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Veröffentlicht am 12.03.2026 00:07

ETF kaufen: So gelingt der Einstieg Schritt für Schritt

Schon frühzeitig an die Zukunft denken: Junge Menschen setzen für die Altersvorsorge gerne auf ETFs. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Schon frühzeitig an die Zukunft denken: Junge Menschen setzen für die Altersvorsorge gerne auf ETFs. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Schon frühzeitig an die Zukunft denken: Junge Menschen setzen für die Altersvorsorge gerne auf ETFs. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, ihr Geld an der Börse anzulegen. 2025 etwa besaßen nach Zahlen des Deutschen Aktieninstituts 14,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktienfonds, ETFs oder Aktien. Das sind 2 Millionen mehr als noch 2024.

Besonders beliebt: Aktien-ETFs, also börsengehandelte Fonds, die einen Aktienindex nachbilden. Doch wer zum ersten Mal überlegt, in einen ETF zu investieren, steht vor der ganz praktischen Frage: Wie funktioniert der erste Kauf überhaupt?

Good News: ETF-Einstieg ist heute einfacher denn je

Die gute Nachricht: Der Einstieg ist heute einfacher denn je. Mit einem Wertpapierdepot, einem passenden ETF und wenigen Klicks lässt sich bereits mit kleinen Beträgen langfristig Vermögen aufbauen. Trotzdem lohnt es sich, die wichtigsten Schritte zu kennen. Denn ein klarer Plan hilft, typische Anfängerfehler zu vermeiden und mit einem guten Gefühl zu starten.

In diesem Ratgeber erfahren Interessierte Schritt für Schritt, wie sie ihr erstes ETF-Investment angehen können: von den grundlegenden Überlegungen über die Auswahl eines geeigneten ETFs bis hin zum tatsächlichen Kauf. So wird aus der Idee, Geld anzulegen, ein konkreter erster Schritt an der Börse. 

Schritt 1: Die persönliche Ausgangssituation klären

„In Aktien-ETFs sollte nur Geld investiert werden, auf das man langfristig verzichten kann“, sagt Yvonne Röhling von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Darum ist vor dem ersten Investment Folgendes zu klären:

  1. Sind bereits alle existenzbedrohenden Gefahren vollumfänglich abgesichert? Wer etwa noch keine private Haftpflichtversicherung und keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, sollte zunächst dafür Geld aufbringen. Denn im Ernstfall kann eine fehlende Absicherung den finanziellen Ruin bedeuten.
  2. Sind genügend liquide Mittel vorhanden, um bei kurzfristigem Geldbedarf nicht auf Kredite oder das angelegte Geld zurückgreifen zu müssen? Muss das Auto repariert, die Spülmaschine oder das Smartphone ersetzt werden, sollte das Geld dafür beisammen sein. Etwa drei Nettomonatseinkommen sollten sie dafür auf einem Tagesgeldkonto parken, rät der Verhaltensökonom Prof. Hartmut Walz von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Wer das Geld noch nicht angespart hat, sollte sich zuerst darauf fokussieren.
  3. Bestehen noch hoch verzinste Schulden aus laufenden Finanzierungen - etwa für das Auto oder andere Konsumgüter? Dann hat deren Tilgung Vorrang. „Erst dann macht der Vermögensaufbau mit ETFs Sinn“, sagt Anlageberater Lennart Burger von der Albrecht, Kitta und Co. Vermögensverwaltung.

Schritt 2: Kassensturz machen

Sind die Vorüberlegungen abgeschlossen, steht ein ehrlicher Kassensturz an, rät Karin Baur von der Stiftung Warentest. Nur so lässt sich ermitteln, wie viel Geld überhaupt monatlich in das ETF-Investment fließen kann. 

Dazu empfiehlt es sich, sowohl sämtliche jährliche Einnahmen als auch die Ausgaben jeweils zu addieren und die beiden Ergebnisse durch zwölf zu teilen. In der Gegenüberstellung zeigt sich, ob und wie viel Überschuss im Monat bleibt, der ganz oder teilweise ins Depot eingezahlt werden kann.

Schritt 3: Anlageziele definieren und Strategie überlegen

Jetzt sollten Anleger ihre Anlageziele definieren: „Geht es um langfristigen Vermögensaufbau für die Altersvorsorge oder um mittelfristige Sparziele?“, fragt Lennart Burger. Und: Wie steht es um die eigene Risikotoleranz und die Renditeerwartung? Denn das entscheidet maßgeblich über die Aufteilung des anzulegenden Kapitals auf verschiedene Anlageklassen. 

Wer eine ausreichend große Risikotoleranz mitbringt und für mindestens zehn Jahre investieren möchte, kann auf reine Aktien-ETFs setzen. Dabei sollten sich Anlegerinnen und Anleger aber bewusst sein, dass selbst breit streuende ETFs zeitweise (stark) an Wert verlieren können. Deshalb ist es wichtig, dass die Wertpapiere solche Buchverluste im Laufe der Anlagedauer wieder aufholen können.

Schritt 4: Auswahl eines geeigneten Depotanbieters

Anschließend kann man sich darüber Gedanken machen, bei welcher Bank oder welchem Anbieter das Depot eröffnet werden soll. Nur damit lassen sich überhaupt ETF-Anteile erwerben.

