„Das macht uns finanziell kaputt“: Ornbau bangt um Feuerwehrhaus | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.04.2024 17:56

„Das macht uns finanziell kaputt“: Ornbau bangt um Feuerwehrhaus

Hier sollen sich die Feuerwehrmänner der Stadt Ornbau auch in Zukunft umziehen. (Foto: Jonas Volland)
Hier sollen sich die Feuerwehrmänner der Stadt Ornbau auch in Zukunft umziehen. (Foto: Jonas Volland)
Hier sollen sich die Feuerwehrmänner der Stadt Ornbau auch in Zukunft umziehen. (Foto: Jonas Volland)

Trotz einiger Tricks drohen Abriss und Neubau des verschimmelten Sozialtraktes die Kassen Ornbaus endgültig zu leeren. 1,35 Millionen soll das Projekt zur Rettung des jungen Feuerwehrhauses kosten. Und das, obwohl sich die Stadt schon dadurch quasi eine halbe Million spart, dass in Ornbau nur Männer in der Feuerwehr sind.

Ungewohnt unruhig war es in der Sitzung des Stadtrates am Dienstag. Aufgebrachte Wortmeldungen wechselten sich mit einer beklemmenden Stille ab, die zum Beispiel nach dem Ausspruch der Zahl „1,35 Millionen Euro“ die Stadthalle beherrschte. Auf diese Kosten schätzt der beauftragte Architekt Klaus Gerbing nämlich das Projekt – noch mehr, als bisher bekannt war.

Bodenplatte könnte bleiben

Das erst 2012 eingeweihte Haus nimmt seit 2017 Schaden durch Feuchtigkeit und ist inzwischen so stark verschimmelt, dass die Statik bedroht ist. Der Versuch, Wände zu erhalten, wäre noch teurer. Fundamente und Bodenplatte könnten bleiben, was Kosten spart. Der neue Trakt wird aber in Massivbauweise errichtet, nicht wie der alte in Holzständerbauweise. „Die halte ich bei einem Feuerwehrhaus, das nicht durchgehend beheizt ist, sowieso für ungeeignet“, so Gerbing.

Der Grundriss bleibt fast gleich, nur ein neues Büro und eine Tür für Bauhof und Wertstoffhof wird es geben. Das ist die gute Nachricht: Damit erhalten auch die städtischen Mitarbeiter ordentliche Büro- und Sanitärräume. Sonst hätte ein eigener Bau für sie bestimmt 200.000 oder 300.000 Euro verschlungen, schätzt Stadtrat Gerhard Herrmann.

Preise seit letztem Bau stark gestiegen

Josef Heumann hingegen sagte: „Ich verstehe nicht, wie so ein Gebäude 1,3 Millionen Euro kosten kann.“ Das ursprüngliche Haus, das aus Sozialtrakt, Fahrzeughalle und Blaumeierhalle besteht, hatte insgesamt 880.000 Euro gekostet.

Doch seitdem gab es immense Preissteigerungen. „Ich arbeite mit Zahlen aus aktuellen Projekten, ich mache die Preise nicht“, sagte Architekt Gerbing. Und es ist auch viel Geld für Gutachten und die umfassende Dokumentation der Maßnahme berücksichtigt. Die braucht die Stadt für den ausstehenden Rechtsstreit mit dem ursprünglichen Architekten des Feuerwehrhauses.

Nur eine Umkleide für Männer geplant

Großzügig sei die Kostenschätzung, sprang Bürgermeister Marco Meier bei. Und falls das Feuerwehrhaus ans geplante Nahwärmenetz angeschlossen wird, entfallen einige Kosten für eine Zentralheizung, die jetzt noch veranschlagt ist.

Zudem haben die Verwaltung und Architekt Gerbing – die schon seit einem Jahr dabei sind, den Bauantrag vorzubereiten – tief in die Trickkiste gegriffen, um zu sparen. Eigentlich müsste ein Neubau inzwischen neue Standards erfüllen: geschlechtergetrennte Umkleiden außerhalb der Fahrzeughalle etwa. Damit wäre das Projekt aber um eine halbe Million Euro teurer geworden, da dafür die Blaumeierhalle umgebaut werden müsste. Doch in der Feuerwehr Ornbau sind aktuell nur Männer, erklärte Meier. Und damit wird nun auch für die Zukunft geplant.

Keine Förderung, aber Baugrundstücke

Dafür hat die Stadt auch eine Gefährdungsbeurteilung erstellt, durch die in der Zukunft jeder Feuerwehrmann über mögliche Risiken des Umziehens in der Halle aufgeklärt wird. Es werden Poller zwischen den Stellplätzen und den Spinden errichtet, damit kein Fahrzeug auf einen Menschen rollen kann.

Und trotzdem: „Das macht uns finanziell kaputt“, sagte Meier über die große Investition für die kleine Stadt. „Ohne, dass wir dafür etwas können.“ Meier spielt darauf an, dass das Beweissicherungsverfahren in der Vorgängerperiode gestartet wurde, statt den Schaden zu beheben. „Wer glaubt, dass die Kosten eine Versicherung zahlen wird, der lebt in einer anderen Welt.“ Förderung werde die Stadt keine erhalten. Es helfe, dass die Stadt Baugrundstücke vermarkten kann – um die Kreditaufnahme geringer zu halten.

„Wir reden von 1,3 Millionen Euro für Räumlichkeiten, die 90 bis 95 Prozent des Jahres leer stehen“, betonte Mario Lindemann und stellte in den Raum, den Sozialtrakt nur abzureißen und es bei der Fahrzeughalle zu belassen.

Entscheidung soll nächste Woche fallen

Tom Graimer kann den Einwand durchaus verstehen. „Aber ich glaube, dann haben wir keine Feuerwehr mehr.“ Das bestätigte Manuel Göttler, der auch der Vorsitzende der Ornbauer Wehr ist. „Mehr als die Hälfte“ der Ehrenamtlichen würde dann wohl abspringen, womit sie doch auf den Stand von vor 70, 80 Jahren zurückgeworfen werden würden. Meier erklärte, dass die Stadt dann Bürger verpflichten müsste, um den Brandschutz zu gewährleisten – rein hypothetisch.

Die allgemeine Meinung im Stadtrat tendiert wohl dazu, die Kosten zu stemmen. Die Entscheidung darüber will das Gremium aber erst nächste Woche im Rahmen der Haushaltsberatungen treffen. Nicht wegen Zweifeln an Architekt Gerbing oder dem Bekenntnis zur Feuerwehr. „Sondern wegen der Zahl von 1,3 Millionen für die eh schon schwimmende Stadt Ornbau“, wie Stadtrat Stefan Sellinger mit fast zitternder Stimme erklärte.


Jonas Volland
Jonas Volland
Jahrgang 2001, fing direkt nach seinem Abitur bei der FLZ an, ist im Anschluss an sein Volontariat seit dem Jahreswechsel 2023 Redakteur in der Ansbacher Lokalredaktion. Fasziniert von bunten Geschichten und aufwendigeren Recherchen.
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