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Veröffentlicht am 05.08.2023 15:00

Die Geschichte des Bullenheimer Berges soll erlebbar werden

Am Bullenheimer Berg wächst nicht nur Wein. Er hat auch eine reiche Geschichte, von der man aber momentan nur wenig sieht. (Foto: Ulli Ganter)
Am Bullenheimer Berg wächst nicht nur Wein. Er hat auch eine reiche Geschichte, von der man aber momentan nur wenig sieht. (Foto: Ulli Ganter)
Am Bullenheimer Berg wächst nicht nur Wein. Er hat auch eine reiche Geschichte, von der man aber momentan nur wenig sieht. (Foto: Ulli Ganter)

Die große Machbarkeitsstudie zum Bullenheimer Berg liegt vor. Doch wie geht’s jetzt weiter? Die mittelfränkischen Weinparadiesbürgermeister sind der Meinung: Nun sind andere gefordert.

Auf etwa 150 Seiten hat das beauftragte Büro „Erlebniskontor“ aus Hamburg Ideen für das Gelände entwickelt, dem man bis jetzt seine reiche Geschichte kaum ansieht. „Es ist ein vernünftiges Konzept, nicht abgehoben“, urteilt der Ippesheimer Bürgermeister Karl Schmidt. Nun stellte sein Weigenheimer Amtskollege Rainer Mayer die Ergebnisse der Studie seinem Gemeinderat vor.

Beide sind sich einig: Es ist gut, dass das Weinparadies die Machbarkeitsstudie finanziert und auf die Beine gestellt hat. Diese ist auch eine Voraussetzung für viele Fördergeldgeber. „Die Umsetzung können wir aber nicht stemmen.“ Zur Arbeitsgemeinschaft gehören neben Weigenheim, Reusch und Frankenberg (Gemeinde Weigenheim) sowie Ippesheim und Bullenheim (Gemeinde Ippesheim) noch die unterfränkischen Orte Seinsheim, Hüttenheim und Nenzenheim.

Mayer: Wäre eine Aufgabe für den Bezirk

Rainer Mayer meint sogar: „Das ist auch für die Landkreise zu groß.“ Er sieht die Bezirke in der Pflicht. „Es geht darum, den archäologischen Wert deutlich zu machen.“ Der Ippesheimer Schmidt könnte sich auch private Sponsoren oder eine Interessengemeinschaft aus verschiedenen Akteuren vorstellen, welche die Verwirklichung übernimmt. Die Maßnahmen, die im Konzept vorgestellt werden, summieren sich auf etwa 500.000 Euro.

Zuletzt waren die Bürgermeister der Weinparadiesgemeinden auf dem Berg unterwegs: Professor Frank Falkenstein, der in Würzburg lehrt und ein Experte für die Bronzezeit in der Gegend ist, führte die Runde über den Berg und stellte ihr vor, wie man aus seiner Sicht die Geschichte erlebbar machen könnte.

Eine Herausforderung dabei sei, so Mayer, die verschiedenen Abschnitte der Besiedelung deutlich zu machen. Denn der Berg war nicht durchgehend bewohnt, sondern spielte zu unterschiedlichen Zeiten ganz unterschiedliche Rollen.

Burgtor aus der Bronzezeit darstellen

Ein Erdaufschluss könnte diese einzelnen Besiedlungsstrukturen deutlich machen. Auf einem heutigen Weg, der rechts und links von Wällen gesäumt ist, könnte man auch die Stelle des einstigen Burgtors der bronzezeitlichen Befestigung wieder visualisieren.

Stelen mit Erklärungen oder QR-Codes, die weitere Infos bereithalten (Mayer: „Aber man darf dabei die Leute nicht überfrachten“), Audio-Stationen, bei denen man mit einer Kurbel selbst die Energie für den Ton erzeugt, eventuell auch kleine Rate- oder Mitmachstationen, die Kinder ansprechen: Auf dem Berg selbst wünscht man sich einen archäologischen Lehrpfad.

Aus der Umgebung möchte man auf den Berg hinlenken: Mayer könnte sich zum Beispiel am Weigenheimer Kapellberg oder am Seinsheimer Weiher Plexiglasscheiben vorstellen. Darauf wird die heutige Ansicht dann zeichnerisch ergänzt, um einen Eindruck zu vermitteln, wie es auf dem Bullenheimer Berg zu seiner Hoch-Zeit zuging.

Die Weinparadiesscheune und ein Infopavillon an der Straße zwischen Reusch und Nenzenheim bieten Anlaufpunkte für Gruppen. Dort sollen Gäste Informationen bekommen. Für 20.000 Euro sei, so Mayer, ein „Timescope“ zu bekommen – eine virtuelle Brille, die das, was man sieht, durch weitere Daten und grafische Elemente ergänzt. Kinder sollen spielerisch „archäologische Ausgrabungen“ vornehmen können.

Experten uneins über Herkunft des Goldhuts

Wichtig ist, dass alles Dargestellte den historischen Tatsachen entspricht. Das bezieht sich vor allem auf den Berliner Goldhut, der das bei weitem berühmteste Fundstück des Bullenheimer Bergs wäre. Ihn könnte man zum Beispiel in einer Replik an einem Selfiepunkt so installieren, dass man sich fotografieren kann, als ob man ihn auf dem Kopf hätte. Der Berliner Goldhut würde sich auch als Hinweisschild auf den archäologischen Weg eignen – wenn, ja wenn sich denn alle Experten einig wären, dass er tatsächlich vom Bullenheimer Berg stammt, der Goldhut.

Damit das Konzept nicht in der Schublade verschwindet, sollen jetzt alle möglichen Stellen, welche die Umsetzung übernehmen könnten, kontaktiert und die Zuschussmöglichkeiten abgeklopft werden. Alle wünschen sich eine Realisierung des Konzepts aus einem Guss, meint Schmidt. Falls das aber nicht funktioniert, könnte er sich persönlich auch vorstellen, dass man einzelne Bausteine nach und nach verwirklicht.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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