„Wer hat sich der Birnbäume erbarmt und sie abgesägt?“: Mit dieser Frage eröffnete der Uffenheimer SPD-Stadtrat Bernhard Schurz im Finanzausschuss eine ironisch-bissige Diskussion. Gemeint waren einmal mehr die Birnbäume an der Staatsstraße zwischen Uffenheim und Adelhofen. Für deren Erhalt wurde viel Geld in die Hand genommen – nun gibt es sie nicht mehr.
Sogar die Frage kam auf, ob man Fingerabdrücke nehmen müsse, um herauszufinden, wer die Kettensäge angesetzt hat. Doch kriminaltechnische Untersuchungen sind nicht nötig: Heinrich Schmidt, Leiter des Staatlichen Bauamts in Ansbach, steht auf schriftliche Nachfrage unserer Redaktion Rede und Antwort. „Es lief hier einiges schief, aber das Kapitel ist beendet.“
Zur Erinnerung: Am 31. Mai 2022 hatte es im Hauptsitz des Staatlichen Bauamts in Ansbach ein Treffen zur Staatsstraßensanierung zwischen Uffenheim und Adelhofen samt Radwegebau gegeben. In diesem Rahmen war festgelegt worden, dass die Bäume auf ihre Standsicherheit untersucht werden sollen, informiert Heinrich Schmidt. Die konnte seinerzeit noch bestätigt werden.
Für die Gutachten, den Zugversuch – der Test, ob die Bäume wirklich noch sattelfest stehen – und die Planungen wurde viel Geld in die Hand genommen; Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe hatte im Gespräch mit unserer Redaktion vorsichtig von einem fünfstelligen Betrag gesprochen. Die Birnbäume durften bleiben – zumindest vorerst.
In der Stadtratssitzung vor wenigen Wochen waren die beiden wohl teuersten Gewächse des Landkreises dann erneut Thema. Uwe Strebel (Bürgerliste) hatte angefragt, wer die beiden Exemplare denn endlich erlöst. Sie hatten offenbar zuletzt ein trauriges Bild abgegeben. Lampe sprach in der Diskussion von einem „Mahnmal des Wahnsinns“ so mancher Behörde. „Das ist jetzt mein Gedächtnisbaum“, hatte er am Ende der öffentlichen Sitzung gesagt.
Im Bauausschuss hatte Ewald Geißendörfer (CSU) am Montag dann die Nachricht verkündet, dass die Birnbäume gefällt wurden. Dem Vernehmen nach herrschte ein bisschen ungläubiges Staunen. Bürgermeister Lampe hatte sich am Dienstag mit einer kleinen Amtsfahrt davon vergewissert und konnte das Gerücht nun im Finanzausschuss bestätigen.
Angesichts der Vorgeschichte fand Bernhard Schurz hierfür deutliche Worte: „Wir machen uns doch zum Affen mit diesen blöden Bäumen.“ Tobias Hassold (CSU) sah darin gar einen Fall für das Steuerschwarzbuch – „das ist Verschwendung von Finanzmitteln“. Da die Stadt Uffenheim beim Radwege-Bau Richtung Brackenlohr durch den Baumerhalt ebenfalls Mehrkosten hatte, erwog Andreas Schober (SPD) gar eine Schadenersatz-Forderung.
Bürgermeister Lampe nahm diesen Worten ein bisschen den Wind aus den Segeln. „Es gibt halt gesetzliche Vorgaben.“ Die Naturschutzbehörde habe sich gesträubt, die Bäume zu fällen. „Man hat sogar angeboten, neue Bäume zu pflanzen.“ Er nannte den Vorgang einen „Schildbürgerstreich“, sah darin aber auch etwas Gutes: „Vielleicht haben sich 20 Käfer noch daran erfreut.“
Nun falle aber der „einzige Vorteil der Bäume“ auch noch weg: Die Birnen hätten demnach die Autofahrer immerhin daran erinnert, dass gleich die Abbiegung gen Wallmersbach kommt. Schurz mutmaßte, dass der rote Stickel, der im Baumstumpf steckt, als Ersatz genau diese Funktion erfüllen soll. Im Bauausschuss wurde auch kritisiert, weshalb man den unteren Stamm nicht einfach stehen ließ, so hätten die Kettensägenkünstler aus der Region noch ein Kunstwerk daraus schnitzen können. Aber dafür ist es jetzt zu spät.
Aber weshalb fällte das Staatliche Bauamt die Birnbäume am Montag denn nun? Heinrich Schmidt erklärt, dass bei den vierteljährlichen Untersuchungen ein „rascher Vitalitätsverlust“ festgestellt worden war. „Die Bäume waren aufgrund ihrer erheblichen Vorschädigungen nicht mehr standsicher und stellten eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer dar.“
Entsprechend habe man handeln müssen. Aber an der Staatsstraße wird es nicht lange kahl bleiben: „Sobald es die Witterung zulässt, werden acht Bäume und zehn Heckensträucher als Ersatz gepflanzt“, betont Schmidt.
Ein wenig ärgert sich der Leiter des Staatlichen Bauamts dann auch über die süffisanten Töne aus Uffenheim. Schließlich hatte seine Behörde beim Bau des Brackenlohrer Radwegs freiwillig Aufgaben übernommen, die eigentlich bei der Stadt gelegen hätten. Für ihn ist das Kapitel aber nun beendet.