Die Auswahl des Anbieters hängt maßgeblich von den Kosten und dem gewünschten Komfort ab. „Neobroker bieten häufig sehr günstige Konditionen für ETF-Sparpläne und -Käufe und die Benutzeroberflächen sind modern und intuitiv gestaltet“, sagt Lennart Burger. Dafür sei die Produktpalette mitunter eingeschränkt und es mangele am persönlichen Service. Wer aber lediglich auf Standard-ETFs setzen möchte und keine Beratung benötige, findet hier Burger zufolge ein solides Preis-Leistungs-Angebot.

„Direktbanken positionieren sich im Mittelfeld“, sagt der Anlageberater. „Sie bieten breitere Produktpaletten, besseren Service und etablierte Online-Banking-Umgebungen.“ Sie seien für all jene eine gute Wahl, die Wert auf einen Mix aus Kosteneffizienz und Service legen. 

„Klassische Hausbanken mit Filialnetz sind häufig die teuerste Option“, sagt Burger. Ihr Vorteil liegt in der persönlichen Beratung vor Ort, ihr Nachteil in den oft angebotenen, teuren hauseigenen Produkten.

Schritt 5: Auswahl eines geeigneten ETF

„Den perfekten ETF gibt es nicht“, sagt Finanzberater Roland Schmack. „Aber es gibt klare Qualitätskriterien.“ Zum einen sollte der ETF breit gestreut über verschiedene Länder und Branchen hinweg investieren. Zum anderen sollte die Gesamtkostenquote (TER) Schmack zufolge idealerweise unter 0,20 Prozent por Jahr liegen. „Für Einsteiger ist ein breit gestreuter Weltindex wie der MSCI All Countries World Index das Fundament“, sagt Schmack. 

Auch Prof. Walz rät zu ETFs, die diesen „echten“ Weltindex nachbilden - oder alternativ etwa den FTSE All-World. Nur sie erfüllten den Anspruch, wirklich breit diversifiziert zu sein, was das Schwankungsrisiko minimieren soll. „ETFs auf den populären Index MSCI World erfüllen diese Anforderungen nicht“, sagt Walz. Kritiker monieren, dass in diesem Index US-amerikanische Unternehmen starkes Übergewicht haben - sie machen mehr als 70 Prozent des Index aus. Zum Vergleich: Deutsche Unternehmen haben darin etwa nur einen Anteil von 2,5 Prozent.

Einem solchen soliden Fundament können Einsteiger nach und nach oder auch gleichzeitig noch Beimischungen nach eigenem Geschmack und Risikoneigung hinzufügen. Roland Schmack zufolge könnte etwa ein Schwellenländer-ETF (Emerging Markets) sinnvoll sein.

Schmack empfiehlt zudem, darauf zu achten, dass der ETF ein Volumen an investiertem Kapital von mehr als 500 Millionen Euro verwaltet. Das könne vor vorzeitiger Fondsschließung bewahren. „Zudem sollte der Fonds die Aktien tatsächlich halten, also physisch replizierend sein“, sagt Schmack. Ob der ETF Dividenden direkt wieder anlegt (thesauriert) oder ausschüttet, hänge von der persönlichen Steuerstrategie und dem Wunsch nach regelmäßigen Auszahlungen ab.

Schritt 6: Einrichten eines individuellen Sparplans

Wer das Depot eröffnet und sich für einen oder mehrere ETFs entschieden hat, die beim Depotanbieter handelbar sind, kann sich anschließend daran machen, einen Sparplan einzurichten. So wird Monat für Monat automatisch ein fester Betrag investiert und Anlegerinnen und Anleger machen sich den Durchschnittskosteneffekt zunutze. 

Mit Zukäufen mal zu höheren und mal zu niedrigeren Preisen minimieren sie das Risiko vermeintlich ungünstiger Kaufzeitpunkte und eliminieren Lennart Burger zufolge „emotionale Fehlentscheidungen beim Versuch den Markt zu „timen”“.

Schritt 7: Freistellungsauftrag einrichten

Ist der Sparplan erst einmal eingerichtet, sollte man sich Karin Baur zufolge nur noch um eines kümmern: das Einrichten eines Freistellungsauftrags. So kann man unter Umständen verhindern, dass Kursanstiege und Kapitalerträge, die die ETFs abwerfen können, besteuert werden. 

Denn grundsätzlich können Sparerinnen und Sparer in Deutschland bis zu 1.000 Euro an Kapitalerträgen je Alleinstehendem oder 2.000 Euro je zusammenveranlagtem Ehepaar jedes Jahr steuerfrei vereinnahmen. Dafür müssen sie ihrer Bank aber mitteilen, ab welcher Höhe an Kapitalerträgen diese erst Abgeltungsteuer abführen soll. Das geht meist online. 

Der Freistellungsauftrag lässt sich auch zwischen mehreren Banken und Anbietern aufteilen - falls etwa gleichzeitig Kapitalerträge durch Fest- oder Tagesgeld erwirtschaftet werden. Wer den siebten Schritt versäumt, kann sich zu viel gezahlte Steuern nachträglich auch über die Steuererklärung zurückholen.

© dpa-infocom, dpa:260311-930-804270/1


Von dpa
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