Der Stierkäfer ist das Insekt des Jahres 2024. Da dieser sandige Böden, die meist in Kiefernwäldern zu finden sind, liebt, gibt es ihn im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim nicht. Das sagt Sven Finnberg aus Bad Windsheim. Der Förster hat eine besondere Leidenschaft: Für Käfer ist er die erste Adresse im Landkreis. Er stellt auch zwei andere tolle Käfer vor.
„Kein Mensch in Deutschland kennt alle Käfer“, sagt Finnberg. Mit zwei konkreten Zahlen kann er dennoch aufwarten: Im Stadtwald von Bad Windsheim wurden 581 holzbewohnende Käferarten nachgewiesen, in Deutschland sind es 1374. Der Stierkäfer zählt nicht dazu. Er ist ein Mistkäfer.
Allein der Name „Stierkäfer“ löst bei Finnberg Begeisterung aus. Er entstammt der griechischen Mythologie. In Bayern findet man ihn nur im nördlichen Spessart, in anderen Bundesländern sei Typhaeus typhoeus aber ziemlich häufig. Der Stierkäfer sei ein Dungkäfer – und extrem wichtig für die Umwelt. „Es ist enorm, was diese Käfer durch das Löchergraben für die Bodenfruchtbarkeit und die Durchlüftung des Bodens leisten.“ Der Stierkäfer grabe bis zu 1,5 Meter tiefe Tunnel, um dort die Eier abzulegen. Seine Larven füttert der Mistkäfer mit Kotvorräten.
Im gleichen Atemzug nennt Finnberg einen anderen Dungkäfer, der in der Region zwar auch nicht so häufig ist, aber den es im Landkreis gibt: Sisiphus schaefferi, der Matte Pillenwälzer – auch Matter Pillendreher oder Langbeiniger Pillendreher genannt. „Das ist eine coole Art. Für sie braucht es eine gewisse Beweidungstradition.“ Ohne diese Käfer würde der Dung sehr lange auf den Feldern liegen bleiben.
Einen Schönheitspreis gewinnt er wohl nicht, dieser matt-schwarze, sieben bis 13 Millimeter große und kugelrunde Käfer mit den langen Beinen. Aber er ist ein Kämpfer. Am Kehrenberg und am Anstieg der Frankenhöhe bei Lenkersheim und Ickelheim konnte Finnberg ihn schon beobachten. Und ist fasziniert. Aus Dung von Kühen, Pferden oder anderen Pflanzenfresser knetet Sisiphus schaefferi verhältnismäßig große Kugeln.
Ist eine Kugel fertig, dann rollt das Männchen zusammen mit dem Weibchen die Kugel weg und vergräbt sie im Boden. Immer ein Pärchen macht das zusammen. Bei diesem Vorgang komme es oft zu Tumulten, da andere Käfer gerne versuchen, den beiden die fertige Kugel abzuluchsen, hat Finnberg beobachtet.
Haben die Beiden es geschafft, die Kugel in der Erde verschwinden zu lassen, legt das Weibchen in jede Kugel ein Ei. Ungefähr zehn sind es. Der Käfer erscheint laut Finnberg Anfang Mai, die Käfer der Folgegeneration kommen Anfang Juli. „Spannend wird es, wie Sisiphus schaefferi sich angesichts des Klimawandels verhält. Das wird die Zeit zeigen.“
Der Gattungsname Sisyphus nimmt auf den Helden der griechischen Mythologie Bezug, da man den Käfer häufig beobachten kann, wie er in ausweglos erscheinenden Situationen versucht, seine Kugeln über ein Hindernis zu transportieren. Der Artname schaefferi ehrt den Theologen und Entomologen Jacob Christian Schäffer.
Neben dem Matten Pillendreher lebt auch ein wahrlich schöner Käfer am Kehrenberg und am Anstieg der Steige bei Lenkersheim: der Große Puppenräuber, Calosoma sycophanta. Der in allen Regenbogenfarben leuchtende Käfer lebt in laubholzreichen Wäldern. Auch von seinem Verhalten profitiert der Mensch, frisst der Große Puppenräuber doch neben Larven und Raupen aller Art auch Schwammspinner, die schon ganze Wälder abgefressen haben.
Der bunte Käfer ist relativ einfach zu erkennen: Wenn man einen agilen, regenbogenfarbigen Käfer flott laufen sieht, dann könnte es gut der Große Puppenräuber sein. Er wird bis zu vier Jahre alt. Laut Finnberg habe es Schwammspinnerkalamitäten schon immer gegeben und man müsse eine solche immer auch ablaufen lassen. Leider habe die Behandlung mancher Wälder mit Insektiziden bei Kalamitäten den Bestand mancher Käfer massiv dezimiert. Aber die Kleinsten sind die größten Überlebenskünstler.
„Es ist beeindruckend, wie sich der Große Puppenräuber angesichts einer Kalamität mitentwickelt“, sagt der Förster. Das heißt, die Population des Käfers passt sich diesem Nahrungsangebot an. Ist das Nahrungsangebot da, ist der Bestand größer. Interessant am Rande: „Der Schwammspinner hat viele Feinde.“ Darunter sind weitere tolle Käfer.