Eva Endreß aus Ulsenheim erfüllt sich den Traum vom Triathlon in Roth | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.07.2025 07:00

Eva Endreß aus Ulsenheim erfüllt sich den Traum vom Triathlon in Roth

In der ersten Hälfte des Marathons fühlte sich Eva Endreß wieder glücklich. Bei Kilometer 16 (von 42) entstand dieses Bild. (Foto: Christian Endreß)
In der ersten Hälfte des Marathons fühlte sich Eva Endreß wieder glücklich. Bei Kilometer 16 (von 42) entstand dieses Bild. (Foto: Christian Endreß)
In der ersten Hälfte des Marathons fühlte sich Eva Endreß wieder glücklich. Bei Kilometer 16 (von 42) entstand dieses Bild. (Foto: Christian Endreß)

„Du willst einen Triathlon mitlaufen? Du bist doch die langsamste bei uns im Club. Lauf doch lieber einen kleinen Marathon mit.“ „Aber das machen wir doch immer!“ Die Antwort von Eva Endreß fällt klar aus. Seit Sonntag darf sie sich Ironwoman („Eisenfrau“) nennen. Die 51-Jährige hat die Roth Challenge gemeistert.

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Fahrradfahren und rund 42 Kilometer Laufen meisterte sie in 14 Stunden und 41 Minuten. Das wichtigste für die Wahl-Spanierin, die in Ulsenheim bei Markt Nordheim aufwuchs, hatte sie erreicht: bei dieser großen sportlichen Herausforderung durchzuhalten. Nach anderthalb Jahren intensivem Training.

„Du kannst es schaffen“, hatte ihr Coach Luis Pina zu ihr gesagt. Die Geschichte begann im Jahr 2022. Ihre Eltern Lucie und Friedrich Endreß schenken ihrer sportlichen Tochter das Starter-Ticket für Roth.

Dort darf sich nämlich nicht jeder einfach so zum Ironman oder zur Ironwoman schmieden lassen – das kostet 700 Euro. Tausende weltweit wollen teilnehmen – aber längst nicht alle Ultra-Sportler dürfen das letztendlich.

Am Sonntag waren es 3500 Einzelstarter und 650 Staffeln à zwei oder drei Personen. Aus 108 Nationen. Eine davon eben Eva Endreß aus Vigo, Nordspanien, wo die Ingenieurin seit zehn Jahren lebt.


Nur mir selbst wollte ich etwas beweisen.

Eva Endreß

Und trainiert. Durch ihren Lebensgefährten Elias kam sie in eine extrem sportliche Familie hinein, die ihr Hobby noch förderte. So kam es schließlich, dass sich auch eine Staffel aus Vigo bildete – mit den Clubkollegen Ana Maria Regueiro Rodriguez als Schwimmerin, Elias Pérez Carrera als Radfahrer und Jorge Gonzáles als Marathon-Läufer.

Der Mut für große Dinge muss wohl in ihrer Natur liegen, dass sich Eva sagte: „Ich mache das alleine.“ Auf eine Platzierung zielte sie nicht. Ihre größte Gegnerin war sie selbst. „Nur mir selbst wollte ich etwas beweisen.” Der Tag begann früh.

Um 5 Uhr Abfahrt aus Ulsenheim, um 6 Uhr Anmeldung und um 8.15 Uhr – die letzte Gruppe – fiel der Startschuss. Beim Schwimmen hat die 51-Jährige einen ausgezeichneten Vorteil, trainierte sie doch im Atlantischen Ozean. „Ich kann das Meer von meinem Arbeitsplatz aus sehen.“

Gegenwind beim Radfahren

Ein Freiwasser-Schwimmer ist den anderen überlegen. Im Rhein-Main-Donau-Kanal ging es hin und zurück, nach einer Stunde und 30 Minuten hat sie es gut geschafft – trotz des anfänglichen Schreckens, dass alle Triathleten aufgrund der Wassertemperatur ohne Neoprenanzug starten müssen. Wer länger als zwei Stunden und fünf Minuten braucht, wird nicht mehr gezählt.

Einen Badeanzug hatte sie gar nicht dabei – und der Wechsel aufs Rad hatte deshalb etwas länger gedauert als gedacht. Dank der „tollen Betreuung“ – eine Person kümmerte sich komplett um einen Triathleten – glückt das aber gut. Auch Bananen und Powerriegel müssen an dieser Stelle sein, natürlich auch viel trinken.

Weniger gut verläuft das Fahrradfahren. Zwar trockene Straße, aber Gegenwind. Schon die ersten fünf Kilometer fährt sie wie „gegen eine Wand“. Hitze wäre nicht so schlimm. Die beiden Berge – Kalvarienberg und Solarer Berg – hatte sie in der Woche zuvor dort geübt. Jetzt standen dort viele Menschen an der Wettkampfstrecke, die die Radsportler stark anfeuerten.


Solange die mich nicht stoppen, mache ich immer weiter.

Eva Endreß

Eva Endreß kämpft. Ihr Wille hilft ihr: „Solange die mich nicht stoppen, mache ich immer weiter und wenn ich auf dem Zahnfleisch daherkomme.“ Und es wird knapp. Neun Stunden und zehn Minuten gibt der Veranstalter für die ersten beiden Disziplinen vor.

In neun Stunden und acht Minuten fährt die Ulsenheimerin schließlich in die „Wechselzone Zwei“ – dort fiebern Familienmitglieder mit, an denen sie vorbeirauscht. In sieben Stunden und 24 Minuten absolviert Endreß die Rad-Disziplin.

Das – für sie – Härteste war geschafft und mit diesem „Glücksmoment“ zog sie die Laufschuhe an. Ab dann wusste sie, dass sie es schaffen wird. Sechs Stunden dafür gab der Veranstalter vor – nach fünf Stunden und 27 Minuten hatte sie auch die dritte Disziplin gemeistert. Um 22.56 Uhr kam sie ins Ziel. Total kaputt, aber überglücklich. Außer einem leichten Stechen in der Achillessehne fehlte ihr am Tag danach nichts.

Ein bisschen wird Eva Endreß noch in Ulsenheim bleiben, bevor sie wieder für eine Softwarefirma die WLAN-Router konfiguriert und optimiert.

In Vigo will sie in die Politik

Ab September widmet sie sich einer anderen Berufung: der Politik. Im Jahr 2027 sind Kommunalwahlen in Spanien. Bereits 2023 wollte sie auf der Liste der liberalen Partei in den Stadtrat von Vigo einziehen. Diese, die „Ciudadanos“, gebe es „nicht mehr wirklich“. Mit ein paar Kollegen von der alten Partei überlegt sie, eine kleine lokale liberale Partei in Vigo oder Galizien zu gründen.

Marathons will sie weiter laufen – jener in Prag 2018, in Berlin 2019 und in Amsterdam 2022 hatten ihr großen Spaß gemacht –, einen solchen Triathlon aber nicht mehr. „Das war das erste und das letzte Mal. Und es war das Extremste, was ich jemals gemacht habe.“

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