Kita-Umbau sorgt in Lichtenau für Verdruss: „Ich habe Bauchweh, das zu hören” | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 06.03.2026 11:02

Kita-Umbau sorgt in Lichtenau für Verdruss: „Ich habe Bauchweh, das zu hören”

Wie es mit der Kita Bergzwerge weitergeht, war Thema im Lichtenauer Gemeinderat. (Foto: Andrea Walke)
Wie es mit der Kita Bergzwerge weitergeht, war Thema im Lichtenauer Gemeinderat. (Foto: Andrea Walke)
Wie es mit der Kita Bergzwerge weitergeht, war Thema im Lichtenauer Gemeinderat. (Foto: Andrea Walke)

Ein Bote mit schlechten Nachrichten hat selten einen guten Stand. Das musste auch Architekt Klaus Gerbing in der Gemeinderatssitzung in Lichtenau erfahren. Die geänderten Entwürfe für die Baumaßnahmen in und an der Kita Bergzwerge in der Bergstraße stießen nicht auf Begeisterung. Knapp sechs Millionen Euro soll das Projekt kosten.

Der Bedarf erfordert, in der Einrichtung 18 Krippen- und 59 Kindergartenplätze anzubieten. Laut der aktuellen Variante – inzwischen die achte – sollen der bestehende Kindergarten erweitert und das angrenzende alte Wohnheim abgebrochen werden, da dieser Teil „erhebliche bauliche Mängel” aufweist, wie es heißt.

Die Kleinsten kommen ins Erdgeschoss

Beim bestehenden Kindergartengebäude aus dem Jahr 1990 machen sich ebenfalls „bauliche, technische und funktionale Defizite” bemerkbar. Unter anderem entspricht die Gebäudehülle nicht den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes, die alten Holzfenster sind in schlechtem Zustand, die Dachdämmung ist teilweise herabgefallen, die sanitären Anlagen sind nicht voll funktionsfähig, und die Heizungsanlage muss erneuert werden.

Berücksichtigt werden im aktuellsten Entwurf außerdem sicherheitsrelevante Aspekte. So sollen die Krippenkinder – entgegen der ursprünglichen Planung – nicht im Ober-, sondern im Erdgeschoss untergebracht werden, um sie beispielsweise bei einem Brand schnell aus der Gefahrenzone bringen zu können, ohne Treppen nutzen zu müssen.

Die Zeit drängt, da wegen der Baumängel für die Kita nur noch eine befristete Betriebserlaubnis bis zum 31. August erteilt wurde. Erweiterung und Umbau kosten – Stand jetzt – insgesamt 5,36 Millionen Euro. Abzüglich der erwarteten Förderung verbleibt für den Markt Lichtenau ein Eigenanteil von rund 2,7 Millionen Euro.

Gruppen müssen während des Umbaus wohl ausziehen

Ein Umbau im laufenden Betrieb sei „aus fachlicher, pädagogischer und sicherheitsrechtlicher Sicht äußerst kritisch zu bewerten”, wie in Gesprächen mit dem BRK als Betreiber und der Kindergartenaufsicht deutlich wurde. Deshalb werde empfohlen, während der Bauphase alle Gruppen auszulagern, erläuterte Architekt Gerbing. Eine befristete Betriebserlaubnis stehe für die Betreuung im Altbau der Grundschule in Aussicht.

Leider reicht der Platz dort nicht ganz aus und der Nassbereich (Toiletten, Waschbecken) entspricht nicht den Vorgaben einer Kita. Ein extra Umbau wäre unverhältnismäßig teuer, deshalb sollen Container angemietet werden, so der Vorschlag. Dafür fallen nach Schätzung des Planers weitere rund 360.000 Euro an. Ein Kauf würde sich erst ab einer Nutzungsdauer von drei Jahren rentieren, stellte er fest. Dem steht allerdings entgegen, dass das Gesetz zusätzliche Wärmemaßnahmen vorschreibt, wenn Container länger als zwei Jahre in Gebrauch sind.

