Dem heimischen Niederwild fehlt es zunehmend an Lebensraum und sicheren Rückzugsorten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, engagiert sich die Jagdgruppe 1 in Schnelldorf intensiv für die Anlage und Pflege spezieller Wildtierflächen.
Aktuell bewirtschaftet das Team rund um die Pächter Werner Proff und Thomas Reissig sowie die Mitstreiter Tobias Schmidt und Christine Klein bereits 21 solcher Flächen, wird in einer Mitteilung informiert. Dabei betonen die Jäger: Der Bedarf ist weitaus höher, es werden dringend noch mehr dieser Lebensräume benötigt.
Ein zentrales Problem in der modernen Kulturlandschaft sind die weiten, offenen Distanzen. Für Tiere wie Hasen, Fasane oder Rebhühner ist das Fehlen von Deckung lebensgefährlich. „Es fehlt an ausreichendem Rückzugsort für das Niederwild. Besonders wichtig sind dabei kurze Wege zwischen den einzelnen kleinen Flächen, damit die Tiere sicher von einem Schutzraum zum nächsten wechseln können“, erklären die Pächter Werner Proff und Thomas Reissig.
Um dem Wild nicht nur Schutz, sondern auch eine optimale Nahrungsgrundlage zu bieten, setzt die Jagdgruppe auf Eigeninitiative. Die Futtermischung für die Flächen wird von den Jägern selbst zusammengestellt und exakt auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt. Die abwechslungsreiche Mischung besteht aus Hafer, Buchweizen, Sonnenblumen, Malven, Senf, verschiedenen Kleearten und Raps. Diese Pflanzenkombination bietet über das ganze Jahr hinweg sowohl Nahrung als auch die dringend benötigte Deckung vor Fressfeinden.
Das erfolgreiche Projekt basiert auf einer engen Zusammenarbeit verschiedener regionaler Akteure. Die aktuell 21 betreuten Areale setzen sich aus Gemeindeflächen, Privatflächen und Flächen der Bayerischen Staatsforsten zusammen. Damit dieses Netzwerk an Rettungsinseln für die Natur weiterwachsen kann, hofft die Jägerschaft auch in Zukunft auf die Bereitschaft von Eigentümern, weitere Kleinflächen für den Naturschutz zur Verfügung zu stellen.
Die Initiative für das Niederwild reiht sich ein in eine Serie erfolgreicher Umweltmaßnahmen in der Gemeinde Schnelldorf. Erst kürzlich erfolgte in der Gemeinde das gemeinschaftliche Projekt „Neue Gewässer für die Unke mit dem gelben Bauch“. In Zusammenarbeit mit dem Naturpark Frankenhöhe und der Stadt Rothenburg wurden dabei im Gemeindewald Schnelldorf sowie in den Wäldern der Spitalstiftung über 70 Klein- und Kleinstgewässer für die streng geschützte Gelbbauchunke geschaffen.
Neben dem gezielten Artenschutz für den bedrohten Froschlurch sichert dieses bereits umgesetzte Projekt einen geschätzten Wasserrückhalt von etwa 250 bis 300 Kubikmeter im Wald – eine Maßnahme, die das Waldökosystem stärkt und die Klimaresilienz der Region nachhaltig erhöht, wie mitgeteilt wird. Die Jagdgruppe 1 knüpft mit ihren Wildflächen nun nahtlos an dieses ökologische Engagement der Gemeinde an, um die biologische Vielfalt auch abseits der Waldgewässer weiter zu sichern.
Dieses ehrenamtliche Engagement stößt auch von politischer Seite auf große Anerkennung. „Ich danke der Jagdgruppe herzlich für den Einsatz im Sinne des Natur- und Artenschutzes“, wird Schnelldorfs Bürgermeister Tobias Strauß in der Mitteilung zitiert. „Diese Arbeit zeigt, wie wichtig die Jägerschaft für unsere Heimat ist. Die geschaffenen Wildflächen sind wertvolle Lebensadern in unserer Landschaft, die wir als Gemeinde Schnelldorf auch weiterhin gerne unterstützen.“