Die Diagnose Demenz ist für Betroffene und Angehörige ein Schock. So war es auch bei Nicole Kief, die seit mehr als zwölf Jahren ihren erkrankten Mann pflegt. Sie kennt das Gefühl, am Ende der Kraft zu sein, weiß, wie es schmerzt zu sehen, wie sich der Partner verändert. Nun möchte sie eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von demenziell Erkrankten gründen.
„VergissMEINnicht“ soll sie heißen. Doch gerade das Vergessen ist oft Teil der Demenz. Partner, Kinder und Bekannte werden nicht mehr erkannt. Die 55-Jährige hat sich viel mit der Krankheit beschäftigt, viel gelesen, mit Ärzten gesprochen. „Demenz verändert die Persönlichkeit und die Rollen in der Beziehung. So war es auch bei uns. Trotz allem genießen wir die Zeit, die wir haben“, betont die Schornweisacherin.
Ihr Mann ist 20 Jahre älter als sie und leidet an Frontallappen-Demenz, erzählt sie. Auch sie machte die Erfahrung, dass Betroffene gerade in der Anfangszeit die Erkrankung gut verbergen können und Angehörige es erst spät mitbekommen. Nach der Diagnose neigt so mancher dazu, es zu verdrängen. Schwer sei es, mitzuerleben, wie sich die Persönlichkeit des anderen immer stärker verändert. „Der Respekt vor dem anderen Menschen bleibt. Man muss sehen, was er alles geleistet hat“ , so Kief.
Zwölf Jahre war sie mit ihren Sorgen allein. Zwar stehen Freunde als Gesprächspartner bereit, haben immer ein offenes Ohr, befinden sich aber in einer ganz anderen Lebenssituation als sie. Als Angehörige eines demenziell erkrankten Menschen möchte sie sich mit ebenfalls Betroffenen austauschen, Erfahrungen schildern, gegenseitige Unterstützung erleben. Gemeinsam mit dem Selbsthilfebüro der Caritas reifte die Idee, eine Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen.
Eine solche hat Nicole Kief noch nicht besucht. Gudrun Hobrecht, Leiterin des Selbsthilfe-Büros des Caritasverbandes, hilft bei der Umsetzung, steht ihr mit Rat und Tat zur Seite. Die Gruppe „VergissMEINnicht“ kann für die Treffen die Räumlichkeiten der Büchertauschbörse im Haus der kirchlichen Dienste, Ansbacher Straße 6, nutzen. Die Zusammenkünfte sollen an jedem dritten Montag im Monat ab 18 Uhr stattfinden. Das erste Treffen wurde für 20. Februar terminiert.
Nicole Kief versteht sich nicht als Gruppenleiterin, sondern als Gruppenpartnerin. Man trifft sich auf Augenhöhe. „Ich freue mich auf alle und bin gespannt, wer alles kommt.“ Es gebe bestimmt einige, für die das Angebot nichts ist. Aber einen Versuch sei es immer wert, unterstreicht sie.
„Es gibt mit Blick auf die Demenz viele schwierige Situationen, die wir vielleicht vermeiden können, wenn wir darüber regen. Es gibt Fragen, auf die wir vielleicht in der Gruppe eine Antwort finden, um mit der Last nicht alleine zu sein.“ Zu den Abenden sollen gelegentlich Experten etwa von Pflegekassen, Pflegeheimen, Ärzte oder Heilpraktiker eingeladen werden und Vorträge halten, plant die 55-Jährige, deren Mann zwei Mal in der Woche die Tagespflege besucht..
Sie kann sich auch gut vorstellen, Erste-Hilfe-Kurse zu veranstalten. Yoga oder Qi Ging als Ausgleich zu praktizieren. Gerade Letzteres habe ihr sehr geholfen, ihre Mitte zu finden, wieder zur Ruhe zu kommen. Ein großes Anliegen ist Nicole Kief, die sich zum Demenzbegleiter schulen lässt, zu betonen, dass das Programm gemeinsam gestaltet wird. Schön wäre es, wenn man Wege findet, für einen besseren Umgang und Alltag mit dem an Demenz erkrankten Angehörigen.
Wenn die Selbsthilfegruppe sich gefunden hat und aus einem festen Kreis besteht, würde die Schornweisacherin das Angebot gern als geschlossene Gruppe anbieten. So könnte sich Vertrauen aufbauen, da auch über sehr persönliche Dinge gesprochen wird. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen sich einfach von der Seele reden, was sie bedrückt.“
Wenn jemand neu dazu kommen will, wird dies in der Gruppe besprochen. Nun sind jedoch alle Interessierten willkommen, auch die, bei deren Angehörigen die Diagnose Demenz noch ganz frisch ist. Zum Auftakt am 20. Februar kann jeder ohne Anmeldung teilnehmen. Wer mag, ist eingeladen, sich vorab mit Nicole Kief unter der Telefonnummer 0170/1495342 oder per E-Mail an die Adresse info.vergissmeinnicht@aol.com in Verbindung zu setzen.