vignette; vignetteslovenia.eu). Für die Nutzung des Karawankentunnels fällt eine Extra-Maut an.

Touren und Unternehmungen: Eine geführte Tour durch den Landschaftspark der Salinen von Sečovlje kostet ab 6 Euro pro Person; das örtliche Salinenmuseum hat von April bis Ende Oktober geöffnet. Eine geführte Trüffelsuche in Padna kostet ab 130 Euro pro Person; eine Tour zur Fischfarm Fonda per Boot mit Verkostung ab 73 Euro pro Person.

Weitere Informationen, auch zu Unterkünften, Restaurants und Sehenswürdigkeiten: portoroz.si/de

© dpa-infocom, dpa:260616-930-234228/1


Von dpa
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