Frankens kleine Welten: So wird der Garten ein gutes Zuhause | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.04.2023 07:08

Frankens kleine Welten: So wird der Garten ein gutes Zuhause

Im Garten erreicht viel, wer manche Dinge einfach mal liegen lassen kann. „Wer in einem Eck einen Reisighaufen oder einen Laubhaufen anlegt, spart sich nicht nur das Wegfahren. Igel, Reptilien und Amphibien freuen sich über ein großes Versteck, in dem sie auch schlafen und später sogar überwintern können“, empfiehlt Biologe Ulrich Meßlinger aus Flachslanden, der unsere Serie „Kleine Welten” fachlich begleitet. Ein Komposthaufen und Wege aus Rindenmulch oder Hackschnitzeln sind nicht nur schnell angelegt, sondern bieten Rosen- und Nashornkäfer und Reptilien einen Lebensraum für ihre Larven.

Gräser und Stauden helfen den Wildbienen

„Flechten und Moose mögen lockere Haufen aus Steinen, die aus Feldern oder einem Scheunenabbruch genommen wurden, und Zäune aus Holz. Sie gedeihen auch auf abgestorbenen Ästen und Sträuchern sowie auf Baumstümpfen und Wurzeltellern, die nach dem Fällen eines Baums an Ort und Stelle bleiben dürfen“, so der Biologe. „Abgestorbene Gräser und Stauden ermöglichen das Leben von Wildbienen, weil diese ihre Brut in die hohlen Halme und Stängel legen, sodass sie gegen Kälte und Wind geschützt sind.“

Ein schlichter Stapel aus Hölzern kommt Vögeln wie Zaunkönig, Bachstelze, Rotkehlchen und Hausrotschwanz zugute, weil diese in solchen Nischen brüten. „Die nachtaktiven Igel finden darunter tagsüber Zuflucht und im Winter eine Ecke zum Schlaf, ebenso einige Schmetterlingsarten, die in eine Winterstarre fallen können“, beschreibt Meßlinger die positiven Folgen der Hochstapelei.

Wo die Natur krumm und bucklig sein darf, ist es für kleine Arten oft am besten. Bäume mit Höhlen sind zwar nichts für die Möbelindustrie, geben aber Vögeln Brutplätze und Mäusen und Fledermäusen ein ideales Sommerquartier.

Wegeinfassungen oder Treppenstufen aus Stammholz

Das bieten auch hohle Bäume, in denen Pflanzenreste zu Mulm werden darf. „Vögel finden hier Brutplätze, Käfer die Nahrung für die Larven und Schmetterlinge ein Winterlager“, sagt der Biologe aus Flachslanden. Stammholz hilft auch in der Horizontalen. Werden damit Wege eingefasst oder Treppenstufen gebastelt, entstehen Verstecke für Amphibien und kleine Schnecken sowie Wuchsorte für Pilze.

Hecken aus heimischen Sträuchern lassen Heuschrecken, Schmetterlinge und Schwebfliegen ihre Eier ablegen. Die Blätter der Hecken sind Nahrung, ihr verzweigter Wuchs bietet Vögeln Brutplätze und Nagetieren wie der Haselmaus Platz für ihre Kugelnester.

Lockere Mauern bieten viele Chancen

Doch auch andere Abgrenzungen eröffnen Chancen durch ihre Höhe. Eine Mauer aus heimischen Steinen, deren Fugen mit lockerem Material gefüllt sind, bietet einiges, so Ulrich Meßlinger. „Kleinhöhlenbrüter können darin brüten, Eidechsen sich verstecken, ihre Eier ablegen und ihr Winterquartier nehmen. Die Unterkünfte in einer Steinmauer benutzen auch Amphibien und die Larven von Wildbienen. Hummeln bauen ihre Nester, für Schnecken sind sie eine Weidefläche.“

Wo wilde Ecken wild bleiben dürfen, mit Altgras und Stauden, danken es Schwebfliegen und Florfliegen mit der Ablage ihrer Eier. Ein Gestrüpp aus Brombeeren oder Himbeeren lieben Laubfrösche als Kinderstube für die Jungtiere, Vögel als reich gedeckten Küchentisch und Heuschrecken als Wohnzimmer. Die unteren Etagen von Sträuchern mögen Spinnen, Florfliegen und Moosskorpione und die Zwergmaus die Haufen alter Stauden, wenn diese bei der Ernte im Frühling nicht weggeräumt werden.

Wer Wege und Gartenplätze mit Natursteinpflastern und breiten Fugen anlegt, gibt kleinsten Pflanzen, Moosen und Insekten wie den Ameisenlöwen eine Chance. Viel Arbeit sparen sich alle, die erst gar nicht versuchen, ihren Garten mühsam in einen englischen Rasen zu verwandeln, rät Meßlinger zum süßen Nichtstun. „Eine naturnahe Wiese erspart viel Mühe und erfreut mit ihren Blüten nicht nur Gartenbesitzer, Nachbarn und Passanten, sondern auch viele kleine Tierarten.“

Erst recht, wenn ein Teil der Wiese bis ins Folgejahr ungemäht bleibt. „Denn diese Teile werden zur Rettungsinsel für Blumen und vielerlei Getier, das dort Schutz zum Überwintern und zum Ablegen von Eiern findet.“ Lücken in der Wiese sollten nicht eingesät werden, denn ein- und zweijährige Pflanzen brauchen offene Stellen zum Keimen. „Rohe Böden, die nur eine geringe oder keine Humusauflage haben, bieten Larven von Ameisenlöwen und Wildbienen einen Platz.“ Letztere sind auch in Sandhügeln sofort zu Hause, ebenso wie Sandlaufkäfer und Ackerwildkräuter.

