In diesem Jahr wird Neuhof 777 Jahre alt. Dies soll gebührend gefeiert werden. Allerdings will man den Fokus weniger auf einen Geschichtsabriss legen, indem etwa eine Chronik erstellt wird. Nein, vielmehr soll die Historie facettenreich lebendig werden.
Über die Geschichte können alle Neuhöferinnen und Neuhöfer und sonstige Interessierte etwa bei einem Spaziergang oder einer Wanderung, auf einer Bank rastend, mehr erfahren. Auf Erzählbänken, bei denen man sich mittels eines dort vorhandenen QR-Codes Informationen geben lassen kann, hört man dabei so manches Interessante, Skurrile und viel Historisches. Auch Einheimische werden dann sicherlich noch Neues erfahren, ist sich Bürgermeisterin Claudia Wust sicher. Wer weiß etwa noch, dass in der Eichenmühle einst eine Kommune wohnte? Deren Mitglieder seien, so die Bürgermeisterin, nicht sonderlich erfreut gewesen, als statt des Kriegerdenkmals ein Brunnen auf dem Marktplatz platziert wurde.
Aus Protest setzten sie, so Wust, nicht nur den heute noch dort stehenden Brunnen, sondern auch dessen Umfeld mächtig unter Schaum. Dumm nur, dass einer der Mitmachenden bei der Aktion seinen Ausweis verlor und so rasch als Mitstreiter ermittelt werden konnte. Diesen und vielen weiteren Erzählungen kann man auf diversen Bänken in Neuhof und in den Ortsteilen lauschen. Geplant ist ferner das Angebot „KaffeeDenkmalKuchen”. Dazu können Bürgerinnen und Bürger auch in jedem Ortsteil zusammenkommen, Bilder mitbringen und Geschichten dazu erzählen.
Regelmäßig werden bereits Touren für Neubürgerinnen und Neubürger angeboten. Anlässlich des Jubiläums 777 Jahre Neuhof kam die Idee auf, zu einer solchen am 24. April auch die 77-Jährigen mitzunehmen.
Viel über den Ort und seine lange Geschichte kann man zudem bei den geplanten Führungen erfahren. Viele wissen sicherlich nicht, dass erst 1885 eine Poststelle und eine Postomnibuslinie zur Bahnstation Langenzenn eingerichtet worden waren und Neuhof im Jahr 1895 exakt 888 Einwohnerinnen und Einwohner zählte. Es gab, wie auf der Gemeindehomepage nachzulesen ist, fünf Getreide- und drei Sägemühlen, zwei Brauereien, eine Ziegelei, eine Post, Telegrafenanstalt, Pfarrei und eine Schule.
Eine Bierkellertour nebst Verkostung dürfte sicherlich etliche Interessierte anlocken. Über die Geschichte der Mühlen und einzelner Häuser ist ebenfalls bei Rundgängen viel zu erfahren. Angedacht sind auch Rundgänge mit dem Nachtwächter.
Herbert Zink will am 19. April eine Tour zum Thema „Kriegsende in Neuhof” anbieten. Wie auf der Homepage der Gemeinde nachzulesen ist, wurde der Ort in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges von vorrückenden amerikanischen Streitkräften beschossen und stark zerstört. Der Wiederaufbau war bis 1960 im Wesentlichen abgeschlossen.
Was hat es mit „Pflasterzoll-Eintreibern” auf sich? Bis vor dem Zweiten Weltkrieg, als es zerstört wurde, gab es in Neuhof zwei Torhäuser. Wer früher durch Neuhof zog, wobei der Marktplatz passiert werden musste, hatte Pflasterzoll zu entrichten, erzählt Wust. Eine Umgehung gab es nicht. Die Nutzerinnen und Nutzer dieser Route, die oft aus Trautskirchen kamen, waren nicht gerade begeistert, zahlen zu müssen, und titulierten die Neuhöferinnen und Neuhöfer deshalb als „Plätzen” oder „Pflasterscheißer”, führt Wust aus. Mehr erfährt man bei einer Führung.
„Backen wie bei Uri-Oma” ist ein Kurs überschrieben, der sich an Kinder und Erwachsene gleichermaßen richtet, erzählt sie. In diesem Rahmen soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermittelt werden, wie man traditionelles Gebäck zaubert. Nicht zu kurz kommen soll ferner ein Kerwalieder-Frühschoppen unter dem Titel „Sunnst und heit”.
Was hat es mit dem Totenweg auf sich, einem in der Flur fest verankerten Namen? Auf ihm wurden die Verstorbenen mit einem Fuhrwerk von Neukatterbach zum Friedhof nach Neuhof gebracht. Informationen über Informationen, Geschichten über Geschichten. Nicht zu kurz kommen daneben auch größere Veranstaltungen. Neben dem Marktplatzfest, der Kirchweih und dem Schäferfest gibt es einen „Kulturrausch”-Termin mit Sven Bach und einen Heimatfilmabend. Mit all diesen Angeboten möchte man in Neuhof auf vielfältige Art und Weise Geschichte lebendig werden lassen.