Niemand baut mehr Hybrid-Autos als Toyota. Und fast 30 Jahre nach der Premiere im Prius machen die Japaner nun noch einmal einen neuen Move: Als erster bringen sie die Technik selbst in den Kleinstwagen.
Während immer mehr Anbieter dieses Segment aufgeben oder auch im Großstadtdschungel auf sehr viel teurere E-Modelle setzen, macht der Hybrid-Champion den Aygo X so mit dem Facelift zum Teilzeitstromer und schlägt damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.
Er wird zwar etwa zehn Prozent teurer und startet jetzt bei 19.990 Euro. Aber dafür drückt die neue Technik spürbar den Verbrauch und verbessert zugleich das Fahrgefühl: War der Aygo bislang eine eher spaßbefreite Sparbüchse, schmerzt die Rücksicht auf Konto und Klima jetzt nicht mehr ganz so sehr. Im Gegenteil wirkt der Bonsai nach dem Update zumindest beim Antrieb halbwegs erwachsen und bewährt sich deshalb noch einmal besser im Alltag.
Wo bislang einsam und allein ein Dreizylinder mit mageren 1,0 Litern Hubraum und mickrigen 54 kW/73 PS orgeln musste, kommt jetzt der Antrieb aus dem großen Bruder Yaris zum Einsatz: Der Verbrenner wächst auf 1,5 Liter und zusammen mit der E-Maschine steigt die Leistung um mehr als 50 Prozent auf 85 kW/116 PS. Damit fährt sich der Knirps sich sehr viel entspannter.
Ampelspurts sind bei einem Sprintwert von 9,2 Sekunden für 0 auf 100 km/h weniger zäh, beim Überholen braucht man nicht mehr so viel Mut und Weitblick, auf der Autobahn sind jetzt immerhin 172 km/h drin und vor allem ist das nervige Gejaule weg. Obwohl der Aygo X mit dem Hybrid-Antrieb auch ein neues, bislang häufig kritisiertes automatisches CVT-Getriebe ohne feste Schaltstufen bekommt, klingt er souveräner und weniger aufdringlich.
In überraschend vielen Situationen ist der neue Aygo sogar ganz still. Denn obwohl der Akku nominell nur für kaum mehr als ein Kilometer reicht, fährt der Kleinstwagen oft rein elektrisch. Im Stadtverkehr zeigt der Bordcomputer häufig E-Anteile von 50 und mehr Prozent.
Obwohl er spürbar mehr Spaß macht, ist er obendrein deutlich sparsamer. Der Hybrid-Antrieb macht ihn nicht nur zur Reinkarnation des Dreiliter-Autos und drückt den Verbrauch gegenüber dem Vorgänger um ein rundes Viertel auf bestenfalls 3,7 Liter. Sondern mit einem CO2-Ausstoß von 85 g/km wird der Aygo X auf dem deutschen Markt zu einem der saubersten Autos ohne Stecker.
Aber Toyota hat nicht nur den Antrieb aufgewertet. Die Japaner haben auch das Fahrwerk neu abgestimmt und die Lenkung optimiert. Vor allem in der neuen - nun ja - Sportversion GR ist das Auto spürbar strammer und schärfer. Er bleibt zwar wendig und leichtgängig im Dschungel der Großstadt und bügelt dort Kopfsteinpflaster oder Temposchwellen sauber aus.
Aber auf der Landstraße gewinnt er an Präzision und Verbindlichkeit und schürt so selbstbewusst einen Hauch von Fahrfreude, der bei Kleinstwagen sonst eher selten ist. Erst recht, weil der Aygo X einer der letzten Kleinstwagen ist, die es auch mit einem Rolldach gibt. Ein paar Wochen noch, dann fühlt er sich passend zum Frühling fast nach Cabrio an.
Nur die Autobahn wird nicht seine Stammstrecke. Zwar gibt es mittlerweile Assistenten wie den Tempomaten mit Abstandregelung oder die Spurführungshilfe, zudem sind die Scheiben besser gedämmt und der Motorraum besser gekapselt. Aber mit zunehmendem Tempo wird es trotzdem merklich lauter, und so richtig wohl fühlt man sich trotz der höheren Spitzengeschwindigkeit zwischen Kombis im Kampfmodus und SUV im Sprint auf der linken Spur noch immer nicht.
Um den neuen Antrieb unterzubringen, hat Toyota den Bug verändert und den Vorbau vergrößert. Das Auto wächst so auf 3,78 Meter und macht mit den neuen Scheinwerfern und dem retuschierten Grill eine gute Figur – ernsthaft, engagiert, erwachsen.
Aber nur weil er acht Zentimeter länger ist als früher, bietet er nicht mehr Platz: Während man in der ersten Reihe kaum merkt, dass man in einem Winzling unterwegs ist und jetzt zudem in ein moderneres Cockpit mit größeren Displays schaut, geht es hinten bei gerade mal 2,43 Metern Radstand schmerzlich eng zu. Jenseits des Kindergartens wird es selbst für den Nachwuchs knapp.
Und als wäre das nicht schon unbequem genug, sind auch noch die Türen klein und öffnen lediglich in einem spitzen Winkel, so dass Erwachsene schon ein bisschen gymnastisches Talent brauchen beim Ein- und Aussteigen.
Aber immerhin haben die Japaner die Batterien für den Hybrid-Antrieb so unter der Rückbank versteckt, dass sich am Kofferraum nichts ändert. Wie bisher fasst der Aygo X 231 Liter – genug für den Wochenendeinkauf. In den Urlaub fährt man damit aber besser nur zur zweit. Und vielleicht auch dann nicht unbedingt bis ans Mittelmeer.
Klar, es gibt geräumigere Autos, selbst unter den Kleinwagen. Und der Elektrifizierung sei dank gibt es auch welche, die noch sparsamer sind. Aber in der Kombination aus niedrigem Preis, vernünftigem Verbrauch und verbessertem Alltagsnutzen ist der Aygo X nach dem Facelift ziemlich konkurrenzlos. Während andere Hersteller sich aus dem Segment längst verabschiedet haben, beweist Toyota damit gerade bei den Kleinsten wahre Größe. Datenblatt: Toyota Aygo X
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