Verärgert über die Projektentwicklung

„Ich bin nicht bloß erstaunt über die Entwicklung des Projekts, sondern verärgert”, machte UWG-Gemeinderat Roland Treiber deutlich. „Jetzt sind wir bei der Variante acht. Wir sind nicht nur bei einem Anbau, sondern bei einer Generalsanierung.” Beschlossen habe man das Projekt unter der Voraussetzung, dass es im laufenden Betrieb umgesetzt werde. Container hätten nicht zur Diskussion gestanden. „Das sind Kosten, die so nicht eingeplant waren.“ Besonders störe ihn, dass die Beteiligten dies einfach entschieden haben und der Gemeinderat die Kosten abnicken soll.

Bürgermeister Markus Nehmer (SPD) entgegnete, dass eine komplette Sanierung des 90er-Jahre-Baus sinnvoll sei, weil Fenster, Dämmung und Weiteres sonst innerhalb der nächsten Jahre einzeln saniert werden müssten. Eine Dauerbaustelle über vier bis fünf Jahre mit vielen kleinen Maßnahmen wolle er gern verhindern, so der Rathauschef. Hinter einer Generalsanierung stehe der Gedanke, dass „wir die nächsten 20, bestenfalls 25 Jahre Ruhe haben”.

Vorbehalte gegen Sanierung im Bestand

Roland Treiber betonte, dass es ihm um die Reihenfolge der Bauphasen gehe, die ursprünglich anders geplant gewesen sei: Neubau errichten, Kinder umziehen, Altbau sanieren. „Bei einer Generalsanierung muss ich das ganze Gebäude angreifen, das kann ich nicht im Bestand”, erwiderte Architekt Gerbing.

Die Kinder hätten keine Bewegungs- und Rückzugsflächen zur Verfügung, und es gäbe auch keine Leitungszimmer. Hinzu kämen Sicherheits- und Gesundheitsrisiken durch den Baustellenverkehr sowie Einschränkungen von Flucht- und Rettungswegen. Außerdem wären Kinder und Personal dauerhaft mit Lärm belastet. „Ich habe schon öfter Kindergärten im Bestand gebaut, aber es wird immer schwieriger“, stellte er fest. „Zum Teil werden die Handwerker von den Eltern angegangen.”

Eine Entscheidung unter Zeitdruck

„Ich zweifle nicht die Richtigkeit an”, sagte Manfred Eschenbacher (Grüne) in Bezug auf Klaus Gerbings Ausführungen. Er bemängelte jedoch den nun herrschenden Zeitdruck. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir einbezogen worden wären.“ Auch Erwin Czech (UWG) kritisierte, dass Zwischenschritte bei der Planung nicht vorgestellt worden waren. „Jetzt kriegen wir eine Präsentation mit knapp sechs Millionen Euro, gleichzeitig mit doppeltem Zeitdruck, sodass wir keine Möglichkeit haben, es abzulehnen.” Stellvertretender Bürgermeister Friedrich Bauer (UWG) sagte: „Ich habe wirklich Bauchweh, die Zahlen zu hören und heute sechs Millionen auszugeben.“

Rathauschef Markus Nehmer gab zu bedenken, dass man mit einer Sanierung immer noch günstiger fährt als mit einem Neubau auf der grünen Wiese. Er schlug vor, den Beschluss auf die nächste Sitzung zu schieben. Eschenbacher entgegnete, dies sei aus seiner Sicht nur dann sinnvoll, „wenn wir Alternativen diskutieren können”. Die sehe er aktuell nicht. Dem schloss sich Erwin Czech an.

Letztlich votierten die Räte bei einer Gegenstimme für die Durchführung der Baumaßnahmen sowie die Interimslösung mit der zwischenzeitlichen Unterbringung der Kinder in der Grundschule. Das Zähneknirschen war beinahe zu hören.


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
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