Das Ansbacher Frühlingsfest zieht aufs Messegelände | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.01.2025 17:12

Das Ansbacher Frühlingsfest zieht aufs Messegelände

Das Attentat auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt und seine Folgen: Das Ansbacher Frühlingsfest (23. Mai bis 1. Juni 2025) wird von der Hofwiese aufs ehemalige Messegelände umziehen. So hat es der Stadtrat einstimmig beschlossen. Grund: Das Areal ist mit wesentlich weniger Aufwand gegen Terroranschläge mit Fahrzeugen zu sichern.

Nach dem Anschlag von Magdeburg habe man die Sicherheit auf dem eigenen Weihnachtsmarkt mit zusätzlichen Polizeibeamten „nachgeschärft“, erklärte OB Thomas Deffner. Aber man habe sich auch Gedanken für die Zukunft gemacht. Am 13. Januar erfolgte eine Sicherheitsbegehung der örtlichen Sicherheitsbehörden auf der Hofwiese, wo nach dem Beschluss des Stadtrates vom Mai 2024 das Frühlingsfest weiterhin stattfinden sollte.

Rund 270 Meter Fahrzeugsperren müssten her

Ergebnis: „So wie bisher können wir’s nicht lassen“, sagte der OB. Die Hofwiese biete eine offene Flanke zur Residenzstraße, die aufwendig gesichert werden müsste. Kulturreferentin Nadja Wilhelm rechnete vor: Rund 270 Meter Fahrzeugsperren wären entlang der Residenzstraße, der Eyber Straße, aber auch an der Alexanderstraße und der Nürnberger Straße nötig. Kostenpunkt rund 32.000 Euro, zuzüglich 140 Arbeitsstunden des Betriebsamtes zu Kosten von 10.500 Euro.

Am ehemaligen Messegelände bestehe nur eine Zufahrt an der Straße „Am Onolzbach“ und der Fußweg „Am Reiterzentrum“. Die Böschung zum Hohenzollernring sei so steil, dass Attentatsversuche hier scheitern würden, so Wilhelm. Sie rechnet hier mit einem Sicherungs-Aufwand von 12.000 Euro plus Arbeitsstunden. Zusätzlich werde es aber nötig, die Infrastruktur des ungleich größeren Geländes (Strom, Wasser und Abwasser) für rund 10.000 Euro auszubauen.

Frank Reisner (SPD) begrüßte die Verlegung, hegte aber wie Manfred Stephan (BAP) Zweifel, was die Infrastruktur-Kosten am Messegelände anging. Schließlich hatte Wilhelm im Mai 2024, als es im Stadtrat um die Entscheidung pro Hofwiese oder pro Messegelände ging, noch von über 500.000 Euro gesprochen.

Veranstalter müssen sich arrangieren

Die Kulturreferentin entgegnete, damals habe man in einem Erstentwurf Maximallösungen für große Fahrgeschäfte wie eine Achterbahn berechnet. Wilhelm: „Wir kommen mit den 12.000 Euro und den 10.000 Euro hin.“ Die Veranstalter müssten sich halt mit den Gegebenheiten arrangieren.

Johannes Meier (AfD) wollte wissen, ob die Veranstalter einen „Safe Space” für Frauen und Mädchen vorgesehen hätten. Nadja Wilhelm versprach, das Anliegen an die Veranstalter weiterzugeben.

Die Offene Linke machte sich eher darüber Gedanken, was der Umzug des Frühlingsfestes für die geplante Wohnbebauung auf dem Messegelände bedeutet. „Ist die etwa vom Tisch?“, fragte Uwe Schildbach. Und sein Fraktionskollege Boris-André Meyer sagte, dies könne nur eine vorübergehende Lösung sein: „Das Gelände ist die einzige innerstädtische Fläche mit Entwicklungspotenzial.“ Auch Friedmann Seiler (ÖDP) plädierte für eine „Übergangslösung“. Man dürfe sich nicht die Chance für eine Wohnbebauung verbauen.

Jochen Sauerhöfer (CSU) erklärte, wenn aufgrund der Sicherheitslage die Hofwiese nicht mehr möglich sei, solle man Fahrzeugsperren anschaffen, die auch bei anderen Veranstaltungen zum Einsatz kommen könnten. Das sei der Plan, so der OB. Eine Sicherheitslösung mit Fahrzeugen werde es nicht mehr geben: „Das wird Geld kosten.“

Shuttlebus vorgeschlagen

Die Verkehrsanbindung des neuen Festgeländes gab Simon Mayr (Grüne) zu denken. Er brachte einen Shuttlebus ähnlich wie beim Altstadtfest ins Gespräch. „Wenn Sie mir sagen, wie wir das finanzieren, gerne“, sagte OB Deffner.

Seien denn die Betreiber der Buden und Fahrgeschäfte bereit, sich auf dem Gelände mit der dürftigen Infrastruktur einzurichten, fragte Bürgermeisterin Elke Homm-Vogel (Freie Wähler/Ansbacher). Nadja Wilhelm zeigte sich zuversichtlich, gab aber zu: „Die Zeit ist knapp.“

Im Haushalt 2025 sind bisher 30.000 Euro fürs kulturelle Rahmenprogramm, die Aufstellung von Sicherheitssperren sowie fürs Marketing vorgesehen. Jetzt kämen also 30.000 Euro dazu, fragte Meike Erbguth-Feldner (Grüne): „Eine Woche Frühlingsfest kostet uns also 60.000 Euro?“

Nachdem im Plenum Zweifel aufkamen, ob das reichen kann, wurde auf Einwirken von Manfred Stephan ein maximaler Mehraufwand von 30.000 Euro in den Beschlussvorschlag geschrieben, der anschließend einstimmig beschlossen wurde.

Das ehemalige Messegelände aus der Luft. Oben in der Mitte ist die einzige Zufahrt von der Straße „Am Onolzbach“ zu sehen. (Archivbild: Walter Röber)
Das ehemalige Messegelände aus der Luft. Oben in der Mitte ist die einzige Zufahrt von der Straße „Am Onolzbach“ zu sehen. (Archivbild: Walter Röber)
Das ehemalige Messegelände aus der Luft. Oben in der Mitte ist die einzige Zufahrt von der Straße „Am Onolzbach“ zu sehen. (Archivbild: Walter Röber)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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