Hier lag schon mal ein Krokodil in der Badewanne, und Siegfried & Roy schickten einen weißen Tiger aus Übersee: Das Exotenasyl in Wallersdorf ist reich an Geschichten. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass die eigene Geschichte bald vorbei sein könnte. Die Auffangstation steht vor einer ungewissen Zukunft. Mehr denn je.
Jeden ersten Sonntag im Monat ist der kleine Ansbacher Ortsteil voller Menschen, zumindest, wenn die Sonne scheint. Der Tag der offenen Tür, in dem die Besucher die verschiedenen Tiere beobachten können, hat sich als Besuchermagnet etabliert. Viele Menschen kommen auch nur, um im Tiger-Cafe ein Stückchen vom selbst gebackenen Kuchen zu genießen. Solche Tage spülen jeweils ein paar Hundert Euro in die nicht sonderlich prall gefüllte Kasse.
Zum Überleben reicht das gerade so, die vorhandenen Ideen von einem Umzug lassen sich damit aber nicht verwirklichen. Manuel Buck steckt in einem Dilemma. Der Vorsitzende des Vereins, der das Exotenasyl trägt und finanziert, weiß um die aktuellen Zwänge, die mit dem gepachteten Areal einhergehen. So ganz grün ist man sich nicht, Bucks Renovierungswünsche im Hinblick auf die in die Jahre gekommenen Käfige und den Außenbereich gehen bislang nicht mit den Vorstellungen des Verpächters einher.
Am liebsten würden die Verantwortlichen des Exotenasyls in eine eigene Bleibe ziehen. Doch derartige Pläne der jüngeren Vergangenheit, etwa die Umsiedelung in das nahe Waldgebiet der Feuchtlach, haben sich zerschlagen. Der Grund dafür ist, kurz gesagt, recht simpel. „Dafür fehlt uns das Geld“, sagt Buck und zuckt etwas ratlos mit den Schultern.
Auf rund 20.000 Euro summieren sich die Ausgaben des Vereins am Ende jeden Monats, der größte Teil davon – neben dem Unterhalt der Anlage – muss in das Futter der Wildtiere investiert werden. Es braucht einiges an Fleisch, ehe die schon 17 Jahre alten Tiger Boris und Ussuri, die drei aus falscher Haltung stammenden exotischen Wildkatzen und die beiden Luchse satt sind.
„Rund 400 Mitglieder“ finanzieren diese Ausgaben größtenteils über ihre Beiträge. Große Sprünge sind da nicht drin, derzeit versucht Buck mit einem zweiten hauptamtlichen Tierpfleger, die angestaubten Gehege zeitgemäßer sowie den Vorgarten attraktiver zu gestalten. Alte Fliesen sind nun abgeschlagen, Grünpflanzen wurden gesetzt und mit Hackschnitzeln ein weicher Untergrund geschaffen. „Wir wollen weg von der Knast-Optik“, erklärt Buck den Hintergrund der Schönheitsreparaturen.
Wir wollen weg von der Knast-Optik.
Das sind kurzfristige Maßnahmen, um den aufgenommenen Tieren ein Dasein in einer artgerechten Umgebung ermöglichen zu können. Doch neuerliche behördliche Auflagen, wie den nun vorgeschriebenen Zaun in Höhe von knapp drei Meter rund um das Gelände, werfen die Verantwortlichen wieder zurück.
Mit einer Prognose, ob das Exoten-asyl in dem derzeitigen Zustand eine Zukunft hat, tut sich Manuel Buck auch deshalb schwer. „Ich bin nicht so arg zuversichtlich“, räumt der 40-Jährige mit Blick auf die kommenden Monate ein. Möglicherweise schreibt das Exotenasyl gerade eine Geschichte ohne Happy End.