Den Teufel reiten: Der Ansbacher Felix Straub will den nächsten WM-Titel | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 04.03.2025 14:00

Den Teufel reiten: Der Ansbacher Felix Straub will den nächsten WM-Titel

Weltcupgesamtsieger ist die Friedrich-Truppe schon. Nun soll der nächste WM-Titel her. Hier halten Matthias Sommer, Francesco Friedrich, Alexander Schüller und Felix Straub (von links) den Glaspokal. (Foto: BSD/Viesturs Lacis)
Weltcupgesamtsieger ist die Friedrich-Truppe schon. Nun soll der nächste WM-Titel her. Hier halten Matthias Sommer, Francesco Friedrich, Alexander Schüller und Felix Straub (von links) den Glaspokal. (Foto: BSD/Viesturs Lacis)
Weltcupgesamtsieger ist die Friedrich-Truppe schon. Nun soll der nächste WM-Titel her. Hier halten Matthias Sommer, Francesco Friedrich, Alexander Schüller und Felix Straub (von links) den Glaspokal. (Foto: BSD/Viesturs Lacis)

Der Devil’s Highway in Lake Placid kann Felix Straub nicht mehr groß schrecken. Die Kurven vier bis neun auf der Eisbahn in Lake Placid, Teufelsautobahn genannt, ist der Ansbacher schon mehrfach gefahren. „Da wird man hinten im Bob schon gut verprügelt“, weiß er.

Ein Gefühl wie beim Sturz

Die Kurven sind so eng, dass sich der Bob verwindet. Entsprechend stark rüttelt es die Besatzung durch. „Das fühlt sich dann manchmal an, als ob man stürzt“, berichtet Straub.

Wie oft seine Künste als Anschieber bei der Weltmeisterschaft im ehemaligen Olympiaort im US-Bundesstaat New York gefragt sind, wird sich zeigen.

Positive Probe war ein Schock

Der 27-jährige ehemalige Leichtathlet hat in seiner dritten Wintersportsaison eine zusätzliche Aufgabe im Team von Pilot Francesco Friedrich bekommen.

Straub gehört als vierter Mann zur Stammbesetzung im Vierer. Zudem ist er nun der Ersatz-Anschieber im Zweierbob. Das hat mit der auffälligen Dopingprobe zu tun, die das Team im Januar erschütterte. Der neue Anschieber Simon Wulff wurde positiv auf Stimulanzmittel getestet.

„Das war ein Schock. Ich bin schon jahrelang im Leistungssport aktiv und hatte noch nie etwas mit Doping zu tun“, sagt Straub.

Weltcupgesamtsieg ist in Gefahr

Wulff hatte mit Friedrich im Zweier mehrere Weltcuprennen bestritten und zwei gewonnen. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Gut möglich, dass dem Team Friedrich nachträglich die diesjährigen Weltcupgesamtsiege aberkannt werden.

Wulff wurde gesperrt und Friedrich brauchte einen neuen Anschieber für den Zweier. Die Wahl fiel auf Straub, der als eigentlich zu leicht für den kleinen Schlitten galt. Aber die Tests fielen ganz gut aus, ein Weltcupeinsatz wurde mit Silber belohnt. Bei der WM ist Straub nun Ersatzmann für Alexander Schüller (SV Halle).

Ersatzmann im Rennanzug

„Das heißt, ich mache die Vorbereitung mit, mache mich auch mit warm und stehe im Rennanzug parat, falls Alex was passiert, was ich natürlich nicht hoffe“, so Straub. Für sich persönlich bilanziert Straub schon jetzt eine „sehr gute Saison“. Sein Konto steht nun bei acht Weltcupsiegen im Vierer.

Regelmäßig glänzt die Friedrich-Truppe mit Bestzeiten beim Start, liefert dem Piloten also mit vereinten Kräften einen minimalen Vorsprung, den der oft genug ins Ziel bringt. Keine geringe Rolle spielt dabei das Material, an dem unablässig gefeilt wird.

Da ist der Pott: Felix Straub (links) mit WM-Pokal und Medaille, Rechts Pilot Friedrich. (Foto: BSD/Viesturs Lacis)
Da ist der Pott: Felix Straub (links) mit WM-Pokal und Medaille, Rechts Pilot Friedrich. (Foto: BSD/Viesturs Lacis)

Wie Bobfahrer Straub aus Ansbach seinen WM-Titel feierte

Europameister, Weltmeister und 2026 Olympiasieger? Der ehemalige Sprinter durfte den größten Erfolg seiner Laufbahn nur relativ kurz genießen.

In den Tagen vor den WM-Rennen wird nochmals jedes einzelne Teil der Schlitten, und davon gibt es erstaunlich viele, intensiv gepflegt, geschliffen, poliert. Immer auf der Suche nach der letzten Hundertstel, die über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.

Noch mehr Eis für die Bahn

Im Gegensatz zu den Weltcuprennen mit nur zwei Durchgängen werden bei einer WM vier Läufe, verteilt auf zwei Tage, gefahren. Los geht es am 8. und 9. März mit dem Zweier, der Titel im Vierer wird am folgenden Wochenende vergeben. Hier ist Straub mit dem Friedrich-Team Titelverteidiger. Vergangenes Jahr setzte sich die Truppe in Winterberg vor dem deutschen Konkurrenten Johannes Lochner durch.

In 20 Kurven zum Titel

In den 20 Kurven der Mt. Van Hoevenberg Bahn, in denen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erreicht werden, soll der nächste WM-Titel her, es wäre der perfekte Saisonabschluss.

Bislang hadert man in Lake Placid noch etwas mit dem Untergrund. „Die Bahn ist denke ich noch nicht hundertprozentig in dem Zustand, wie sie sein sollte. Es ist relativ wenig Eis, es muss vielleicht hier und da noch ein bisschen mehr Eis rein“, monierte Friedrich nach den ersten Trainingsläufen.

Die Feierkneipe steht schon fest

Ganz in der Nähe vom Hotel, in dem das Team logiert, gibt es eine unter Wintersportlern berühmte Kneipe. Bislang, so beteuert Straub, habe man die nur von außen gesehen. „Da gehen wir erst hin, wenn es was zu feiern gibt“.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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