Eine Delegation aus Tansania kommt zu Besuch in das Dekanat Rothenburg | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.09.2025 12:00

Eine Delegation aus Tansania kommt zu Besuch in das Dekanat Rothenburg

Dieses Foto entstand im Jahr 2023, als eine Gruppe des Dekanats aus Rothenburg vor Ort in Hai in Tansania war. (Foto: Jutta Holzheuer)
Dieses Foto entstand im Jahr 2023, als eine Gruppe des Dekanats aus Rothenburg vor Ort in Hai in Tansania war. (Foto: Jutta Holzheuer)
Dieses Foto entstand im Jahr 2023, als eine Gruppe des Dekanats aus Rothenburg vor Ort in Hai in Tansania war. (Foto: Jutta Holzheuer)

Bereits seit 1983 besteht zwischen den evangelischen Dekanaten Rothenburg und Hai in Tansania eine sehr lebendige Partnerschaft mit vielen Projekten auf zwei Kontinenten. Jetzt ist ein Besuch geplant: Sechs junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 30 Jahren kommen aus Tansania nach Franken.

Pfarrer Klaus Eberius ist Pfarrer in Oestheim und der Partnerschaftsbeauftragte. Er möchte die Verantwortung für die Dekanatspartnerschaft jetzt – nach gut 40 Jahren – in eine neue Generation tragen, damit sie gut weitergeführt werden kann. Die sechs jungen Gäste kommen aus dem Dekanat Hai und vom Berufsschulzentrum „Hai Vocational Training Center“ HVTC der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT).

Im Umland untergebracht

Sie sind während ihrer Zeit im Dekanat Rothenburg bei Familien in Schillingsfürst und Gebsattel untergebracht. Das Berufsschulzentrum wird von Rainer und Barbara Kammleiter, die aus Oestheim und Gailnau stammen, geleitet. Sie leben seit 35 Jahren in der Region Hai und haben das HVTC dort aufgebaut.

Rainer Kammleiter ist gelernter Schreiner und Orgelbauer und hat in seiner Kindheit und Jugend die traditionelle fränkische Landwirtschaft erlebt und erlernt. Diese Art der Hofführung, des Wirtschaftens, hat er in seiner Schule – der ein Internat für die Auszubildenden angegliedert ist – eingeführt. Alles wird verarbeitet, Vorräte werden angelegt, weggeworfen wird nichts.

Pfarrer Klaus Eberius organisiert den Partnerschaftsbesuch federführend. Gefragt danach, was er sich vom Partnerschaftsbesuch erwarte, ist vor allem eine Verjüngung des jeweiligen Partnerschaftsteams in den Dekanaten Hai und Rothenburg: Man brauche jugendlichen Nachwuchs, damit die Partnerschaft weiterhin gut fortgeführt werden könne.

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Viele Jugendliche in der Region Hai arbeitslos

Derzeit entwickle sich Tansania rasant, eine rasende Veränderungswelle gehe über das Land hinweg, so Eberius. Doch trotzdem seien viele Jugendliche in der Region Hai arbeitslos. Im HVTC können Jugendliche eine Ausbildung zum Schreiner oder Elektriker absolvieren, sich im Bereich Hotelmanagement oder der Hauswirtschaft qualifizieren. EDV-Kenntnisse werden ebenfalls vermittelt.

Und da zunehmend die Häuser mit Wasserleitungen ausgestattet werden, sind Klempner sehr gefragt und werden ebenfalls im Berufsschulzentrum ausgebildet.

Das Dekanat Rothenburg übernimmt jährlich 20 Stipendien für bedürftige Jugendliche in Hai, und es unterstützt Kindergärten und Schulen. Die sechs jungen Menschen, die ins Dekanat Rothenburg reisen, erwarten vielfältige Begegnungen mit der Evangelischen Jugend und den Gemeinden. Durch ein Wochenpraktikum – unter anderem im Elisenstift Schilingsfürst und bei Elektrolux – erhalten sie Einblicke in die deutsche Arbeitswelt.

Arbeit als Tischler und im diakonischen Dienst

Einer von ihnen ist William Mayco Hhari. 25 Jahre ist er alt und Tischler. Er arbeitet im HVTC und freut sich, dass er am Partnerschaftsbesuch teilnehmen darf. Christina Ulomi ist Evangelistin und in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Hai beschäftigt. Die 28-Jährige möchte lernen, wie in Deutschland der diakonische Dienst geleistet wird, insbesondere gegenüber Behinderten, Waisen und älteren Menschen.

Für Lightness W. Kimaro ist ihr Glaube Grundlage für alles, was sie tut. Sie ist überzeugt, dass die Bewahrung der Schöpfung Teil der Nachfolge Christi ist, und dass die Stärkung der Schwachen ein Spiegelbild der Liebe Christi ist. Sie setzt sich unter anderem dafür ein, dass Kinder aus armen Verhältnissen Zugang zur Bildung erhalten.

Eine große Herausforderung sind die schmelzenden Gletscher des Kilimandscharo infolge des Klimawandels und der immer häufiger ausbleibende Regen – es wird trockener. Bereits vor mehr als 30 Jahren konnte - dank Dekan Johannes Rau und der Firma Käthe Wohlfahrt - eine Wasserleitung von den Bergregionen in das sandige Tal unterhalb des Kilimandscharo gelegt werden, so Eberius. Bis heute versorgt sie mehr als 500.000 Menschen mit Wasser, und den nahegelegenen Flughafen. 30 Jahre war die Wasserleitung im Besitz der Kirche, jetzt hat sie der Staat übernommen.

Brunnen und Mais im Fokus

Mittlerweile werde die ganze Region in einem Kataster erfasst, was bedeutet, dass jedes Stück Land jemandem zugeordnet wird. Dies wiederum stelle ein Problem für die Maasai dar, die als nomadisches Volk mit ihrem Vieh umherziehen und dort Halt machen, wo die Rinder Futter und Wasser finden. Doch das „Niemandsland“ wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben.

Um Wasser zu haben, sollen Brunnen gebohrt werden, was in der Region durchaus möglich ist. Damit könnte auch professionelle Viehhaltung betrieben werden. Einer soll rund 5000 Euro kosten. Durch das Brunnenbauprojekt könnte man auch mit den Menschen ins Gespräch kommen, ihnen den christlichen Glauben nahe bringen und sie mit der Bewirtschaftung von Nutzgärten vertraut machen.

Regionale Orgeln aus Tansania

Neben der Errichtung von Brunnen sehe das Dekanat Rothenburg die Finanzierung von ausreichend Mais für die Region Hai als eine ihrer Hauptaufgaben, so Eberius. Die Partnerschaft zwischen den Dekanaten Rothenburg und Hai ist keineswegs einseitig und hat noch eine überaus wohlklingende, kirchenmusikalische Seite: So stammen die Orgeln in der Kirche in Oestheim und in der Rothenburger Friedhofskirche aus Tansania.

Beim ab Freitag laufenden Partnerschaftsbesuch bis zum 9. Oktober sind viele öffentliche Veranstaltungen geplant, zu denen man sich online über die Seite www.evangelische-termine.de anmelden kann. Unter anderem ist der Besuch eines Milchviehbetriebs bei Rothenburg vorgesehen, dazu ein Tagesausflug nach Nürnberg, ein Besuch des Wildparks bei Bad Mergentheim und ein Ausflug nach Würzburg mit einem Abendessen am Main. Am Samstag, 20. September, findet ab 18 Uhr in Steinsfeld ein Dekanatsjugendgottesdienst statt.


Von MARGIT SCHWANDT
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