Die Corona-Delle ist überwunden, König Fußball ist zurück: Bayernweit werden Rekordzahlen vermeldet, auch in Ansbach ist der Zulauf rege. Dem ESV Eyb rennen gerade die kleinen Nachwuchskicker regelrecht die Bude ein. Das bringt den Verein an die Belastungsgrenze und zeigt ein größeres Problem in der Stadt auf.
Etwa 300 Kinder und Jugendliche gehen im Sportzentrum Ost in diesen Tagen ihrer großen Leidenschaft nach, in sage und schreibe 15 Mannschaften. In der Winterpause wurde eine E3 nachgemeldet und die F1 von zwei auf drei Gruppen à fünf Spieler aufgestockt. Weit über 30 ehrenamtliche Trainer und Betreuer kümmern sich nach Kräften. Auf und abseits des Platzes. An Ostern etwa reist eine ESV-Delegation nach Kroatien, um an einem internationalen Turnier in Pula teilzunehmen.
Mit den drei Teams im Erwachsenenbereich bleiben für insgesamt 18 Mannschaften zum Üben nur der B- und der C-Platz an der Rezat, die im Frühjahr und Herbst regelmäßig überschwemmt werden – was jeweils kostspielige Reparaturen des Flutlichts nach sich zieht. Offen sagen mag es im Verein niemand, allerdings: So langsam stößt der ESV an Grenzen, was die Finanzen und die Infrastruktur angeht.
Geht diese Entwicklung ungebremst weiter, hätte auch die Kommune ein Problem – Stichwort weiche Standortfaktoren. Ein Aufnahmestopp hätte somit verheerende Konsequenzen, weil im Stadtgebiet samt Ortsteilen immer weniger Fußball für Kinder und Jugendliche angeboten wird.
Der SV Obereichenbach hat sich aufgelöst, der SV Meinhardswinden verzichtet mittlerweile auf eine Jugendabteilung, der TSV Fichte kooperiert mangels Spielern und Trainingsflächen in der A-, B- und C-Jugend bereits mit dem ESV. Der SV Schalkhausen und der TSV Elpersdorf arbeiten fast im kompletten Nachwuchsbereich eng zusammen.
Wir brauchen dringend Unterstützung.
Bliebe als Alternative noch der äußerst umtriebige TSV Brodswinden und die Spielvereinigung, die ab der U11 mit jeweils einer Mannschaft pro Jahrgang am Spielbetrieb teilnimmt, in der U10 mit zwei. Der Kunstrasenplatz ist da natürlich ein Segen, ansonsten müssten sich wahrscheinlich auch die Grün-Weißen Gedanken machen. Ohne Ausweichmöglichkeiten in Neuses, Wiedersbach, Neunstetten und Großhaslach würde es schon jetzt eng werden.
Beim ESV macht man sich deshalb Gedanken, wie das mittel- und langfristig weitergehen soll. Ein Kunstrasenplatz, der eine deutlich höhere Belegungsquote ermöglichen würde, ist aus Vereinssicht aktuell nicht mehr als ein schöner Traum. Der soll aber nicht schon ausgeträumt sein, bevor er richtig begonnen hat.
Als Standort in Frage käme wahrscheinlich bloß der A-Platz, dessen Drainage in die Jahre gekommen ist und somit ebenfalls zeitnah fällig wäre für eine Generalsanierung. Warum also nicht gleich die große Lösung, fragt sich unter anderem der dritte Vorstand Andreas Redlof. Alleine wird es der ESV allerdings nicht schaffen, „wir brauchen dringend Unterstützung“, betont Redlof.
Benjamin Tax, seines Zeichens Sportkoordinator der Stadt, sieht die aktuellen Schwierigkeiten der Ansbacher Vereine. Er selbst sieht sich als „Fürsprecher der Vereine“, der gerne bei Vorhaben unterstützt. Doch der Bedarf übersteigt derzeit auch die Möglichkeiten der Stadt, lässt der 38-Jährige gegenüber der FLZ durchblicken.
Rund eine Million Euro würde der Umbau zu einem Kunstrasenplatz kosten, mit entsprechender Eigenleistung etwas weniger, aber selbst nach Abzug diverser Fördermittel immer noch viel zu viel für den nach dem TSV mit knapp 1000 Mitgliedern zweitgrößten Verein der Stadt.
Über den Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) könnte ein Viertel der Kosten finanziert werden, zudem schießt die Stadt bei einer Sanierung 15 und bei einem Neubau 20 Prozent zu. Über ein zusätzliches Darlehen des BLSV könnte ebenfalls Geld akquiriert werden, erklärt Tax. Er bringt die Idee des Crowd Funding ins Spiel. Mehr kann er den Eybern aber nicht anbieten.
Auf das erhoffte Zeichen für die Zukunft und zur Motivation der „vielen ehrenamtlichen Helfer“ wird man im Sportzentrum Ost warten müssen.