Ihren 500. „Geburtstag“ feiert die Kirche St. Mauritius in Jochsberg im Jahr 2027. Bis dahin soll das Gotteshaus gründlich renoviert sein – doch das ist noch ein weiter Weg. Rund 750.000 Euro an Kosten sind für das Projekt, das heuer beginnen soll, veranschlagt. Einen erheblichen Anteil muss die kleine Gemeinde selbst aufbringen.
Balken im Dachstuhl sind morsch und mussten bereits Ende 2020 mit einer Notsicherung stabilisiert werden. Ein „Konvolut an Schädlingen“ hat der Bausubstanz zugesetzt und auch dem Inventar. Unsachgemäße Reparaturen in der Vergangenheit haben die Sache nicht besser gemacht. Türen, Fenster und Fassade – alles bedarf der Überarbeitung. Und ein schadhafter Kanal kommt noch hinzu.
Die Baulast für St. Mauritius, deren Ursprung eine Schlosskirche der Seckendorffs war, trägt der Staat. So hat auch das Staatliche Bauamt in Ansbach die Federführung bei der Sanierung, die heuer im Sommer beginnen soll – mit einer Begasung, um dem Ungeziefer den Garaus zu machen. „Für eine biologische Lösung ist es leider zu spät“, erläutert Pfarrerin Eva Forssman.
„Den Baurhythmus bestimmt die Fledermaus.“
Und weiter: „Den Baurhythmus bestimmt die Fledermaus.“ Denn Maus- und Langohrpopulationen nisten unter dem Dach. Arbeiten sind deshalb dort von April bis einschließlich August tabu. Im September soll dann die Außeninstandsetzung starten. Bis Herbst 2025 soll sie der Planung zufolge abgeschlossen sein.
Rund 200.0000 Euro an Kosten muss die Kirche tragen. Etwa die Hälfte und damit einen überproportional hohen Anteil übernimmt die Landeskirche, berichtet der frühere Ansbacher Dekan Hans Stiegler, der in Jochsberg wohnt und sich nicht nur in der Gemeinde vor Ort engagiert, sondern im Ehrenamt auch im Präsidium der bayerischen Landessynode und im Verteilungsausschuss, der die Mittel für solche Projekte vergibt.
Bleiben rund 100.000 Euro – eine enorme Summe für eine Gemeinde mit gerade mal 220 Mitgliedern. Wie kann sie das stemmen? Für ein Viertel der Summe gibt es bereits zweckgebundene Rücklagen. Der Rest kann zum Teil durch Eigenleistung aus den Reihen der Jochsberger, etwa bei der ab Ende 2025 anstehenden Kanalsanierung, aufgebracht werden. Doch ohne Spenden wird es nicht gehen. „Für Fundraising gibt es schon diverse Ideen“, berichtet die Pfarrerin – Benefizkonzerte beispielsweise.
Eva Forssman hebt hervor, dass St. Mauritius ein vielfältig genutztes Haus sei, in dem nicht nur regelmäßig gut besuchte Gottesdienste stattfinden, sondern auch vielfältige andere Angebote. „Das darf kein Museum sein“, assistiert Stefan Diezinger, Mitglied im Präsidium der Dekanatssynode Leutershausen. „Hier findet viel Gemeindearbeit statt“, sagt auch Hans Stiegler.
Im Sommer steht St. Mauritius, das unter anderem ein Chorgestühl mit ungewöhnlichen Jagdszenen zu bieten hat, übrigens offen. „Radfahrer kommen gerne in die Kirche“, sagt die Pfarrerin. Zwei Jahre werden sich Touristen und einheimische Kirchgänger gedulden müssen – dann wird das Gotteshaus gründlich saniert sein.
Die Ursprünge der Jochsberger Kirche reichen bis ins Jahr 1495 zurück. Für die fränkische Gegend eher ungewöhnlich ist der Kirchenpatron St. Mauritius.
Der Bau am heutigen Ort fand zwischen 1495 und 1521 statt. Die Gesamtfertigstellung ist relativ sicher auf das Jahr 1527 zu datieren. Die Entstehung der St.-Mauritius-Kirche ist eng mit dem ehemaligen Seckendorffschen Schloss in Jochsberg verknüpft. So gab es dort bereits im Jahr 1339 eine Kapelle. Die Reformation wurde schon 1528 von Markgraf Georg dem Frommen in Jochsberg eingeführt.
Die kleine Saalkirche mit Westturm, Chor sowie spitzbögigen Fenstern und Türen vereint außen und innen Stilmerkmale aus Gotik, Renaissance und Barock. Spätere Stilepochen hat sie ohne bemerkenswerte Angleichungen an den jeweiligen Zeitgeschmack überstanden. Äußerlich wurde die Kirche zuletzt in den Jahren 1988 bis 1992 renoviert.
Um die Kirche herum befindet sich ein kleiner, ummauerter Kirchhof. Eine herausragende Stellung nimmt das Portal am Eingang zum Kirchhof ein. Es wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Der Kirchturm mit spitz zulaufendem Dach bringt es auf eine Höhe von 36 Metern. Das Innere des Turmes zeigt sich heute noch so, als seien die Zimmerleute des 16. Jahrhunderts gerade erst gegangen.
Die beiden ältesten Glocken stammen aus dem Jahr 1592 und verrichten noch heute ihren Dienst. Eine dritte Glocke wurde im Jahr 1991 gestiftet. Das Interieur wurde bei der letzten Restaurierung in graublauen Tönen barockisiert.
Unter dem Altar befindet sich die Familiengruft der Seckendorffs. Sie ist heute aber nahezu unkenntlich. Besonders erwähnenswert sind ein großflächiges Altarbild des Ansbacher Malers Wilhelm Braun aus dem Jahr 1857 und das kunstfertig geschnitzte Orgel-Gehäuse aus dem Jahr 1792.