Der Eingangsbereich und der Theatersaal des Wildbades erstrahlten an diesem Abend in leuchtendem Rot – zu Ehren des Geburtstagskindes. Denn vor 200 Jahren – am 1. Mai 1823 – wurde in der Stadt die erste Sparkasse gegründet. Die Einrichtung zählt damit zu den ältesten ihrer Art in Bayern.
„Es ist schon unsere zweite Geburtstagsfeier in diesem Jahr“, sagte Werner Frieß, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ansbach. Denn rund vier Monate vor der Rothenburger Einrichtung wurde das Ansbacher Geldinstitut gegründet. Mittlerweile gehören die Häuser zusammen: 2016 fusionierten die Sparkassen Rothenburg, Ansbach und Dinkelsbühl zu einem gemeinsamen Institut.
Ein verheerender Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815 habe die Entstehung von Geldinstituten befördert, erzählte Frieß. Denn die Verdunkelung durch die Asche habe zu Ernteausfällen und Hungersnot geführt. „Da entstand die Idee, etwas zu gründen, was solche Notlagen in Zukunft lindern sollte.“
Die Daseinsvorsorge war also schon von Anfang an ein Kerngedanke, den „wir auch heute nicht aus den Augen verlieren wollen“. Dies bekräftigte Dr. Jürgen Ludwig, der als Landrat auch Vorsitzender des Sparkassen-Zweckverbandes ist, und betonte die enge Verbundenheit mit den Kommunen. Früher habe das Finanzinstitut meist seine Geschäftsstelle im Rathaus gehabt – „hinter vergitterten Fenstern, damit niemand etwas klaut“. Seitdem habe sich viel verändert, „durch die Digitalisierung, durch die Regulatorik“.
Auch wenn es nicht mehr in jeder Gemeinde eine Geschäftsstelle gibt, zeige man Präsenz, unter anderem durch die finanzielle Unterstützung von lokalen und regionalen Projekten. Dadurch will das Institut „fest in der Region verankert sein“.
Vorstandsmitglied Dieter Mai, der bis zur Fusion gemeinsam mit Werner Thum die Rothenburger Sparkasse leitete, nahm die Geburtstagsgäste mit auf eine Reise durch die Historie des Institutes. Er erzählte zum Beispiel, dass die ersten Einlagen erst drei Jahre nach der Gründung erfolgten: 1477 Gulden von 23 Einlegern seien das im Jahr 1826 gewesen.
Danach gab es immer wieder Hürden: die Regulation durch den Staat im Jahr 1843, später die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1923. Dennoch sei die Zahl der Institute immer weiter gewachsen. Im Jahr 1934 bezog die damalige Stadt- und Bezirkssparkasse Rothenburg ihre Geschäftsstelle am Kapellenplatz, wo sie bis heute ihren Sitz hat. 1945 wurde sie bei der Bombardierung der Stadt „in Schutt und Asche gelegt“ und erst 1949 wieder eröffnet. „1973 hatten wir den ersten Geldautomaten in Rothenburg, das war im Prinzip der Beginn der Digitalisierung“, meinte Mai. Der letzte Höhepunkt sei im Juli 2015 die Wiedereröffnung der frisch sanierten und umgestalteten Hauptstelle gewesen. „Danach war die Eigenständigkeit zu Ende“, so Mai: Bereits ein Jahr später kam die Fusion. „Geblieben ist eine starke Sparkasse“, betonte er abschließend.
Am Ende gab es sogar noch ein Geburtstagsgeschenk: Die Sparkasse hat eine neue Zukunftsstiftung gegründet (mehr dazu auf der Landkreisseite). Die passenden Melodien zum Geburtstag steuerten Musikerinnen und Musiker des Stadt- und Jugendblasorchesters bei.