In Brasilien haben die Wahllokale bei der richtungsweisenden Stichwahl um das Präsidentenamt nach einer Verlängerung der Wahlzeit geschlossen. Rund 159 Millionen Brasilianer waren in dem größten Land Lateinamerikas aufgerufen, zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro zu entscheiden. Nach einem engen Wahlkampf wird mit ersten vorläufigen Ergebnissen in der deutschen Nacht auf Montag gerechnet.
Das Rennen zwischen den beiden Politikern gilt als äußerst knapp. In Umfragen vor der Wahl lagen sie nahezu gleichauf. In der ersten Wahlrunde hatte Flávio Bolsonaro mit rund 47 Prozent der gültigen Stimmen vor Lula mit 45 Prozent gelegen.
Der 80-jährige Lula von der linken Arbeiterpartei PT bewirbt sich um eine vierte Amtszeit. Er setzt auf Sozialprogramme, staatliche Investitionen und die Fortsetzung seines Regierungskurses. Flávio Bolsonaro von der rechten Liberalen Partei (PL) wirbt mit konservativen Positionen und einem härteren Vorgehen gegen Kriminalität.
Der Richter Cristiano Zanin vom Obersten Gerichtshof (STF) hatte die Stimmabgabe wegen gemeldeter Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr mit Auswirkungen auf die Wähler um zwei Stunden bis 19.00 Uhr Ortszeit verlängert. Die Anordnung galt landesweit. Die bereits begonnene Auszählung wurde nach der Entscheidung zunächst unterbrochen.
Das Wahlbündnis von Lula hatte die Verlängerung beantragt und auf Schwierigkeiten mit Busverbindungen und öffentlichen Verkehrsmitteln in mehreren Bundesstaaten verwiesen. Auch das Wahlkampfteam von Flávio Bolsonaro forderte mehr Zeit für die Stimmabgabe in Teilen von Minas Gerais und Rio Grande do Sul, wo heftige Regenfälle, Überschwemmungen und Stromausfälle den Wahlablauf beeinträchtigt haben sollen.
Für Aufsehen sorgte zudem ein Streit um den öffentlichen Nahverkehr in Salvador im Bundesstaat Bahia. Dort durften laut dem Nachrichtenportal „G1“ mindestens 75 Busse zunächst ihre Depots nicht verlassen. Das regionale Wahlgericht ordnete die Festnahme des städtischen Mobilitätssekretärs Pablo Souza wegen eines mutmaßlichen Wahlvergehens an. Die Stadtverwaltung erklärte, es habe Streit um Aufkleber mit der Nummer von Lulas Arbeiterpartei PT auf den Bussen gegeben.
© dpa-infocom, dpa:261025-930-888813/3