„Es steht für mich nicht infrage, dass Rothenburg einen Bikepark braucht.” Michael Hanselmann, erster Sprecher des Jugendbeirats, plante gemeinsam mit den Teilnehmenden des Workshops „Dirt und Bikepark 2.0” einen Ort, an dem sicheres und legales Parcour-Radfahren in der Stadt möglich ist.
Zum Workshop wurden die Teilnehmenden begrüßt von Hanselmann, Oberbürgermeister Dr. Markus Naser, Charly Ehnes vom Jugendzentrum, Schulleiter Thomas Knäulein und Stadtrat Andreas Baur. In die Eingangshalle des Gymnasiums waren 13 fahrradbegeisterte Personen gekommen. Die jüngste Person zehn Jahre alt, die älteste 33. Was sie verband: Der Wunsch nach einem Ort in der Stadt für einen neuen Dirt- und Bikepark.
Dieser Radpark konnte von den Teilnehmenden geplant werden – samt Ideen, Kreativität und Fachwissen. „Wir wollen eure Kreativität nutzen”, so der Oberbürgermeister. Hanselmann stellte gleich anfangs klar: „Das soll hier keine Wunschveranstaltung werden. Es kommt auf eure Eigeninitiative an.”
Dass in Rothenburg ein Radpark entstehen soll, ist keine neue Idee: Vor einigen Jahren gab es bereits einen Platz für Parcour-Fahrradfahrende. Dieser lag in der Nähe des Modellflugplatzes, wurde nach einiger Zeit aber geschlossen. „Was müssen wir dieses Mal anders machen?”, fragte Hanselmann die Fahrradbegeisterten.
Und darauf hatten sie einige Antworten. Zunächst einmal wurde der ehemalige Standort des Parks als eher negativ bewertet: Er sei schlichtweg zu geschützt gewesen. „Man konnte tun und lassen, was man wollte”, so Hanselmann. An sich sei das gut – aber es werde immer jemand benötigt, der die Aufsicht für den Platz hat. Irgendwann fand sich niemand mehr, der Park wurde geschlossen.
Es wurden noch weitere Gründe vermutet: Teilweise sei der Park verschmutzt worden, auch Menschen, die eigentlich nichts mit dem Fahrradfahren zu tun hätten, hätten ihn als Ort der Begegnung genutzt und teilweise ihren Müll dort liegengelassen. Charly Ehnes appellierte an die Teilnehmenden: „Bitte räumt euren Müll weg, dann bleibt der zukünftige Platz für alle schön.”
Seitdem der alte Bikepark geschlossen wurde, sei der Bedarf klar erkennbar. Es werden nun illegale Strecken im Taubertal genutzt. „Die Möglichkeit für Fahrradfahrende in Rothenburg ist es, irgendwelche nichtoffiziellen Strecken zu nutzen. Und es gibt viele, die wirklich gerne Fahrrad fahren. Es ist ein Sport, der total im Kommen ist”, erklärte Hanselmann.
Auch bei der Jugendzukunftswerkstatt, die vom Jugendbeirat im November vergangenen Jahres veranstaltet wurde, habe sich der Wunsch nach einem Ort für Parcour-Fahrradfahrende herauskristallisiert. Seitdem sei der Beirat an verschiedensten Projekten dran, erzählte der erste Sprecher des Jugendbeirats, unter anderem auch am Skatepark, der Erneuerung von Fußballfeldern in der Stadt und auch dem Bikethema.
Erst einmal suchte der Beirat nach einem Ort, an dem der Park entstehen könnte, und auch die Finanzierung musste geklärt werden. „Da konnten wir auch schon ein paar Lösungen erarbeiten”, so Hanselmann. Oberbürgermeister Naser habe dem Jugendbeirat das Grundstück am Siechhausweg in Aussicht gestellt. Aber: „Es ist noch nicht komplett sicher, ob das alles gehen wird”.
Vorteil der Fläche sei die Lage nah an den Schulen. „Ich find es persönlich super, weil man kommt von der Bleiche ran, man kommt aber auch vom Industriegebiet super ran”, so Hanselmanns Fazit. Der Weg zur Fläche sei beleuchtet, ein weiterer Pluspunkt. Und auch bei Bedarf an Strom oder Wasser gäbe es Möglichkeiten. Über die Lage und die Gegebenheiten der Fläche am Siechhausweg konnten sich die Teilnehmenden gleich zu Anfang ein Bild machen – die Fläche ist aktuell noch verpachtet, gehört aber der Stadt.
Im Anschluss bildeten sich drei Gruppen und beschäftigten sich mit verschiedenen Themen wie Strecke und Lines, Schwierigkeitsgrade und Sicherheit. Es waren sich alle Mitglieder einig: Es muss von Klein bis Groß etwas dabei sein.
Bei der Thematik Umfeld und Aufenthalt wurde herausgearbeitet, dass es mehr brauche als den bloßen Fahrradpark: Sitzgelegenheiten, Schatten, ein eventueller Werkzeugstand auf dem Platz, bei dem das Fahrrad auf die Schnelle repariert werden könne, waren Vorschläge.
Zum Ende hin ging es um die Umsetzbarkeit und Eigenleistung. Dabei hätten alle gesagt, dass sie mithelfen würden, „in welcher Form auch immer”, erzählte Hanselmann im Nachhinein im Gespräch mit der Redaktion. Den Teilnehmenden sei klar gewesen, dass sie, wenn sie den Bikepark haben möchten, auch selbst etwas dafür tun müssten.
Der Workshop endete mit dem Thema Finanzierung: Förderungen seien möglich, so Hanselmann, es gebe theoretisch Förderungen in Höhe bis zu 80 Prozent. Diese beinhalten jedoch nur die Umsetzung, nicht jedoch die Planung. Zudem gebe es auch Unterstützung von der Stadt: So hat der Oberbürgermeister laut Hanselmann angeboten, „dass das komplette Fundsachensortiment der Stadt dem Jugendbeirat übergeben wird”. Dieses umfasst Fundstücke aus fünf Jahren, die seitdem nicht mehr versteigert wurden. Der Jugendbeirat werde sich selbst um die Versteigerung kümmern, die Einnahmen fließen in den Bikepark.
Der erste Sprecher des Beirates ist sich sicher, dass das Projekt umgesetzt werden kann. „Es ist möglich, dass wir das auch ohne größere Unterstützung schaffen.” Die Versteigerung soll nun gemeinsam mit Interessierten an dem Bikepark geplant werden. Zudem habe der Beirat weitere finanzielle Mittel, die er dazugeben werde.
Und wie geht es weiter? Zunächst steht erst einmal die nächste Jugendbeiratssitzung an, in der der Fortgang des Projekts besprochen wird. Diese findet hybrid statt am Freitag, 26. September, im Jugendzentrum. Beginn ist um 18 Uhr. Interessierte sind herzlich willkommen.