Für die PDC Pro Tour krempelt Dartspieler Marvin Kraft aus Bad Windsheim alles um | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 27.01.2026 10:09

Für die PDC Pro Tour krempelt Dartspieler Marvin Kraft aus Bad Windsheim alles um

Der Bad Windsheimer Marvin Kraft spielt ab Februar auf der PDC Pro Tour. (Foto: Martin Rügner)
Der Bad Windsheimer Marvin Kraft spielt ab Februar auf der PDC Pro Tour. (Foto: Martin Rügner)
Der Bad Windsheimer Marvin Kraft spielt ab Februar auf der PDC Pro Tour. (Foto: Martin Rügner)

Wenn plötzlich ein Traum in Erfüllung geht, kann das Menschen überfordern. So wie vielleicht bei Marvin Kraft. Der 25-Jährige aus Bad Windsheim ist nach einem Überraschungserfolg plötzlich Inhaber einer Startberechtigung für die Profi-Tour des Dart-Weltverbandes PDC – und muss sein Leben umkrempeln.

Eigentlich wollte er vor wenigen Tagen bei dem großen Turnier in Kalkar (Nordrhein-Westfalen) nur das Hauptfeld erreichen, um weitere Erfahrung auf großer Bühne zu sammeln. Bei Nachwuchsturnieren der Professional Darts Corporation (PDC) war er 2023 und 2024 schon mal dabei. Aber Kalkar war ein anderes Level.

Daniel Klose hatte viel Pech, Kraft hatte das nötige Glück

Hunderte Dartspieler hatten sich versammelt, um eine der letzten, gut zwei Handvoll Tour Cards zu gewinnen. Darunter WM-Teilnehmer und auch Daniel Klose aus Flachslanden, der sogar als Favorit galt, sich zum zweiten Mal nach 2023 eine Card zu holen.

Doch während Klose viel Pech hatte, lief es beim Bad Windsheimer plötzlich. Er sammelte an vier Tagen genug Siege, um am Ende in der Rangliste vorne dabei zu sein. „Ich hatte das nötige Glück. Es hat einfach alles zusammengepasst. Das war meine Woche.”

150.000 Pfund Preisgeld pro Turnier

Immer genau 128 Menschen halten so eine Tour Card. Sie gilt zwei Jahre und berechtigt zur Teilnahme bei dutzenden Turnieren in England und Europa, bei denen sich gutes Geld verdienen lässt. Von Februar bis November läuft die Tour. Kraft darf alleine bei 34 Turnieren der Players Championship mitspielen, jeweils dotiert mit 150.000 Pfund. Dazu European Tour, Majors und so weiter.

„Jeder Spieler träumt davon, mal zwei Jahre das Profileben zu leben”, sagt Kraft. Der 25-Jährige, der irgendwann mal im Bistro La Bamba in der Bad Windsheimer Altstadt bei dem Dartverein angefangen hat, den sein Vater Matthias seit den 1990er-Jahren mitprägt, gehört nun dazu. Für einen Profi hält er sich aber längst nicht. Denn es gibt ein großes Aber.

Nur wer gewinnt, der verdient auch Geld

„Bei den Turnieren gibt es kein Antrittsgeld. Du kannst deshalb nicht einfach alles wegschmeißen”, sagt Kraft. Innerhalb von zwei, drei Wochen strukturiert er sein Leben neu, denn er will möglichst alle Turniere spielen. Dafür reduziert der Vertriebler seine Wochenstunden und geht künftig seinem Job nach, wenn er keine Pfeile werfen muss.

Das klingt nach Stress, zumal die finanzielle Komponente nicht zu unterschätzen ist: Reisen kostet Geld. Und nur wer bei den Turnieren die erste Runde übersteht, bekommt eine Prämie. „Im Endeffekt musst du immer ein Match gewinnen. Das kann zur Belastung werden. Es gibt genügend Spieler, die ihre Tourkarte schon nach einem Jahr wieder abgeben, weil sie es nicht stemmen können.”

Früher Fußballplatz, heute Dart-Bundesliga

Der Aufsteiger, der früher vor allem für den FSV Bad Windsheim auf dem Fußballplatz stand und mittlerweile Führungsspieler des DC La Bamba in der Dart-Bundesliga ist, will da nicht dazugehören. „Es werden auf jeden Fall zwei teure Jahre. Ich suche noch Sponsoren. Ich hoffe, dass so ein Großteil der Kosten gedeckt ist.”

Er hat sich hierfür Unterstützung von alten Weggefährten seines Heimatvereins gesucht, doch es hat sich schnell herumgesprochen, auf welchem Level Kraft künftig Dart spielt. „Seit dem Turnier kommen ständig Anfragen rein. Da kommen Angebote von Managementagenturen, die sonst lauter Fußballer unter Vertrag haben. Das sind Sachen, damit habe ich gar nicht gerechnet”, erzählt er.

Keine Vergleiche mit Luke Littler oder Gerwyn Price

Trotzdem, wie ein Profi fühle er sich nicht. „Eher wie ein Nachwuchsspieler, der mal ein bisschen reinschnuppern darf.” Mit Stars wie Luke Littler oder Gerwyn Price will er sich nicht vergleichen. Aber er will sich weiter verbessern und den Weg weitergehen, den er erst im August 2025 eingeschlagen hat.

Damals nämlich habe er sich von Dominik Grüllich (Wolnzach), WM-Teilnehmer 2026, seinen ersten richtigen Trainingsplan geben lassen. Das war zu einer Zeit, als er gerade dabei war, ein mentales Loch zu überwinden, in das er irgendwann 2024 gefallen war. „Vorher habe ich eigentlich nie richtig trainiert”, sagt Kraft.

Tägliches Training, um Automatismen zu verbessern

Mittlerweile übt er jeden Tag eineinhalb bis zwei Stunden verschiedene Aspekte nach Plan, um seine Automatismen zu verbessern. „Das ist wie Passstaffetten oder Laufwege einstudieren im Fußball.” Zusätzlich trägt er über ein Online-Tool Matches gegen Freunde aus, um den Wettkampfdruck zu simulieren.

Dadurch habe er sich tatsächlich sehr verbessert und wieder richtig Lust am Dartsport bekommen. Der überraschende Erfolg von Kalkar, der bei seinen Dartkumpels Freude und Kopfschütteln gleichermaßen ausgelöst hat, wie Kraft erzählt, kommt also nicht von ungefähr.

Pro Tour beginnt mit Players Championship in Hildesheim

Am 9. Februar startet die Pro Tour 2026 mit der ersten Players Championship in Hildesheim. Das ist für den Newcomer nach ein paar hektischen Wochen ein sanfter Einstieg, denn seine Reisekosten sind vergleichsweise gering, ehe es hauptsächlich nach England geht. Und in Hildesheim hat er auch schon viele Turniere gespielt.

Nach seinen Erwartungen für seine ersten Tour-Schritte gefragt, sagt Marvin Kraft: „Ich weiß überhaupt nicht, wo ich mich da hinstecken soll.” Aber er ist sehr stolz, dass er dabei sein darf. Das spürt man. Dann ergänzt er: „Aber die WM ist noch was – das ist der Traum, den ich noch habe. Die WM setze ich mir einfach mal als nächstes Ziel.”

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