Hartmut Sammetinger aus dem Uehlfelder Ortsteil Schornweisach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) ist ein echter „Holzwurm“ und stolz darauf. Sammetinger ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seine große Leidenschaft ist seit eh und je die Holzverarbeitung in jeder nur erdenklichen Form. Leidenschaftlich sägt, hobelt und schleift er, woraus die unterschiedlichsten Kunststücke entstehen.
Schon seit seiner Schulzeit sei das Holz für ihn ein faszinierendes Material, erzählt „Sammy“ – so sein Spitz- und Künstlername – beim Werkstattbesuch. Der Rohstoff Holz sei für ihn viel mehr als nur ein Stamm, ein Klotz, ein Ast oder ein Scheit. Eiche, Kiefer, Lärche, Fichte oder auch die unterschiedlichsten Obstbaumgehölzen: In allen sieht Sammetinger eine Grundlage, eine Ausgangssituation, eine Basis für ein weiteres Unikat. Manchmal, wenn er ein Stück in der Hand hält, wenn seine Finger über die Rinde streichen, dann ist es schon irgendwie wie „Liebe auf den ersten Blick“ sagt er grinsend. Dann muss er nur ganz kurz überlegen, was daraus entstehen soll und hat bereits ein Bild von der fertigen Skulptur vor Augen.
Das Arbeiten mit dem Naturprodukt Holz sei für ihn zu einer dauerhaften Inspiration und Erfüllung geworden. Übrigens nicht des Geldes wegen – das ist für Sammy zweitrangig. Wenn er eine seiner Skulpturen verkauft, deckt er damit gerade mal seine Unkosten, „seine Brötchen“ verdient in einem Fertighausunternehmen, wo er allerdings die meiste Zeit am Schreibtisch sitzt. Gerade deswegen suchte er einen Ausgleich. Andere rennen Bällen nach oder klettern auf Berge – er verzieht sich in sein „Atelier“ und nennt sein Hobby liebevoll „Yoga mit Holz“.
In der näheren Umgebung hat sich mittlerweile herumgesprochen, was Hartmut Sammetinger aus dem Rohstoff Holz so alles zaubern kann. Seine Werke sieht man immer häufiger als Blickfang und Dekoration in Häusern, Höfen und Gärten. Er freut sich, wenn sich andere daran freuen.
Manchmal ist Sammy auch auf Kunsthandwerker-Märkten, lässt sich über die Schulter schauen, wenn er die Motorsäge anwirft oder die Feile ansetzt. Auch Holzbearbeitungsmaschinen helfen ihm bei den filigraneren Arbeiten.
Fragt man ihn nach den Gründen, den Wurzeln seiner Leidenschaft, fällt ihm zunächst sein Großvater ein. Ein Wagnermeister sei der gewesen, habe einen Beruf ausgeübt, den es heute schon längst nicht mehr gibt. Der Opa zeigte ihm das alte Handwerk von der Pike auf – vom Besenbinden bis zum Bau von schweren Wagenrädern. Viele Werkzeuge habe er von seinem Opa übernommen, die er bis heute noch verwendet und in Ehren hält. Auch sein Vater sei ihm ein Lehrmeister und ein Vorbild gewesen, von dem habe er Genauigkeit und Durchhaltevermögen gelernt.
Eine Ausbildung zum Maurer hat Hartmut Sammetinger einst gemacht, hat kurzfristig das Holz gegen den Stein eingetauscht. Danach aber besuchte er die Technikerschule in Würzburg und ist nun schon seit vielen Jahren als Hochbautechniker in einem Unternehmen tätig, das Fertighäuser produziert – von den Bodenplatte bis zum Dachstuhl, sagt er. Viel Holz ist da dabei, doch Sammy sitzt meist am Schreibtisch und plant und konstruiert – praktisches Werkeln wird von ihm kaum noch gefordert.
Schade eigentlich, denn wenn man ihm eine Weile zuhört, vermag man sich durchaus vorzustellen, was Sammy alles aus Holz machen würde, wenn man ihm denn die Zeit und Muße dafür ließe. Doch auch wenn sein Arbeitgeber keine Verwendung für seine künstlerischen Talente hat, haben diese sich längst herumgesprochen. Holz bekommt er mittlerweile von vielen angeboten – im Gegenzug erledigt er die eine oder andere künstlerische Gefälligkeit. „Ich hole mir entweder die Stämme aus dem eigenen Wald, oder sie werden bei mir vorbeigebracht“. Wenn ich frage, was es kostet, sagen die meisten: „Mach etwas Schönes draus“, erzählt er.
Für ihn ist es ein großartiges Gefühl, ein Stück Holz in der Hand zu halten und zu überlegen, was daraus entstehen soll. „Ich entscheide es immer erst dann, wenn ich es vor mir habe, denn jeder Klotz ist für etwas anderes bestimmt.“. Die Schönheit des Rohstoffs ist dabei nicht entscheidend für das spätere Resultat – im Gegenteil: „Je mehr Macken es hat, desto schöner werden oftmals die Werke“.
Sammetinger schwärmt, wenn er erzählt, was beispielsweise das Ölen beim Holz bewirkt: „Da kann man zuschauen, wie sich die Stücke verändern“. Große Skulpturen hat er schon gefertigt: Im Rathaus des „Storchendorfs“ Uehlfeld steht ein mannsgroßer Storch aus Holz, einen „Holzwurm“ findet man am Uehlfelder Sägewerksplatz und für Dachsbach hat Sammy zwei Dachse geschnitzt, die auf dem Platz in der Ortsmitte stehen, erzählt er.
Auch für den Waldkindergarten „Wichtelglück Vestenbergsgreuth“ hat er schon Figuren gefertigt und in Höchstadt lässt sich ein rund ein Meter langer „Sammetinger-Karpfen“ bewundern, den Kinder bemalen durften. Sammy selbst arbeitet nicht mit Farben – er mag seine Stücke naturbelassen, will, dass sein Werkstoff immer sichtbar bleibt. Seit kurzem übrigens kombiniert Sammy seine Holzarbeiten mit Werkstücken aus „Judiths Schatzstube“, die sehr viel mit Draht arbeitet. Holz und Metall? Mal gucken, wohin ihn das führt.
Für einen Blick auf Sammetingers Werke hier die Instagramadresse: sammys_holzarbeiten.