2017 war die Tür der Kirchfarrnbacher Dorfkneipe am westlichen Ortsrand geschlossen worden. Denn der alte Wirt mochte nicht mehr. „Seither war die Kneipe geschlossen. Zwei Jahre später starb Onkel Hans“, wie Sabine und Stephan Emmert den Vorbesitzer nennen, einen alten Junggesellen, für den die Gaststätte Lebenselixier war. Jetzt aber wird das alte Haus neu belebt.
Irgendwann im Sommer 2022 hatten die beiden die spontane Idee – und die ging ihnen nicht mehr aus dem Kopf: „Eigentlich ist es schade, dass nichts mehr da ist.“ Zumal das Gebäude an der Straße Richtung Kreben ja auch nicht besser werden würde, wenn es leer steht. Doch tatsächlich lag schon einiges im Argen, gerade in der Gaststube. Die Bodendielen wiesen teilweise große Löcher auf. Die Wände, Decken, Vorhänge: alles durch den Zigarettenqualm über die Jahrzehnte verrußt. Doch die beiden wollten die Kneipe wieder in den Zustand versetzen, wie sie einst ausgesehen hatte.
„Seit August 2022 waren wir meist vier Tage die Woche aktiv“, schildert Sabine Emmert die Abend-Arbeit der vergangenen Monate. Denn tagsüber waren die Emmerts in ihrer Landmetzgerei beschäftigt, direkt auf der anderen Straßenseite.
Neben ihrem Mann waren auch ihr Vater und oft eine Freundin mit am Werk: Sie schrubbten die Wände, bemalten sie neu in einer Tönung, die dem alten Zustand sehr nahe kommt. Die Dielenlöcher wurden mit einem Gemisch aus Leim und Holzspänen geschlossen, die Bretter danach ebenfalls wieder in Braun neu lackiert. An der Rückwand der Gaststätte hängen nun Repliken alter Fotos aus dem Dorf, die Nachbarn in ihren Archiven gefunden haben.
Auch eine Pendeluhr tickt dort vor sich hin. Hinter dem Tresen sind Stammkrüge aufgereiht – mit eingravierten Besitzernamen. „Einige von ihnen leben noch“, weiß Stephan Emmert. Dass Dorfbewohner immer wieder die Köpfe reinsteckten, wenn die Tür während der Renovierung offen stand, ließ das Ehepaar sicherer werden: Das Interesse an der alten neuen Dorfkneipe ist groß. Denn früher gab es sogar drei davon; heute existiert nur noch die „Linde“, mit einem großen Saal, den die Landjugend für Theaterabend nutzt – aber sonst mit kurzen Öffnungszeiten.
Der „Linde“ will die „Quelle“ übrigens keine Konkurrenz machen: „Wir haben unsere Zeiten mit denen abgestimmt“, sagen die Emmerts. Montag- und Freitagabend sowie Samstag wollen sie tagsüber das Lokal öffnen. Erstmals der Fall sein soll dies am 24. April, wenn Osterfeierlichkeiten und die Konfirmation im Ortsteil vorbei sind. Zu anderen Zeiten kann die Gaststube gemietet werden, verrät Sabine Emmert: „Für Privatfeiern oder Firmen-Events. Die Getränke müssen von uns genommen, das Essen muss aber selbst besorgt werden“ – zum Beispiel von einem Catering-Service.
Bei der eigenen Bewirtschaftung setzen die beiden auf Selbstbedienung. Es gibt offiziell nur Getränke aus Flaschen, weil die Zapfanlage schwer sauberzuhalten wäre. Einen ersten Testlauf haben die Emmerts bereits hinter sich: Am Faschingssamstag hatten sie Freunde, Gemeinderat, Vereinsvorstände und Landjugend eingeladen, aber auch die früheren Stammtischbrüder. Jung und Alt eben – wie es sich für eine Dorfkneipe gehört. Die Stimmung soll prächtig gewesen sein.
Das könnte unter anderem auch an der Original-Musikbox gelegen haben, die an der Wand hängt. Die Original-45er-Schallplatten sind immer noch drin mit den Liedern von damals. Heute spielt sie die sogar ohne Einwurf von Zehn-Pfennig-Münzen.