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Veröffentlicht am 14.07.2024 15:30

„Das Vertrauen fehlt“: ANregiomed-Chef Sontheimer ist angezählt

Dr. Gerhard Sontheimer bleibt Vorstand des Klinikverbundes ANregiomed. Den umfassenden Rückhalt hat der Krankenhaus-Chef aber nicht mehr. Die Hälfte der Verwaltungsräte stimmte für seine Ablösung. Erforderlich wäre eine Zweidrittel-Mehrheit gewesen.

In den vergangenen Wochen hatte es mehrere öffentliche Forderungen gegeben, Sontheimer zu entlassen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung sprechen fünf der sechs Vertreter aus dem Landkreis Ansbach – Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU), Dr. Christoph Hammer (CSU), Stefan Horndasch (CSU), Gabriele Müllender (Grüne) und Uwe Reißmann (SPD) – von einer „öffentlich diskutierten Vertrauenskrise“, die mit dem Wechsel an der Spitze überwunden werden sollte.

Wörtlich heißt es: „Die Auffassungen zur inneren Führung, zur strategischen Entwicklung, zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat sowie zu Einzelmaßnahmen gingen zwischen dem Vorstand und Teilen des Verwaltungsrats in immer mehr Fällen zu stark auseinander.“ Es gibt Klagen aus dem Gremium über lückenhafte Unterlagen oder falsche Aussagen. „Das Vertrauen fehlt“, ist ein Satz, der immer wieder zu hören ist. Mit der Entlassung Sontheimers und der Vergabe der Geschäftsführung an eine Firma sollte es „eine Neuausrichtung und Stärkung in der Führung des Unternehmens“ geben.

Die Gräben scheinen tiefer denn je

Laut Satzung des Klinikverbundes erfordert ein solcher Schritt mindestens neun der zwölf Stimmen im Verwaltungsrat. Sowohl Stadt als auch Landkreis haben jeweils sechs Stimmen, während die Kosten 30 zu 70 aufgeteilt werden. Nachdem sich vor der nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsrates die Vertreter der Stadt Ansbach öffentlich gegen einen Wechsel an der ANregiomed-Spitze positioniert hatten, war klar, dass die notwendige Mehrheit nicht zustande kommen wird. Dennoch haben es die fünf Kreis-Vertreter versucht. Einen Stadt-Verwaltungsrat konnten sie auf ihre Seite ziehen. Da der Verwaltungsrat nichtöffentlich tagt, kann nur spekuliert werden, wer das war.

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Der sechste Kreis-Vertreter im Verwaltungsrat hat indes bei dem Sturzversuch nicht mitgemacht. Dr. Hermann Schröter (Freie Wähler) gilt zwar nicht als ausgemachter Fan von Gerhard Sontheimer, dennoch stimmte er anders, wie Teilnehmer berichteten. Er selbst wollte sich auf FLZ-Anfrage mit Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit der Sitzung nicht äußern. Doch es ist bekannt, dass Schröter der Meinung ist, dass sich der Klinikverbund aus Kostengründen nicht dauerhaft drei Krankenhaus-Standorte leisten kann.

Für das Verhältnis von Stadt und Landkreis im Verwaltungsrat war die Abstimmung sicher nicht förderlich. Zu Jahresbeginn hatten sich beide Seiten in drei Workshops wieder angenähert. Doch nun scheinen die Gräben tiefer denn je. Im Landkreis wirft man den Stadt-Vertretern vor, sie würden Sontheimer nur unterstützen, weil der sich für Ansbach als Schwerpunktkrankenhaus einsetzt und dafür Dinkelsbühl und Rothenburg opfern würde.

Sanierungskonzept soll abgewartet werden

Tatsächlich hört man von den Stadt-Verwaltungsräten kein Lob für den Klinikvorstand. Meist heißt es nur: „Ihn zu entlassen, löst unsere Probleme nicht.“ Die Stadt-Vertreter verweisen darauf, dass man sich in den Workshops auf Wunsch des Landkreises auf ein Gutachten geeinigt habe, das bis Jahresende ein Sanierungskonzept erarbeiten soll. Das sollte abgewartet werden.

Die Abstimmung erfolgte in der normalen Sitzung des Verwaltungsrates, die acht Stunden dauerte. Noch am Tag zuvor war eine gesonderte Sitzung vor der normalen Verwaltungsratssitzung angesetzt. Doch am Mittwochvormittag hat Landrat Dr. Jürgen Ludwig als Verwaltungsratsvorsitzender diese abgesagt. Es gab Bedenken, ob die Formalien eingehalten wurden. Dann wären Beschlüsse angreifbar gewesen.

Offen ist nun, wie Sontheimer reagieren wird. Zwar wurde er nicht entlassen, aber wenn nur die Hälfte des Verwaltungsrates hinter ihm steht, ist er zumindest angezählt.

Anfang 2022 hat der Verwaltungsrat einstimmig den Vertrag mit Dr. Gerhard Sontheimer verlängert, doch sein Rückhalt bröckelt. (Foto: Jim Albright)
Anfang 2022 hat der Verwaltungsrat einstimmig den Vertrag mit Dr. Gerhard Sontheimer verlängert, doch sein Rückhalt bröckelt. (Foto: Jim Albright)
Anfang 2022 hat der Verwaltungsrat einstimmig den Vertrag mit Dr. Gerhard Sontheimer verlängert, doch sein Rückhalt bröckelt. (Foto: Jim Albright)
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