Das Altmannshäuser Feuerwehrhaus ist zwar dem Abriss geweiht, steht aber nach wie vor. Der bereits im Mai gefasste Ratsbeschluss könnte jedoch hinfällig werden, denn das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim hat Interesse an dem Gebäude, wie dessen Direktor Dr. Herbert May am Freitag eine Anfrage unserer Redaktion bestätigte.
In dem Gebäude aus dem Ende des 19. Jahrhunderts steckt jede Menge Ortsgeschichte, erklärte May. Und es handelt sich nicht nur um ein Feuerwehrhaus. Das Bauwerk beherbergte einst „mehrere Funktionen, die für die Gemeinde wichtig sind“, führte der Museumsdirektor aus. Insbesondere war darin eine Viehwaage untergebracht. Der Lehrer der früheren, unmittelbar benachbarten Schule hatte seinen Waschraum darin. Für die Schule diente zudem eine Holzlege. Und auch der Schlauchturm sei etwas Besonderes. „Das ist schon wirklich hochspannend“, befand May.
Die Museumsleute haben das Fachwerkgebäude dendrochronologisch untersuchen lassen, also eine zeitliche Einordnung anhand des verwendeten Holzes versucht. Auch schriftliche Quellen wurden zurate gezogen. Ergebnis ist: Das Haus ist wohl 1881 erbaut worden.
Interessant daran sei, dass „sehr viel Holz vom Vorgängerbau mitverbaut worden ist“, erläuterte May. An selber Stelle stand vormals offenbar eine Schmiede. Deren Errichtung mutmaßt man im Jahr 1699. Denn viele Holzproben datieren aus jenem Jahr. Beim Bau des Feuerwehrhauses fanden Balken aus dieser Schmiede eine Zweitverwendung. „Man hat das Holz nicht einfach weggeworfen, sondern recycelt.“
Hinzu kommt, dass auch Mauerzüge zu finden sind, die „möglicherweise aus noch älterer Zeit“ stammen, eventuell von einer Kirchhofummauerung, spekulierte May. Jedenfalls ziehen sich diese Mauern bis ins Dach, was – ebenfalls spekulativ – ein Hinweis auf einen vormaligen Eckturm sein könnte.
„Da steckt ganz viel Dorfgeschichte drin“, bestätigte May. Das Bauwerk gilt dennoch nicht als Einzeldenkmal. Diesen Status hatte die Marktgemeinde eigens nochmals abgefragt. May verwunderte dies und erklärt es sich damit, dass die Einschätzung des Landesamts für Denkmalpflege vor den Untersuchungen des Freilandmuseums lag. Über die dadurch erst ermittelte Geschichte „konnten die noch nichts wissen“, gab May zu bedenken.
„Was schwierig ist, ist die Hanglage, die wir im Museum nicht so haben“, räumte May ein. Es gebe zwar den Museumshügel; doch dieser bestehe bekanntlich aus Schutt, was der Standsicherheit abträglich ist. Zudem braucht man eine Stelle, wo das Altmannshäuser Gebäude auch thematisch dazu passt. Es etwa zur Baugruppe „Nürnberger Land“ dazuzustellen, würde sich nicht ins Museumskonzept einfügen. Das Feuerwehrhaus muss vielmehr den Gebäuden des westlichen Mittelfrankens zugeordnet werden. Der Direktor sprach von einer „großen Herausforderung“, und bekannte: „Ich weiß, ehrlich gesagt, noch nicht richtig, wie das vom Standort her funktionieren könnte.“
Der Markt Bibarter Bürgermeister Klaus Nölp kann der Idee der Verlegung ins Museum einigen Charme abgewinnen. Insbesondere wäre das Feuerwehrhaus dort eines von wenigen Exponaten, die aus dem südlichen Steigerwald stammen und das erste aus Markt Bibart. Für die Gemeinde wäre dies sicherlich ein Imagegewinn, mutmaßte Nölp.
Die Marktgemeinde wäre wohl auch bereit, sich mit einem Obolus an den Kosten zu beteiligen. Ein Abriss wäre ja schließlich ebenfalls nicht umsonst zu haben, erklärte Nölp. Und da es sich um ein Feuerwehrgebäude handelt, konnte sich May vorstellen, dass auch von dieser Seite Unterstützung kommt.
Neben den baulichen und finanziellen Fragen gilt es zunächst aber, insbesondere die Verwaltungs- und politischen Hürden zu nehmen. Die zuständigen Ausschüsse beim Bezirk einzubinden, wäre eine „unabdingbare Voraussetzung“, erklärte May. Das Bad Windsheimer Freilandmuseum ist eine Einrichtung des Bezirks Mittelfranken.
Um das Vorhaben aber überhaupt im Kulturausschuss des Bezirks vorstellen zu können, braucht der Museumsdirektor umfassendere Informationen. Er müsste dem Gremium einen konkreten Standort vorstellen können und auch schon zu den Finanzen etwas sagen, aber die Kostenseite stand bislang noch nicht auf der Aufgabenliste.
Mit einer Entscheidung ist im auslaufenden Jahr nicht mehr zu rechnen. Aber im kommenden Jahr werde sicherlich darüber beschlossen, kündigte May an.