Bei den Luftangriffen auf Ansbach vor 80 Jahren starben Karl Hübsch und Mina Springer am Bahnhof, er hatte Wache gehalten, sie arbeitete in der Küche. Anna Betty Knöpfle wurde dagegen in ihrem Wohnhaus am Albrecht-Achilles-Weg ein Opfer der Bomben. Familienangehörige haben sich bei der FLZ gemeldet, um zu erzählen, was damals geschah.
Über das kurze Leben ihres Onkels Karl Hübsch hat Isolde Lang, geborene Hübsch, aus Sittlingen bei Dinkelsbühl einige Zeilen niedergeschrieben.
„Karl Hübsch aus Unterampfrach war ein Bruder meines Vaters. Er war als Soldat zur Bahnhofswache eingeteilt und wurde beim Bombenangriff verschüttet. Er war schwer verletzt. Anscheinend waren keine Papiere bei ihm zu finden, so dass man nicht wusste, wer er war. Er kam nach Feuchtwangen ins Krankenhaus, und dort wurde er zufällig von einem Nachbarn meiner Großeltern erkannt, der ihnen Bescheid gab. So konnte ihn mein Großvater noch einmal sehen, bevor Karl am 28. Februar 1945 verstarb.
Aus den Erzählungen meines Vaters und meiner Großmutter weiß ich, dass Karl ein intelligenter junger Mann war. Er hatte in Nürnberg im Betrieb eines Onkels als Galvaniseur gelernt und hätte das Geschäft, eine Verzinkerei, übernehmen sollen. Im Krieg war er in Russland, er bekam das Eiserne Kreuz 2. Klasse und die Ostmedaille.
Warum er Russland überlebte und dann ausgerechnet in der Heimat sterben musste? Schicksal? Die sechs Brüder von Karl kamen glücklicherweise wieder nach Hause, mein Vater war der Jüngste, 1924 geboren. Andere Familien im Ort haben alle ihre Söhne verloren.“
Ebenfalls auf dem Bahnhofsareal starb die erst 15-jährige Mina Springer. Von ihr erzählt ihre Nichte Christa Trump. Ein Foto, das das Mädchen zeigt, besitzt sie nicht.
„Bei den Luftangriffen kam meine Tante Mina Springer aus Sachsbach bei Bechhofen ums Leben. Meine Mutter Margareta Springer war elf Jahre älter als ihre Schwester Mina. Mina hatte damals im Bahnhof in der Küche gearbeitet.
Der Angriff hatte weitreichende Folgen für die Familie. So musste zum Beispiel eine weitere Schwester Minas ihre Stelle in Ansbach aufgeben und zu einem Bauernhof aufs Land wechseln, um der damaligen Gefahr zu entgehen. Laut dem Vater – die Mutter war sehr früh schon gestorben – durfte nach dem Bombenangriff keines seiner Kinder mehr in der Stadt arbeiten.“
Nicht am Bahnhof, sondern im von den Gleisen relativ weit entfernten Albrecht-Achilles-Weg kam die 42-jährige Hausfrau Anna Betty Knöpfle am 23. Februar 1945 ums Leben. Ihre Enkelin Bettina Dorow hat der FLZ ein Foto der Oma übersandt.
„Ich weiß leider sehr wenig über meine Großmutter, nur dass sie damals bei dem Luftangriff unbedingt zu Hause bleiben wollte“, erzählt Bettina Dorow. „Sie dachte wohl, dass sie dort im Keller sicher ist.“
Die anderen Familienmitglieder – der Ehemann von Anna Betty Knöpfle und ihre damals 14 Jahre alte Tochter – flüchteten in einen Luftschutzkeller in der Nähe. Sie überlebten die Bombardierung. Warum sich ihre Großmutter nicht überzeugen ließ, mitzukommen, hat die Enkelin nicht erfahren.
Auf einer Liste aus den 1950er-Jahren mit den Namen der in Ansbach von den Bomben getöteten Menschen sind Anna Betty Knöpfle und Karl Hübsch nicht zu finden. Auch andere Opfer, über die wir in unserer Serie „80 Jahre danach“ berichtet haben, sind teils nicht verzeichnet. Somit muss die bisher angenommene und publizierte Anzahl von 450 bis 500 Opfern wohl weiter nach oben korrigiert werden. Die Namen vieler Auswärtiger – darunter verwundete Soldaten auf Heimreise in den Zügen und zahlreiche Kriegsgefangene, die in den Ansbacher Fabriken arbeiten mussten – sind ohnehin unbekannt.