Das Handy als Fluch und Segen: Prozess gegen 54-Jährigen vor dem Landgericht Ansbach | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 04.04.2025 19:25

Das Handy als Fluch und Segen: Prozess gegen 54-Jährigen vor dem Landgericht Ansbach

Mit einem Küchenmesser soll ein 54-Jähriger in Lehrberg andere Männer angegriffen haben. Als es zerbrach, holte er ein zweites. Wegen versuchten Totschlags steht er nun vor Gericht. (Symbolfoto: Anna Beigel)
Mit einem Küchenmesser soll ein 54-Jähriger in Lehrberg andere Männer angegriffen haben. Als es zerbrach, holte er ein zweites. Wegen versuchten Totschlags steht er nun vor Gericht. (Symbolfoto: Anna Beigel)
Mit einem Küchenmesser soll ein 54-Jähriger in Lehrberg andere Männer angegriffen haben. Als es zerbrach, holte er ein zweites. Wegen versuchten Totschlags steht er nun vor Gericht. (Symbolfoto: Anna Beigel)

Im Oktober vergangenen Jahres sind vier Männer in einer Arbeiterunterkunft in Lehrberg aneinandergeraten. Gegen einen 54-Jährigen läuft nun ein Prozess am Landgericht Ansbach. Der Vorwurf: versuchter Totschlag. Während der Auslöser des Streits ein Handy war, hat ein anderes Handy am Tatabend Schlimmeres verhindert.

Der Angeklagte Sorin B. (Name geändert) ist kein unbeschriebenes Blatt. Drei mal wurde er in Rumänien bereits verurteilt, drei mal saß er im Knast. Unter anderem wegen einer „ähnlichen Geschichte“ wie die in Lehrberg, das hat er dem psychiatrischen Gutachter erzählt. Und tatsächlich, der Hintergrund für B.s letzte Inhaftierung hat viele Parallelen zur Anklage, um die es diesmal geht: Ein Streit eskaliert, wird körperlich, Sorin B. soll ein Messer gehabt haben, es ist Alkohol im Spiel. Damals ging es um Geld, heute um ein Handy.

Alkohol spielte am Tatabend eine Rolle

Während die Staatsanwältin Tina Schlauersbach die Vorwürfe gegen ihn verliest, ist der 54-Jährige leicht zur Seite gedreht, um zu hören, was die Dolmetscherin hinter ihm in Echtzeit ins Rumänische übersetzt. Seit 2023 ist der Angeklagte zum Arbeiten in Deutschland. Zuerst in Aachen, später in Lehrberg im Landkreis Ansbach. Zuletzt war er in einer Beziehung mit einer Frau, die in Belgien lebt. Am Tag der Tat gab es einen Streit zwischen den beiden, hat er dem Gutachter gesagt. Sie hatte ihm verkündet. dass sie doch nicht zum Arbeiten nach Deutschland kommen will, „weshalb er Alkohol getrunken hat, was er sonst selten tut und nicht gewohnt ist“, so der Gutachter.

Der Angeklagte hatte also Bier und Schnaps gekauft und gemeinsam saßen die Arbeiter vor der Unterkunft, tranken und hörten Musik. Irgendwann wollte Sorin B. sich laut dem Gutachter im Haus etwas kochen und ließ sein Handy liegen. Als er zurückkam, sei es weg gewesen. Dann soll es zur verbalen Auseinandersetzung, später zur Schlägerei und irgendwann auch zum Griff nach dem Messer gekommen sein.

Aus dem Bluttest, der später am Tatabend von der Polizei gemacht wurde, hat der psychiatrische Gutachter einen Alkoholwert von etwa 2,6 Promille zum Tatzeitpunkt errechnet. Da Sorin B. also stark alkoholisiert war, will der Vorsitzende Richter Matthias Held vom Gutachter wissen, ob er noch in der Lage war, die Situation einzuschätzen. Laut dem Psychiater hat der Alkohol dafür gesorgt, dass B. sich nicht mehr voll steuern konnte. Dann wird der Abend im Oktober aus Sicht anderer erzählt – der Zeugen. Fünf davon sagen am ersten Prozesstag aus. Immer wieder geht es darum, ob Sorin B. betrunken war und woran man dies erkennen konnte. „Er ist schleppend langsam gelaufen“, sagt eine Nachbarin. „Er hat nicht mehr ganz umrissen, um was es denn eigentlich geht“, ein Polizist.

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Und es spricht noch ein Mann, der für seine Aussage eine weite Anreise aus Rumänien auf sich genommen hat. Er wohnte auch in der Arbeiterunterkunft in Lehrberg und war dabei. Er erzählt, dass Sorin B. sein Handy suchte, wütend wurde. Einer der anderen Männer habe das Telefon dann in B.s Jackentasche entdeckt und ihn darauf hingewiesen, so der Zeuge. Doch das brachte ihn nur noch mehr zur Weißglut: „Er warf ihm vor, dass er ihm das Handy in die Jacke gesteckt hat“, wird der Zeuge übersetzt. Im weiteren Verlauf soll B. immer wieder „Ich bringe euch um“ geschrien haben.

Schlimmeres durch Mobiltelefon verhindert

Einen der Arbeiter soll er getreten haben, als dieser auf dem Boden lag. Schützend hatte dieser seine Hände vor dem Gesicht, weshalb sein Kopf verschont blieb. Irgendwann hatte Sorin B. dann ein Ausbeinmesser in der Hand, etwa 15 Zentimeter lang war die Klinge. Der Zeuge wollte Sorin B. beruhigen. Dabei wurde er am Oberkörper verletzt. Ein Schnitt ging durch seine Jacke. Ein dort befindliches Handy hat wohl Schlimmeres verhindert, erzählt er nun.

Trotz aufkommender Panik fasste der heute 56-Jährige am Tatabend den Mut und schaffte es, Sorin B. zu schubsen. Der fiel auf den Boden, wobei das Messer in mehrere Teile zerbrach. Doch B. ging ins Haus und kam mit einem zweiten Messer zurück. Wieder wurde der Zeuge beim Versuch, ihn abzuhalten, verletzt.

„Habt ihr ein Glück, dass ich betrunken bin. Wäre ich nüchtern, wärt ihr nicht mehr am Leben“, soll der Angeklagte gesagt haben. Und: „Ich habe schon mal im Knast gesessen. Ich tue dir was an und wenn ich rauskomme, suche ich dich auf.“


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin in Ansbach
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