Sie heißen Riesenbock und Goliath, Hirsch und Rüssel, Feuer und Öl. Andere sind nach Rose und Zwerg getauft, nach Mai und Juni. Nicht zu vergessen Sisyphus, der Unermüdliche. Ulrich Meßlinger hat vor jedem Respekt. „Käfer besitzen als größte Insektengruppe eine enorme ökologische und ökonomische Bedeutung.“
Der Biologe aus Flachslanden, der unsere Serie fachlich begleitet, nennt den Grund für seine Wertschätzung. „Sie sind die teils entscheidende Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse, Spitzmäuse, Reptilien, Amphibien und Fische.“ Weshalb sie schon in den Zeiten des Römischen Reich eine feste Größe waren, wie der Donnergugi zeigt. Der ist nach dem Beinamen Donar des Gottes Thor benannt.
Wie alle wahren Helden der Geschichte trägt er noch andere Namen. Manche nennen ihn den Schröter, landläufig ist er als Hirschkäfer bekannt. „Das ist der Star unter den heimischen Blatthornkäfern“, sagt Ulrich Meßlinger. „Wegen der geweihartig vergrößerten Mundwerkzeuge.“ Der Oberkiefer ist bei den Männchen besonders imposant. Es ist die größte europäische Käferart mit bis zu acht Zentimetern Länge, die Weibchen bleiben zierlicher.
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Die Hirschkäfer leben in warmen, lichten Laubwäldern und ernähren sich friedlich von sanften Pflanzensäften. Die Eier legen sie bis zu 75 Zentimeter tief an Wurzeln von toten und geschwächten Bäumen oder unter Totholz ab. Nur ein Grund, erklärt Ulrich Meßlinger, warum totes Holz für die Natur so wichtig ist. „Der Pilzbefall zermürbt sogar das Totholz von Eichen, das dadurch zur Lebensgrundlage wird.“
Den Larven der Hirschkäfer, den Engerlingen, gefällt es in der zweiten Lebensphase nach dem Ei. Sie bleiben deshalb ein bisschen länger und lassen sich drei bis acht Jahre lang Zeit für die nächste Stufe. Wenn dann aus den Larven die fertigen Käfer werden, wird es doch noch kriegerisch – aus bekannten Gründen. Die Männchen ringen mit aller Macht um Weibchen, indem sie versuchen, Nebenbuhler mit Hilfe ihres „Geweihs” vom Baum zu werfen.
Gefahr droht aber nicht nur vom Nebenbuhler. „Hirschkäfer sind eine begehrte Beute von Vögeln und kleinen Beutegreifern“, erklärt der Biologe. Noch: „Sie sind stark gefährdet durch die Aufgabe alter Waldnutzungsformen wie den Hute- und den Mittelwäldern, durch Monokulturen aus Nadelbäumen und Waldrodungen für Siedlungen, Industrie und die Infrastruktur.“
Wer Hirschkäfer finden will, muss inzwischen aufwändig suchen, so Meßlinger. „Sie kommen noch in Eichenwäldern im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim vor, nur vereinzelt fliegen sie auch im nördlichen Landkreis Ansbach zu.“
Hirschkäfer alias Donnergugi galten bei den Römern als Delikatessen, die männlichen „Geweihe“ wurden für Amulette verwendet. Nur ein Zeichen, wie sehr Käfer seit jeher enge Begleiter der Menschen sind. Es gibt Fossilienfunde von Käfern, die etwa 265 Millionen Jahre alt sind. Sie stellen die vielfältigste Gruppe unter den Insekten. Weltweit sind bisher 380.000 Arten erfasst, in Mitteleuropa 8000 Arten. Ihre Bezeichnung Käfer ist seit dem 13. Jahrhundert belegt, eng verwandt mit dem Begriff Kiefer. Für das Kauen und Nagen sind die Mundwerkzeuge je nach Ernährung angepasst.
Wie alle Insekten haben Käfer sechs Beine. Auf diesen tragen sie einen robusten Körper mit einem stabilen Chitin-Panzer und dicken Deckflügeln. Es gibt sie in fast allen Lebensräumen, nur nicht im ewigen Eis und im Salzwasser. Ihr mächtigster Vertreter mit dem sprechenden Namen Herkuleskäfer wird bis zu 17 Zentimetern lang. Er findet Platz in den Regenwäldern von Mittel- und Südamerika.
