Ende einer 130-jährigen Bäcker-Tradition in Großhaslach | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 29.12.2023 16:41

Ende einer 130-jährigen Bäcker-Tradition in Großhaslach

Feierabend – für immer: Christine und Jürgen Peipp öffnen am 30. 12. 2023 zum letzten Mal ihre Bäckerei in Großhaslach. (Foto: Alexander Biernoth)
Feierabend – für immer: Christine und Jürgen Peipp öffnen am 30. 12. 2023 zum letzten Mal ihre Bäckerei in Großhaslach. (Foto: Alexander Biernoth)
Feierabend – für immer: Christine und Jürgen Peipp öffnen am 30. 12. 2023 zum letzten Mal ihre Bäckerei in Großhaslach. (Foto: Alexander Biernoth)

Nach über 30 Jahren ist Schluss: Jürgen Peipp gibt seine Bäckerei und Konditorei in Großhaslach auf und geht in den Ruhestand. Die gute Nachricht: Mit Christian Trampert und seiner Partnerin Kim hat er Nachfolger gefunden, die in seinem Sinn und mit seinen Rezepten die Bäckerei weiterbetreiben.

„Es geht nahtlos weiter“, sagt Peipp – am 2. Januar wird die Bäckerei wieder geöffnet haben. Auch unter dem neuen Bäckermeister Trampert bleibt der Firmenname Peipp erhalten.

Los ging es mit dem Urgroßvater 1893

Mit Leidenschaft habe er, so Jürgen Peipp, seinen Beruf als Bäcker und Konditor ausgeübt. Aber mit 66 Jahren ist nun Schluss. Auf dem Höhepunkt, so sagt er, gebe er sein Geschäft nun ab. Damit endet auch eine 130-jährige Tradition in Großhaslach. Der Urgroßvater von Jürgen Peipp eröffnete 1893 in dem Gebäude, das jetzt als Lager genutzt wird, eine Bäckerei. 1984 zog sie dann in das heutige Gebäude in der Talstraße 2 an der Ecke zum Kirchenweg um.

Jürgen Peipp ist in Großhaslach geboren und aufgewachsen. Nach dem Besuch der Volksschule und der Ansbacher Wirtschaftsschule machte er eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor in Nürnberg. Es folgten der Wehrdienst und dann die Meisterschule. Jürgen Peipp darf zwei Meistertitel führen, den im Bäcker- und den im Konditorhandwerk. Er arbeitete im Betrieb der Eltern, und 1991 übernahm er dann die Bäckerei im Herzen Großhaslachs.

Leidenschaft für Festtagstorten

Mit zwei Gesellen in der Backstube und vier Verkäuferinnen hat er seither die Bäckerei geführt. Neben den üblichen Backwaren lag sein Schwerpunkt auf Hochzeits- und Festtagstorten, die er mit Leidenschaft und Liebe gestaltete.

Nach einer Erkrankung seiner Ehefrau Christine, mit der er seit 1981 verheiratet ist, fand Jürgen Peipp eine weitere Nische für den Betrieb: Er stellte zweimal in der Woche glutenfreie Backwaren her. Damit sei er, so sagte er stolz, der einzige Handwerksbetrieb in der weiteren Umgebung, der diese Nische bedient. Von weit her kommen seine Kunden – nicht nur wegen der glutenfreien Produkte, sondern auch wegen der anderen Backwaren. Seinen Kunden ist Jürgen Peipp dankbar. Über all die Jahre hinweg seien sie ihm treu geblieben.

Deutschlands bester Bäcker“ im Jahr 2018

Ein Höhepunkt in seiner beruflichen Laufbahn war 2015 die Auszeichnung „Deutschlands bester Bäcker“, die ihm das ZDF verlieh. Ein Tiefpunkt in seinem Berufsleben war der Brand seiner Bäckerei im November 2018. Im Silo sei durch einen technischen Defekt ein Brand ausgebrochen, der den gesamten Betrieb zerstörte und auch die Wohnung der Peipps vernichtete.

Neuaufbau nach Feuer-Totalschaden

Aufgrund dieses Totalschadens, so Peipp, musste alles neu aufgebaut werden. Elf Monate war die Bäckerei geschlossen, im September 2019 erfolgte der Neustart. Seither sei es in seinem Betrieb kontinuierlich bergauf gegangen, so Jürgen Peipp.

Im Jahr 2024 will er zusammen mit seiner Ehefrau Christine, die eigentlich ausgebildete Heilerziehungspflegerin ist, 1991 in den Betrieb einstieg und seither die Seele des Verkaufs ist, mehr Zeit mit den vier Enkelkindern verbringen. Seine beiden Kinder hatten von Anfang an, so Peipp, kein Interesse, den Bäckerberuf zu erlernen.

Im Ruhestand will er seine Hobbys mehr pflegen. Dazu gehören das Akkordeon-Spielen, unter anderem im Ansbacher Akkordeon-Orchester, aber auch das Fitnessstudio. Christine Peipp freut sich auf mehr Zeit, um ins Schwimmbad zu gehen und zu lesen. „Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit“, sagt sie. Ihr Mann bleibt zweiter Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Großhaslach und zweiter Vorsitzender der Ortsvereine. Viele Jahre hat er sich auch für seinen Berufsstand als Lehrlingswart und Prüfungsvorsitzender bis auf Landesebene engagiert.


Von Alexander Biernoth
north