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Veröffentlicht am 19.02.2023 11:15

Begeisterung für die Gestaltung der Zukunft in Diespeck

Notfalls auch mal im Schneidersitz auf dem Boden: Bei der zweiten Auflage der Klimawerkstatt in Diespeck waren die Teilnehmer an beiden Tagen mit viel Engagement bei der Sache. (Foto: Rainer Fritsch)
Notfalls auch mal im Schneidersitz auf dem Boden: Bei der zweiten Auflage der Klimawerkstatt in Diespeck waren die Teilnehmer an beiden Tagen mit viel Engagement bei der Sache. (Foto: Rainer Fritsch)
Notfalls auch mal im Schneidersitz auf dem Boden: Bei der zweiten Auflage der Klimawerkstatt in Diespeck waren die Teilnehmer an beiden Tagen mit viel Engagement bei der Sache. (Foto: Rainer Fritsch)

Eine positive Bilanz hat Diespecks Bürgermeister Christian von Dobschütz nach der eineinhalbtägigen zweiten Klimawerkstatt in seiner Gemeinde gezogen.

„Es war einfach wieder super und wir hatten zwei bundesweit arbeitende Institutionen – das „Institut für partizipatives Gestalten (IPG)“ und der Verein „Mehr Demokratie“ – die uns ein hervorragendes Programm zusammengestellt und die Inhalte mit einer großen Überzeugungskraft an die Anwesenden vermittelt haben“, sagte der Bürgermeister.

Die Klimawerkstatt hatte in der Aula der Grund- und Mittelschule stattgefunden. Mit seiner Meinung stand er nicht alleine da: Bei einer abschließenden Umfrage äußerten sich alle rund 30 Teilnehmer des zweiten Tages überaus positiv: interessant, sehr informativ und ausgezeichnet aufbereitet seien die Themen rund um Klima-, Umwelt-, Tier- und Pflanzenschutz. Besonders die Tatsache, dass ganz konkrete Handlungsempfehlungen an Privatpersonen vermittelt wurden, stieß auf Begeisterung.

Gäste aus anderen Gemeinden dabei

Zur Veranstaltung, die am Freitag begann, war neben vielen gastgebenden Diespeckern auch Bürgermeister Klaus Meier aus der Nachbarkommune Neustadt mit einigen seiner Stadträte gekommen. Am Samstag waren dann zwischen 9.30 Uhr und 17.15 Uhr auch Gerhard Eichner (Bürgermeister in Gutenstetten) und Jürgen Meyer (derzeitig amtierender Bürgermeister in Dietersheim) mit von der Partie.

Nach der ersten Auflage vor 14 Monaten, so berichtete von Dobschütz, habe sich in seiner Gemeinde eine sehr engagierte Gruppe von Bürgern gebildet, die Diespeck zu einem Aushängeschild für nachhaltiges Handeln und Leben machen wolle. Einige Projekte seien schon verwirklicht, andere würden aktuell entwickelt. Angelegt sei bereits die Klimabaum-Allee mit klimaresistenten Baumarten. Außerdem existierten mittlerweile ein Naturerlebnispfad, größere Blühflächen, eine Freiflächen-Photovoltaikanlage soll demnächst kommen, eine Streuobstwiese mit 40 Bäumen ist fertig, soll aber vergrößert werden und bis 2026 wird dann auch ein Nahwärmenetz zur Verfügung stehen.

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Als hochinteressant bewerteten die Anwesenden die Vorträge von vier Fachleuten. Larissa Reininger vom Forstamt stellte den Wald im Klimawandel vor. Der neue Streuobstmanager im Landratsamt, Florian Kleinschroth, berichtete von den großen Streuobstbeständen bei Burgbernheim. Wolfgang Endres erläuterte das Projekt Blühflächen und per Videokonferenz erzählte der krankheitsbedingt am persönlichen Erscheinen verhinderte Dr. Rainer Fugmann über die neuesten Freistaat-Richtlinien bezüglich das Baus von Windkraftanlagen. So sollen zukünftig in Bayern 1,8 Prozent der kommunalen Flächen für die Windräder bereit gestellt werden – abhängig von der jeweiligen Region.

In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden Probleme und Lösungsansätze zu diversen Themen diskutiert und die Ergebnisse vorgestellt. Moderatoren waren dabei Ulrike Oemisch von der IPG und Steffen Krenzer von „Mehr Demokratie“. Demnach sollten die Regionen mehr Flächen für Windräder zur Verfügung stellen. Angst vor deutlich mehr Windkraftanlagen müsse man dabei nicht unbedingt haben – es werde statt dessen wohl eher größere Windräder geben. Ein großes Exemplar erzeugt heute den Strom von drei bis vier älteren.

Jugend sollte mit eingebunden werden

Bezüglich der Einbindung und besseren Information der Öffentlichkeit, speziell der Jugend, wurde der Vorschlag gemacht, mehr mit den Schulen zusammenarbeiten und junge Menschen zu mehr Engagement aufzurütteln. Dazu sei ein Kompetenzenaufbau nötig.

Um die Infrastruktur nachhaltig zu verbessern, könnte man ein E-Auto Sharing einführen. Laut Christian von Dobschütz wird in Diespeck bereits seit fünf Jahren der Verleih eines Neun-Sitzers organisiert. Die Einführung von E-Scootern wurde ebenfalls angeregt und zudem solle man auf Eltern einwirken, ihre Kinder mit dem Fahrrad in die Kita zu bringen.

Um den Absatz von regionalen Produkten zu steigern, so ein weiteres Diskussionsergebnis, solle die Gemeinden Listen veröffentlichen, auf denen Hersteller von nachhaltigen Produkten aufgeführt sind. Zudem findet am 28.April ein Streuobsttag statt. Angeregt wurde darüber hinaus ein Obstblütenfest, der Kauf von Pasteurisierungsanlagen zur Haltbarkeitsmachung oder die Lagerung von Obst in Felsenkellern.

Schnell realisierbar sei die Aufstellung einer Gartennutzungssatzung durch den Gemeinderat, nach der Grundstückseigentümer zum Aufbau eines Naturgartens verpflichtet werden. Diesbezüglich musste der Bürgermeister allerdings bremsen: Das sei kurzfristig nicht umsetzbar, denn es gibt derzeit keine Flächen, auf denen man ein Neubaugebiet ausweisen kann. Derzeit verfolge man statt dessen das Ziel „Innen statt außen“: Keine Neuversiegelungen an den Rändern der Orte, sondern die Nutzbarmachung und Bebauung leer stehender Häuser und Flächen im Inneren der Dörfer.

Verein bietet kostenlose Veranstaltung an

Steffen Krenzer schließlich machte den Anwesenden das Angebot, eine derartige Veranstaltung durch den Verein „Mehr Demokratie“ auch in anderen Gemeinden kostenlos zu organisieren. Das ist möglich, da der Verein viele Spenden und Mitgliedsbeiträge erhält. Gegenüber der Redaktion erklärte Krenzer, der Verein habe bundesweit bereits über 10.000 Mitglieder.


Von rf
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