Als „Meilenstein für den öffentlichen Nahververkehr” in der Region bezeichnet Landtagsabgeordneter Martin Stümpfig (Grüne) das Bahnreaktivierungsprojekt zwischen Dombühl und Wilburgstetten. Er fordert aber: „Der Nahverkehrsplan für den Busverkehr muss umgearbeitet werden.”
In einer Pressemitteilung ist sich der Grünen-Politiker aus Feuchtwangen sicher: „Der Durchbruch liegt zum Greifen nah.” Die Reaktivierung der Schienenstrecke werde bis 2029 gelingen”, schreibt er. Eine Schienenanbindung sei für Feuchtwangen, Schopfloch, Dinkelsbühl und Wilburgstetten wichtig.
Den Grund für seinen Optimismus sieht er in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, die sich erheblich verbessert habe. Das liege zum einen an geänderten Bewertungsmaßstäben, erklärt er. Die Daseinsvorsorge spiele mittlerweile eine wesentlich höhere Rolle. „Und da bekommen Projekte in unserem mit ÖPNV massiv unterversorgten Raum die maximale Punktzahl.” Wichtig gewesen sei auch der Zugewinn an Geschwindigkeit auf der Strecke, wodurch die Attraktivität im Vergleich zum Auto steige. Und schließlich habe die Umstellung auf elektrische Akku-Triebwagen eine hohe Punktzahl gebracht, berichtet Stümpfig.
Nach Auskunft der Mittelfränkischen Eisenbahngesellschaft sei der nächste Schritt nun der Förderantrag, der gestellt werden müsse. Stümpfig geht in seiner Pressemitteilung davon aus, dass dieser im zweiten Quartal 2026 vorliegt.
Vegetationsschnittarbeiten sind laut MdL im Herbst 2026 geplant. Bei den Baumaßnahmen sei lediglich an einer Straßenkreuzung ein Planfeststellungsverfahren nötig. Bei den Brückensanierungen handle es sich allesamt um Ersatzbauten, die schneller im Genehmigungsverfahren seien. Wenn also alles reibungslos läuft, dann rechnet Stümpfig mit der Fertigstellung der Baumaßnahmen und Inbetriebnahme der Strecke für den Fahrplanwechsel 2029.
Auch über die Finanzierung sagt er etwas: Insgesamt seien 40 Millionen Euro vom Bund vorgesehen. Das sei im Vergleich zu Baumaßnahmen an Autobahnen „ein überschaubarer Betrag und im Finanztopf schon eingeplant”, meint er. Überhaupt habe der Bund mit der „expliziten Unterstützung ländlicher Räume einiges besser verstanden als die Staatsregierung, denn diese lässt uns mit einem sehr hohen Defizit beim ÖPNV alleine“, kritisiert der Landtagsabgeordnete.
Auch für die Kommunen entlang der Strecke gebe es in den kommenden Jahren einiges zu tun: So müsse der Nahverkehrsplan für den Busverkehr umgearbeitet werden. Die Bahnhalte in Feuchtwangen, Schopfloch, Dinkelsbühl und Wilburgstetten müssten gut mit den Gemeinden in der Nähe verbunden werden, fordert er. Mönchsroth, Langfurth, Dürrwangen und weitere Ortschaften müssten mit kurzen Busstrecken angebunden werden. Wie das aussehen könnte, hat Stümpfig schon im Jahr 2018 skizziert.
Durch die Neu-Ausrichtung des Busverkehrs auf die Haltepunkte der Bahn werde die Verkehrsanbindung der gesamten Region verbessert. Die Buslinien würden auf die Bahnhöfe und die Fahrzeiten der Züge ausgerichtet. Das sei ohnehin Bedingung des Freistaates. Die Verkehrsanbindung der Orte werde dadurch „deutlich verbessert”. Ortschaften, die bisher lediglich ein reines Schüler-Busangebot hätten, könnten künftig mehrere Fahrtenpaare am Tag haben. Deshalb sei gerade auch für kleinere Orte die Reaktivierung eine große Chance, ist Stümpfig überzeugt.
Er weist in seiner Pressemitteilung auch darauf hin, dass die Gemeinden Zuschüsse vom Bund und vom Land erhalten würden, um die Kreuzungsbereiche auszubauen und „Park and Ride”-Parkplätze zu errichten. Diese Vorhaben müssten allerdings spätestens dann konkret angepackt werden, wenn der positive Förderbescheid im kommenden Sommer vorliegt. „Vorbereitungen dafür und Gespräche sollten aber jetzt schon beginnen”, fordert Stümpfig.
Allerdings brauche es nach der Reaktivierung bis Wilburgstetten einen weiteren Schritt: die Durchbindung nach Nördlingen.