Ist in Deutschland der Hirschkäfer der größte, führt in der Hitliste der beliebtesten der Maikäfer. Er ist als Symbol für den Frühling vielfach besungen und erreicht wegen seines friedlichen Gebrumms schnell die Herzen der Kinder. Sein süßes Aussehen lässt ihn sogar in den Regalen der Schokoladentiere auftauchen. Der Maikäfer hat fächerförmige Fühler mit bis zu 50.000 Geruchssensoren, die ihm in schwindenden Lebensräumen aber nichts helfen. „Heute ist vielerorts aus großen Populationen, die in manchen Jahren sogar als Plage empfunden wurden, eine Seltenheit geworden“, sagt Ulrich Meßlinger.
Noch etwas besser geht es seinem kleineren Verwandten, dem Brachkäfer, den allermeisten als Junikäfer bekannt. Auch er brummt im Flug, der selten schnurgerade aussieht, sondern eher wie eine unentschlossene Suche um Büsche und Bäume. Geräusche können viele Käfer erzeugen, zum Beispiel auch die Lilienhähnchen.
„Andere verteidigen sich mit Giften, übel riechenden Ausscheidungen oder kräftigem Zubeißen, was jedoch für den Menschen ungefährlich ist“, nennt Ulrich Meßlinger ein paar besondere Begabungen. „Schnellkäfer machen sich aus dem Staub durch einen Mechanismus, der sie aus der Rückenlage außerhalb der Reichweite von Angreifern hüpfen lässt. Die Bombardierkäfer spritzen ein ätzendes, etwa 100 Grad heißes Gasgemisch mit einem Knall auf Angreifer.“
Auch sehr gute Flieger gibt es unter den vielen Arten mit dem langen Leben, das sich vor allem in der Zeit als Larven abspielt. „Fertige Käfer dienen dann nur zur Fortpflanzung, davor gibt es bis zu 15 Jahre Larvenzeit wie beim Hausbockkäfer“, weist Ulrich Meßlinger auf den für das menschliche Auge meist nicht wahrnehmbaren längsten Lebensabschnitt hin.
Beim Rosenkäfer sind die Engerlinge bis zu drei Zentimeter lang und so dick, dass sie Gartenvögel in großer Zahl im Kompost, in Rindenmulch, unter vermodernden Baumstämmen und auf Hackschnitzelwegen erfreuen.
Als eigene Nahrung dienen Wurzeln, Pilze, Holz, Aas, Blätter, Blüten, Früchte oder Tierexkremente wie beim Skarabäus. „Er formt aus Dung Kugeln, in die Eier abgelegt werden. Dann wird die Kugel mühsam an eine geeignete Stelle gerollt und dort eingegraben, um der Brut eine gute Chance zu geben“, sagt Meßlinger. „In alten Mythologien wurde er als Glücksbringer verehrt und bekam den Namen Heiliger Pillendreher”.
Weniger heilig, aber ebenso fleißig sind einheimische Pillendreher-Arten, die Ulrich Meßlinger zum Beispiel am Petersberg bei Marktbergel regelmäßig findet. „Eine Gattung heißt wissenschaftlich Sisyphus, weil diese Käfer die Kotpillen oft wegrollen und immer wieder versuchen, sie in die gewünschte Richtung zu manövrieren.“
Nach unten schaffen die Wald-Mistkäfer. Die blau glänzenden Käfer sind auf feuchtem Waldboden häufig zu finden und ernähren sich ebenfalls vor allem von den Hinterlassenschaften anderer Tiere. In diese rollen sie jeweils ein Ei und legen sie portionsweise in bis zu acht Zentimeter tiefe Erdstollen ab. „Das sind richtige Bergwerksarbeiter”, sagt Ulrich Meßlinger.
Der „Goldglänzende Rosenkäfer” ist dagegen regelmäßig an Blüten zu finden und kümmert sich herzlich wenig um andere. „Vor allem auf Rosen und Obstbäumen walzt er sich regelrecht durch den Pollen, mampfend und fast ohne sich stören zu lassen. Er trägt dabei viel Pollen von Blüte zu Blüte und ist damit als Bestäuber wichtig, wie sehr viele andere Käferarten auch.“