Nach den turbulenten Wochen des Insolvenzverfahrens und der anstrengenden Übernahme sollte endlich der normale Betrieb bei Engelhardt und Geißbauer anlaufen. Doch dann gab die Staatsanwaltschaft in Regensburg bekannt, dass sie wegen Insolvenzverschleppung ermittelt – unter anderem gegen Stefan Bauereiß.
Bauereiß war und ist Geschäftsführer des Holzbauunternehmens Engelhardt und Geißbauer sowie der Mohr-Töchter in Leutershausen. Gegenüber der FLZ zeigte er sich zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe auflösen. Denn: „Das Vorgehen war mit dem Insolvenzverwalter und dem Insolvenzgericht abgestimmt.“ Wegen der vielen Firmen, die im Zuge der Ziegler-Pleite zeitgleich in die Zahlungsunfähigkeit rutschten, habe man sich geeinigt, die Anträge nach einer gewissen Systematik einzureichen, erklärte Bauereiß.
Die Staatsanwaltschaft Regensburg hält sich bedeckt zu den Vorwürfen. „Da sich die Ermittlungen in einem sehr frühen Stadium befinden, kann ich keine Auskünfte erteilen, aufgrund welcher Auffälligkeiten bei Gesellschaften ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde“, so Pressesprecher Thomas Rauscher.
Fürs Verständnis der Vorwürfe ist ein Blick zurück erforderlich. Die oberpfälzische Ziegler-Gruppe war lange auf massivem Expansionskurs. 2019 übernahm Stefan Ziegler alle Anteile von Engelhardt und Geißbauer und den angegliederten Firmen. Zwei Jahre später kamen die Zimmerei Mohr und Mohr Holzhaus dazu. Als die Ziegler-Gruppe strauchelte, zog sie die westmittelfränkischen Betriebe mit, weil die Verträge eine gegenseitige Haftung vorsahen.
Nach dem Insolvenzantrag am 6. Dezember drängte die Zeit. Insvolvenzausfallgeld zahlte die Agentur für Arbeit nur bis Anfang Februar. Nachdem die Investoren gefunden waren, mussten binnen weniger Wochen die Finanzierung mit der VR-Bank Mittelfranken Mitte aufgestellt, die Notarverträge unterschrieben sowie Lösungen mit den Leasingfirmen für die Maschinen gesucht werden. Am 6. Februar startete die neue Firma Engelhardt und Geißbauer. Die Arbeit ging weiter: Gewerbeanmeldung, Einträge bei der Handelskammer, Umschreiben von Versicherungen oder das Ummelden von Firmenfahrzeugen galt es abzuarbeiten.
Zu Engelhardt und Geißbauer gehörten neben der Holzhausfirma selbst, die Schwebheimer Holzelemente, die Haustechnikfirma Sendel und Göß, die E+G Besitzgesellschaft (alle mit Sitz in Schwebheim), die Zimmerei Mohr und Mohr Holzhaus (Sitz in Leutershausen).
Neuer Eigentümer ist die eigens gegründete FBSL Holding GmbH. Hinter dieser stecken Josef Fürnkäs sen. und Josef Fürnkäs jun. aus Mitteleschenbach sowie Thomas Latteier, der in Mitteleschenbach eine Zimmerei und ein Transportunternehmen betreibt. Der bisherige Geschäftsführer Stefan Bauereiß und der bisherige Projektleiter Marco Stäudtner haben ebenfalls Anteile an der FBSL Holding und bilden die neue Geschäftsführung.