Für Walter Wegert war es sein Traumjob: Kämmerer. Fast 50 Jahre lang hat er im Dinkelsbühler Rathaus mit den Zahlen der Stadtkasse gearbeitet. Am Mittwoch wurde er in den Ruhestand verabschiedet.
Der Stadtrat spendete dem Dinkelsbühler Kämmerer, der dieses Amt seit 2015 innehatte, nach der Würdigung durch Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer langen und warmen Applaus. Auch Georg Piott, der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses des Stadtrats, dankte Walter Wegert. Mit Loyalität und Erklärungen habe er das Gremium in seiner Arbeit unterstützt.
„Eine Ära geht zu Ende – nach über 47 Jahren und zehn aufgestellten Haushalten“, hatte der OB seine Rede begonnen. „Kraftvoll und kämpferisch“ habe Wegert zehn Jahre lang den Haushalt von Stadt und Hospitalstiftung „geschmiedet“, nahm er Bezug auf Wegerts Familie, die einst eine Schmiede betrieben habe. Wenn es einmal eng wurde und praktikable Lösungen und Ideen oder Finanzierungen gefunden werden mussten, habe der Kämmerer stets „noch ein Eisen im Feuer“ gehabt.
Das sei genau Wegerts Markenzeichen: „Eine solide und vorausschauende Arbeit zum Wohle der Stadt, geprägt von einem enormen Fachwissen und einem profunden Schatz an Erfahrungen.“
Nach dem Besuch der Volksschule und danach der Wirtschaftsschule in Dinkelsbühl begann Walter Wegert 1975 seine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung bei der Bekleidungsfabrik Georg Habelt zum Industriekaufmann. Dort war er in Buchhaltung und Rechnungswesen, Ein- und Verkauf, Versand sowie Personalwesen tätig.
1978 begann er seinen Dienst als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Dinkelsbühl, bestand diverse Fachprüfungen und erwarb zwischen 1984 und 1987 im Abendstudium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Nürnberg seine Qualifikation als Betriebswirt.
Anfang der 1990er Jahre war Wegert als Projektleiter „mit großem Engagement und Initiative“ mit der Anschaffung eines neuen EDV-Systems im Rathaus befasst und habe dies „mit großer Ausdauer“ zu Ende geführt, fuhr Hammer fort. Gleichzeitig sei er Systembetreuer der Stadt gewesen.
Weitere Tätigkeitsfelder Wegerts waren die Benutzungssatzungen und Gebührenkalkulationen für alle öffentlichen Einrichtungen der Stadt, das Alten- und Pflegeheim, die Wirtschaftsförderung und der Grundstücksverkehr, Wirtschaftlichkeitsberechnungen sowie Kreditaufnahmen. Seit Anfang der 1980er Jahre war er überdies stellvertretender Abteilungsleiter in der Stadtkämmerei.
Seine Ernennung zum Stadtkämmerer als Nachfolger von Günter Pomp erfolgte auf dessen Empfehlung. Dieses Amt übte er mit einer „betriebswirtschaftlich geprägten, oftmals unkonventionelle Denkweise und großem Verhandlungsgeschick auch mit Fördermittelgebern aus, betonte der OB. Wegert sei Initiator der Zusammenarbeit mit der Wohnungsbauförderungsgesellschaft BayernHeim und des Sanierungsgebietes Hoffeld gewesen.
Trotz enormer Investitionen habe die Stadt seit 2016 keine Kreditaufnahmen mehr benötigt, rief der Rathauschef in Erinnerung. Der diesjährige Haushalt sei in dieser Liste eine Ausnahme. Auch die Verschuldung habe sich in Wegerts Amtszeit mehr als halbiert.
Wegers einzige Station im Rathaus war die Finanzabteilung der Stadt Dinkelsbühl. Der Stadtkämmerer werde ja auch immer als der „Herr oder der Vater des Geldes“ bezeichnet, der hier in Dinkelsbühl über das Geld der Stadt und der Stiftung wacht“, sagte Hammer. Und das habe Wegert in seinen über 47 Jahren „hervorragend gemacht“. Wenn Geld dagewesen sei, habe er stets versucht, „die Begehrlichkeiten der Politik zu bremsen und somit vorausschauend für die Zeiten vorgesorgt, wenn das Geld dann wieder einmal knapp war“.
Wegerts Bodenständigkeit und der Blick für das Wesentliche, „gepaart mit Pragmatismus zum erfolgreichen Ziel“, habe den scheidenden Kämmerer ausgemacht. Vieles sei erreicht worden in den 22 Jahren seit seinem Amtsantritt als OB, zeigte sich Hammer überzeugt, „auch in schwierigen und psychisch und physisch belastender Zeit waren Sie stets ruhig“. Obwohl Wegert es – „wenn es eben nötig war auch im Stadtrat“ – nie an deutlichen Worten habe fehlen lassen, sei er in diesem Gremium immer geschätzt und respektiert gewesen, versicherte der OB.
Der Adressat dieser Laudatio gab den Ball umgehend zurück: Ohne den großen Freiraum, den ihm der Rathauschef gegeben habe, „hätte ich nicht in dieser Form mitgestalten können“. Jedenfalls sei es „verdammt lang her“, dass er vor 47 Jahr seinen ersten Tag im Rathaus hatte. Es sei eine „großartige Zeit mit unglaublichen Projekten und Ausstattung mit Geld“ gewesen. 2,1 Millionen Treppenstufen sei er seither zu seinem Büro im Rathaus hinauf und abends wieder hinabgestiegen. „Ich höre auf, wenn es am Schönsten ist“, schloss er.
Zum 1. Juli tritt Wegerts Nachfolger Bernd Hippelein offiziell sein Amt an. Den früheren Kämmerer der Nachbarstadt Feuchtwangen bezeichnete OB Hammer als „Glücksfall“.