Margit Bardenbacher geht es wieder gut. „Ich hatte riesiges Glück“, sagt die Dagenbacherin, die an Krebs erkrankt war. „Ich hatte die Variante, die gut behandelbar war und kam sogar um die OP herum.“ Dabei hatte es vorher gar nicht gut ausgesehen. Mit Chemo bekam man den Tumor in den Griff. Mit einem Dorffest wollte sie viele an ihrem Glück teilhaben lassen.
Das tat sie auch. „Viele nehmen sich vor, zu feiern, wenn sie wieder gesund sind, machen es aber dann doch nicht“, erklärt Margit Bardenbacher. „Ich bin dankbar, dass ich es geschafft habe.“ Die Hoffnung gab die 61-Jährige trotz der anfänglich schlechten Diagnose nie auf. „Ich darf mich nicht hängen lassen“, sagte sie sich immer wieder. Sie wollte schließlich ihren schwerkranken Mann, der an ALS leidet (einer fortschreitenden, nicht heilbaren Erkrankung der Bewegungsneuronen, die zu Muskellähmung führt), nicht allein lassen.
Viele Jahre pflegte sie ihn selbst. Inzwischen ist das nicht mehr möglich. Ihr Mann Erwin bedarf der häuslichen Intensivpflege – und zwar rund um die Uhr. Dies leistet ein sechsköpfiges Team. Stark sein wollte sie auch für ihre vier Kinder nebst Partner sowie ihre Enkelin.
Als sie ihrer Schwester Rita Zeller von ihrer Idee erzählte, ein „buntes Dorfspektakel“ auf die Beine zu stellen, bestärkte sie diese. „Rita war die treibende Kraft“, erzählte Margit Bardenbacher schmunzelnd. Die in Rüdern, einem Gemeindeteil des Marktes Dietenhofen, lebende Künstlerin und Dekorateurin legte sich mächtig ins Zeug. Sie hatte viele Ideen, die sich auf dem Gelände des ehemaligen Bauerhofs prima umsetzen lassen würden. „Bei uns ist es wie in Bullerbü“, schwärmen die beiden Frauen.
Wie idyllisch es ist, kann jeder sehen, der das Grundstück im kleinen Dorf Dagenbach besucht. Vieles erinnert an den in den Büchern von Astrid Lindgren beschriebenen Ort. Es ist heimelig. Auf der Fensterbank fast jeden Gebäudes finden sich hübsche Deko-Elemente. An der alten Scheune und rund ums Haus stößt man darüber hinaus auf viele künstlerische Hingucker und massenhaft Blumen. Schon praktisch, wenn die eigene Schwester Künstlerin und Dekorateurin ist.
Margit Bardenbacher ist immer noch hellauf begeistert und gerührt, wenn sie an das Fest denkt. Nie hätte sie gedacht, dass so viele Helferinnen und Helfer, unter ihnen auch Bürgermeister Werner Wirth, sich für die Feier engagieren. Der Reinerlös von rund 8800 Euro kommt gemeinnützigen Organisationen zugute.
Künstler aus der Region etwa aus Ansbach, Erlangen und Oberasbach, zu denen Rita Zeller einen guten Draht hat, stellten Bilder in der Scheune aus. Albrecht Engelhardt, ein Künstler aus Langenzenn, ließ eines seiner Werke versteigern und spendete den Erlös. Holzkünstler, Töpfer und Steinemaler kamen ebenfalls. „Es gab auch einen Flohmarkt“, erzählt Bardenbacher.
Die Tombola war reich bestückt, unter anderem gab es eine von ihrem Sohn, der Zimmermann ist, selbst gefertigte Bank zu gewinnen. Diese wartet noch darauf, vom neuen Eigentümer abgeholt zu werden. Dafür ist ein Transporter notwendig und starke Helfer, ist sie doch mächtig schwer.
Wegen der benötigten Kuchen mussten sich die Schwestern keine Sorgen machen. 35 Exemplare buken die Freiwilligen. Wie die Kuchen, fanden auch die rund 700 Bratwürste rasch ihre Abnehmer. Bezahlen musste keiner etwas, sondern es wurde um Spenden gebeten. Rund 700 Gäste kamen, darunter zahlreiche Leute aus Kirchfarrnbach, wo die 61-Jährige arbeitet. „So ein Fest hat Dagenbach noch nicht gesehen“, schwärmt Bardenbacher. Sie nutzte gleich die Gelegenheit, ihren 60. Geburtstag nachzufeiern. Wegen ihrer Chemotherapie hatte es seinerzeit kein Fest gegeben, dafür fiel es nun umso größer aus.
Musikalisch war ebenfalls einiges geboten. Der Gospelchor aus Trautskirchen, in dem Bardenbacher seit 26 Jahren aktiv ist, sang. Der Gitarrist und Komponist Stefan Sell gab ebenso Proben seines Könnens wie Stephan Dohrer mit seinem Dudelsack. „Es war ein Traum“, resümiert die 61-Jährige begeistert und krault dabei liebevoll ihren Hund Henry, während die sechs Katzen im Schatten dösen.
Überwältigend – so beschreibt sie die Spendenbereitschaft der Besucherinnen und Besucher. Immerhin beträgt der Reinerlös 8712 Euro. Zugutekommt er je zur Hälfte der ambulanten Palliativstation in Ansbach und dem Elternverein Kinderkrebshilfe Erlangen. So können auch diese Organisationen an ihrem persönlichen Glück teilhaben.