„Randgebiet“ heißt die erste Ausstellung dieses Jahres, die der Verein KunstRaumHeilsbronn in seiner Galerie zeigt. Dort präsentiert der in Nürnberg lebende Landschaftsmaler Jan Gemeinhardt zurzeit seine Werke.
Bei dem Begriff Landschaftsmalerei poppen meist Vorstellungen von schönen Gegenden, idyllischen Stadtansichten, einsamen Gehöften auf. Besonders in Franken, das mit seiner Ursprünglichkeit förmlich dazu einlädt. Solche Ideen darf man bei Jan Gemeinhardt getrost hinter sich lassen.
Er malt zwar Landschaften, die in gewisser Weise romantisch sind, doch dies eher im Sinne eines E.T.A. Hoffmann, Tieck oder Schlegel, die in ihrer Literatur gleichsam imaginäre Naturbilder schufen, denen neben dem Idyll auch etwas Bedrohliches innewohnte. In der Malerei sind es Caspar David Friedrich oder William Turner, die Landschaft nicht nur abbildeten, sondern inszenierten.
Jan Gemeinhardts Werke können beim Betrachten ähnliche Emotionen hervorrufen. Er interpretiert Natur als einen ebenso monumentalen wie fragilen Raum. In seinen häufig unbehausten Gegenden finden sich nur vage Spuren von Leben. Stille, Weite, Abgelegenheit, ein Gefühl eines wohltuenden Auf-sich-selbst-Zurückgeworfenseins.
Dabei wird der Betrachter in die Landschaft aufgenommen, ähnlich wie bei Friedrichs berühmtem Gemälde, das einen Mann auf einer Bergspitze stehend beim Betrachten der ihn umgebenden gewaltigen Felsformationen zeigt. Man schaut ihm förmlich über die Schulter. So verhält es sich auch bei Gemeinhardts Bildern.
In Gedanken wandert man über kahle, felsige Flächen, über denen sich wuchtige Wolkengebilde wölben. Man schaut aus einer dunklen, im Wald gelegenen Hütte in ein helleres Außen. Man späht in eine Höhle und entdeckt neugierige Augenpaare. Ein gekonnt gesetzter Überraschungseffekt, der das geheime Leben, das im scheinbaren Nichts gedeiht, preisgibt. Fledermäuse oder auch mal eine kleine Eule, die auf einer Steinpyramide thront, senden dezente Zeichen.
Mal ist es ein einziger rot leuchtender Stern am Nachthimmel, der die Unendlichkeit akzentuiert, mal ein durchsichtiger Rahmen, der da, als wolle er eine Tür markieren, einfach so in der Gegend steht. Auch manche Architekturspuren zeigen sich, spitz zulaufende Gebilde recken sich zum regenschwangeren Himmel. Wie Dolchspitzen zeigen andere Formationen auf das Bildinnere. Mitunter fühlt man sich an Science-Fiction-Szenarien erinnert, so etwa wie sie Stanisław Lem beschreibt: Jemand war vor dem Betrachter schon da und hat geheimnisvolle Spuren hinterlassen.
Das Mysteriöse in Gemeinhardts Bildern entsteht auch dadurch, dass er keine konkreten Gegenden porträtiert, sondern sozusagen die Essenz aus einer Landschaft herausarbeitet, einen Archetypus, der für vieles auf der Welt – und vielleicht auch auf anderen Planeten – steht. Er reduziert seine Darstellungen, konzentriert sich auf das Wesentliche, das er allerdings in fast altmeisterlicher Weise malerisch ausformt.
Bei einer Grasfläche etwa sind einzelne Halme sorgfältig herausgearbeitet, sodass man sich fast an Dürers „Rasenstück“ erinnert fühlt. Die Farbgebung ist zurückhaltend, häufig dunkel, viel von Grautönen beherrscht, die bei ihm allerdings in ihrer reizvollen Schattierung etwas durchaus Lebendiges erhalten. Er malt im Großformat ebenso erfüllend wie im fast schon als Miniatur angelegten Bild. Jedes davon ein Abenteuer an sich beim Betrachten.
Es gibt ein einziges Gemälde, das einen Menschen zeigt, als Ganzkörperbild, dessen Konterfei jedoch trotzdem sein Geheimnis wahrt. Ein wenig fühlt man sich an den jungen Künstler selbst erinnert, was Gestalt, Kleidung und Körperhaltung angeht. Eine eher unerwartete Begegnung in einer Ausstellung, die scheinbar ruhig, doch sehr viel Entdeckung zulässt. Jan Gemeinhardt: Ein moderner Landschaftsmaler, der doch verwurzelt ist in einer großen Tradition.
Die Ausstellung geht noch bis zum 12. April, geöffnet samstags und sonntags von 14 bis 16 Uhr und auf Anfrage unter info@kunstraumheilsbronn.de