Für Michael Steinbauer sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Der Diplom-Bauingenieur war mit einer Variantenuntersuchung beauftragt worden, wie es mit der Breitenloher Kläranlage weitergehen soll. Das Ergebnis stellte er am Montagabend im Rat von Burghaslach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) vor. Es war eindeutig.
Für die örtliche kleine Teichkläranlage ist die wasserrechtliche Erlaubnis abgelaufen; sie wird derzeit – wie in solchen Fällen üblich – auf Basis einer noch bis Ende 2028 geltenden Übergangsregelung betrieben. Für das Abwasser des Burghaslacher Ortsteils braucht es deshalb eine neue Genehmigung. Und die gibt es nur, wenn die Marktgemeinde die Entsorgung modernisiert.
Im Wesentlichen gab es dafür zwei Überlegungen: Man könnte die Kläranlage von Grund auf sanieren und etwa eine Tauchscheibenkörperanlage errichten, oder aber das Abwasser wird über die Gemeindegrenze hinweg in die ziemlich neue Vestenbergsgreuther Anlage geleitet, also in den Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt.
Steinbauers Ingenieurbüro untersuchte dies inklusive verschiedener Untervarianten. Am Ende stand bei der Sanierungsoption eine Zahl von über einer Million Euro. Bei einer Kläranlage im Scheibentauchkörperverfahren wäre es nur knapp über dieser Marke, beim SBR-Verfahren sogar fast 1,1 Millionen Euro. SBR steht für Sequentielle Biologische Reinigung und gilt als das modernere Verfahren.
Die Scheibentauchkörper, so merkte Steinbauer an, seien „ein alter Hut”; derlei „baut man nicht mehr”. Jedoch wollte das Wasserwirtschaftsamt diese Variante mit untersucht haben. Der Ingenieur plädierte dafür, etwas zu bauen, das auch noch in zwanzig Jahren auf dem Stand der Technik sein werde.
Für die Überleitung des Breitenloher Abwasser untersuchte Seinbauer ebenfalls unterschiedliche Varianten. Die günstigste davon mit einer Trassenführung über Burgweisach berechnete er mit 855.000 Euro. Darin eingerechnet ist auch eine Pumpe für die Druckleitung. Eventuell könne das Abwasser jedoch per Freispiegelkanal abgeleitet werden, also dank des natürlichen Gefälles ohne eine in der Regel kostspielige Pumpe. Ob das wirklich möglich ist, müsse jedoch noch genau untersucht werden.
Zudem sei die Überleitung auch im Unterhalt merklich günstiger. Für eine eigene Kläranlage müsse man mit Betriebskosten von rund 42.000 Euro jährlich rechnen, bei der Überleitung seien es nur 25.000 Euro.
Auf alle Fälle braucht man in Breitenlohe aber mindestens noch eine Anlage fürs Mischwasser, die nach Steinbauers Zahlen mit etwa 350.000 Euro zu Buche schlägt. Hinzu kommt noch ein Retentionsbodenfilter, also eine Anlage, die sowohl das Wasser filtriert als auch etwas zurückhält. Das regte jedenfalls das Wasserwirtschaftsamt an, hieß es in der Sitzung. Allerdings wollen die Burghaslacher angesichts der Kosten von etwa 650.000 Euro darüber noch einmal mit der Behörde verhandeln. Lieber wäre es der Marktgemeinde, wenn dieser Anlagenteil verzichtbar wäre, zumal man befürchtete, dieser pflanzliche Filter müsse in Trockenphasen unter Umständen sogar gegossen werden.
Dringend ans Herz legte Steinbauer dem Ratsgremium, man möge den Oberflächenwassereintrag in den Schmutzwasserkanal möglichst minimieren. Ein kompletter Umstieg auf ein Trennsystem beim Abwasser scheint derzeit in Breitenlohe zwar nur partiell möglich, aber immerhin könne man das bei der durch den Ort führenden Staatsstraße wohl recht einfach erreichen, mutmaßte der Bauingenieur.
Angesichts der beträchtlichen Summe von mehr oder minder zwei Millionen Euro, um die es bei jedweder Lösung geht, brachte Ludwig Lehner (Freie Gemeindeliste) den Bau einer eigenen, zentralen Kläranlage für Burghaslach ins Spiel. Doch Bürgermeister Armin Luther wollte dieses Fass derzeit nicht aufmachen: „Die Diskussion führt an dem Punkt zu weit”, fand er.