Das Bewirtungshaus in den Ipsheimer Weinbergen ist über die Jahre zu einem wahren Besuchermagneten geworden. Dass es sich so entwickeln würde, war in der Anfangszeit noch alles andere als klar. Am kommenden Wochenende startet die neue Saison.
Einer, der die Historie des Bewirtungshauses sehr gut kennt, ist Rudolf Fähnlein. Er ist Ehrenvorsitzender des Weinbauvereins Ipsheim und Altsitzer. Seit 1985 war Fähnlein sieben Jahre lang zweiter Vorsitzender des Vereins. Danach stand er der Gruppierung über 20 Jahre an der Spitze vor.
1984 kam es in Ipsheim zur Weinbergsflurbereinigung, erklärt Fähnlein. Ganz wenige Familien hatten damals die Weinherstellung selbst ausgebaut. Denn viele, die damals in den Weinbau eingestiegen waren, wollten eigentlich nicht Winzer werden, sondern Trauben erzeugen und diese verkaufen. Zügig begannen aber immer mehr Winzer in Ipsheim doch auf die Direktvermarktung umzusteigen. Heute verkaufen über 90 Prozent der Winzerinnen und Winzer in der Gemeinde ab Hof. „Das ist die höchste Direktvermarktungsquote in ganz Franken”, sagt Fähnlein.
In den gut 40 Jahren seit der Flurbereinigung seien die Weinmengen auf dem Markt deutlich gestiegen. Gehe man davon aus, dass 20 Prozent der Flächen von Beginn an bestanden und 80 Prozent noch dazukamen, „dann sind das grob 250.000 Liter, die in Ipsheim pro Jahr mehr zu vermarkten waren”, so Fähnlein. Man musste sich etwas einfallen lassen.
Deshalb kam 1986 der Gedanke auf, dass man die Wege, die bei der Flurbereinigung entstanden waren, zu einem „Weinwanderweg” umwandeln könne. Auch der initiierte Wein-Wander-Tag war ein Baustein. Der Idee, ein Bewirtungshaus zu errichten, geht derweil eine witzige Geschichte voraus.
An einem Sonntag 1996 fand eine Wandergruppe einen alten Karton und schrieb auf ihn: „Liebe Ipsheimer Winzer, warum schenkt ihr an so einem schönen Sonntag keinen kühlen Schoppen Wein aus?”, zitiert Fähnlein. Ein Auftrag, dem der Weinbauverein prompt nachkam. Auf einem freien Platz stellte man sich also auf und schenkte provisorisch Wein aus.
Irgendwann festigte sich der Gedanke, das Provisorium auf stabile Füße zu stellen. Ein Bewirtungshaus sollte entstehen. Der Standort war erst offen. Das Grundstück, auf dem das Haus später errichtet wurde, erwarb der Verein. Zuvor war dort eine verpachtete Wiese. Als das Konzept für das Bewirtungshaus stand, fand im Mai 2000 eine außerordentliche Versammlung statt, in der man sich den Segen der Mitglieder geben ließ.
Insgesamt stieß man auf viele Fürsprecher. Etwa den damaligen Bürgermeister Hans Herold, oder die Architektin Birgit Dehner, die den Plan für das Haus entwarf. Zwar standen nicht alle Winzerinnen und Winzer hinter dem Projekt, eine Zustimmungsquote von 75 Prozent erhielt man aber immerhin. „Ja, wir hatten schon auch Gegenstimmen und schlaflose Nächte”, betont Rudolf Fähnlein.
Im Dezember 2000 reichte man den Plan beim Landratsamt ein. Die Genehmigung erfolgte schnell. Das Abwasser durfte damals nicht in einen Oberflächengraben eingeleitet werden, man musste eine abflusslose Grube errichten. Für die Wasserversorgung war zunächst kein eigener Anschluss geplant. Man wollte das Wasser stets zum Haus hinfahren. Das Gesundheitsamt riet allerdings davon ab und plädierte dafür, einen Wasser- und Stromanschluss vorzusehen. Der zuständigen Mitarbeiterin sei man heute noch dankbar für diesen Hinweis, so Fähnlein, „unvorstellbar” wäre die ursprüngliche Variante heutzutage. Heilfroh ist man nun, beides umgesetzt zu haben.
Der Fördergeber, die Regierung von Mittelfranken, zog bei der Umplanung allerdings nicht mit, weshalb das Projekt letztlich etwas teurer wurde. Schließlich bekam man eine EU-Förderung von 25 statt der ursprünglich angedachten 30 Prozent. Weitere Mittel erhielt man von der Gemeinde Ipsheim. An Kosten fielen für das Projekt 150.000 D-Mark an. Rund 2000 Stunden investierten zudem die Winzerinnen und Winzer unentgeltlich. Im Mai 2002 wurde das Haus eingeweiht.
Zunächst wurde nur am Sonntag bewirtet, heute werden auch die Samstage bespielt. Weingüter, aber auch Vereine und Privatpersonen bringen sich ein. In der Regel ist das Haus von Ende April bis Ende Oktober geöffnet. Zum Auftakt in diesem Jahr am Samstag und Sonntag, 25. und 26. April, ist das Weingut Kreiselmeyer der Gastgeber. Eine Konkurrenz zu den Heckenwirtschaften wollte man indes nie sein. Im Gegenteil: Beides befruchte sich, sagt Winzer Thomas Kreiselmeyer.
Immer wieder wurde baulich nachgebessert. Im Jahr 2010 wurde eine Verglasung angebracht, um die Zugluft abzuwehren. 2020 modernisierte man die Küche und vor gut zwei Jahren baute man eine Kleinkläranlage für das Abwasser. Auch mit dem Thema erneuerbare Energien hat man sich beschäftigt.
„Mit der Zahl an Menschen, die kommen, wenn offen ist, hat man am Anfang nicht gerechnet”, sagt Stefan Eber, heutiger Vorsitzender des Weinbauvereins. Zu Beginn stand eine Größenordnung von 50 bis 100 Personen pro Öffnungstag im Raum. Heute pilgern teils 150 hinauf, viele auch mit dem Fahrrad.
Schaffen will man am Bewirtungshaus Weinerlebnisse. „Einen Wein dort zu genießen, wo er gewachsen ist. Mit dieser Aussicht. Das ist eine ganz besondere Atmosphäre.” Hinzu kommt: Die Weinberge waren früher im Herbst für die Bevölkerung nicht zugänglich, erklärt Eber – aus Angst vor Trauben-Diebstahl. „Das war in allen Weinbaulagen so”, sagt Fähnlein. „Wir waren mit die Ersten in der Region, die sie öffneten.” Heutzutage wäre es dagegen unvorstellbar, in der schönsten Zeit des Jahres, die Weinberge zu verschließen.
Infos zu Bewirtungsterminen unter www.weinbauverein-ipsheim.de/bewirtungshaus/