In einem naturnahen Garten sollte es regelmäßig feuchte Stellen geben, betont der Biologe. Eine unordentliche Lehmpfütze ist Tränke für Vögel, liefert Lehm für den Nestbau der Schwalben und Baumaterial für die Töpferbienen. Ein Teich wird in kurzer Zeit nicht nur zum Laichplatz für Amphibien, sondern ermöglicht auch Libellen die Fortpflanzung und lockt Wasserkäfer, Wasserschnecken und Wasserwanzen aller Art. Vogeltränken gewinnen in trockenen Zeiten an Bedeutung.

Nistkästen sind auch im Winter gefragt

Meistens ist es für Pflanzen und Tiere besser, wenn die Menschen weniger machen. An einigen Stellen können sie aber gezielt Hand anlegen. Ein Insektenhotel bietet Quartier für Wildbienen, Spinnen und Ohrwürmer. Ulrich Meßlinger verweist auf die Vorteile der Aufteilung. „Mehrere kleine Hotels sind besser als ein großes, denn dann finden Fressfeinde und Parasiten nicht so leicht viel Beute.“

Nistkästen geben Vögeln, Hummeln, Fledermäusen, Bilchen und Schmetterlingen ein Zuhause, ob als Brutplatz, zur Fortpflanzung oder als Winterversteck. Kleinvögel und Ohrwürmer mögen Nisttaschen aus Altgras. Wer alte Körbe oder Blumentöpfe im Garten platziert, ermöglicht zusätzliche Verstecke und Nistplätze. Schilfmatten oder -bündel locken Wildbienen und Spinnen. Eine abwechslungsreich bepflanzte Kräuterspirale, die sich auf Steinstützen nach oben schwingt, wird gern von Eidechsen, Laufkäfern und Kleinschnecken als Versteck und Weidefläche genutzt.

Gefahren für die empfindlichsten Lebewesen lauern in der Nähe von Häusern und Hütten. „Feinmaschige Abdeckungen von Lichtschächten verhindern, dass sie für Kleintiere zu tödlichen Fallen werden. Eine andere Möglichkeit ist es, Lichtschächte und Treppeneingänge höher zu setzen“, sagt der Biologe.

Kompost genügt als einziger Dünger

Für die Pflege durch Menschenhand hat er eine dringende Bitte: „Gedüngt werden sollte nur mit Kompost. Daraus ergibt sich ein geschlossener Stoffkreislauf. Auf abgebauten Torf sollte verzichtet werden, um die Moore zu schützen. Sie sind wichtige Speicher von Kohlendioxid.“ Gespritzte Biozide haben für ihn in einem naturnahen Garten nichts zu suchen. „Sie schädigen in der Regel auch erwünschte Tiere und nehmen diesen die Nahrung. Dadurch wird der Befall zum Beispiel durch Blattläuse nur noch stärker.“

Insektenhotels bieten Unterschlupf für viele Gäste. Um es ihren Feinden nicht zu leicht zu machen, sind mehrere kleine Quartier besser als ein großes.  (Foto: Manfred Blendinger)
Insektenhotels bieten Unterschlupf für viele Gäste. Um es ihren Feinden nicht zu leicht zu machen, sind mehrere kleine Quartier besser als ein großes. (Foto: Manfred Blendinger)
Insektenhotels bieten Unterschlupf für viele Gäste. Um es ihren Feinden nicht zu leicht zu machen, sind mehrere kleine Quartier besser als ein großes. (Foto: Manfred Blendinger)
Wo ein Tümpel ist, ist viel Leben. Libellen, hier zur Eiablage am Boden, gehören zu den spannendsten Fliegern. (Foto: Manfred Blendinger)
Wo ein Tümpel ist, ist viel Leben. Libellen, hier zur Eiablage am Boden, gehören zu den spannendsten Fliegern. (Foto: Manfred Blendinger)
Wo ein Tümpel ist, ist viel Leben. Libellen, hier zur Eiablage am Boden, gehören zu den spannendsten Fliegern. (Foto: Manfred Blendinger)
Die Gemeine Feldschwebfliege gehört im Sommer zu den häufigen Besuchern in Gärten mit blühenden Pflanzen. (Foto: Ulrich Meßlinger)
Die Gemeine Feldschwebfliege gehört im Sommer zu den häufigen Besuchern in Gärten mit blühenden Pflanzen. (Foto: Ulrich Meßlinger)
Die Gemeine Feldschwebfliege gehört im Sommer zu den häufigen Besuchern in Gärten mit blühenden Pflanzen. (Foto: Ulrich Meßlinger)
Die Kunst einer Radnetzspinne ist im Morgentau am besten zu sehen.  (Foto: Ulrich Meßlinger)
Die Kunst einer Radnetzspinne ist im Morgentau am besten zu sehen. (Foto: Ulrich Meßlinger)
Die Kunst einer Radnetzspinne ist im Morgentau am besten zu sehen. (Foto: Ulrich Meßlinger)
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