Für Schauspieler Ulrich Westermann ist Feuchtwangen zur zweiten Heimat geworden | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.08.2025 13:00

Für Schauspieler Ulrich Westermann ist Feuchtwangen zur zweiten Heimat geworden

Schauspieler Ulrich Westermann absolviert seine 20. Kreugang-Spielzeit – in Folge.  (Foto: Jasmin Kiendl)
Schauspieler Ulrich Westermann absolviert seine 20. Kreugang-Spielzeit – in Folge. (Foto: Jasmin Kiendl)
Schauspieler Ulrich Westermann absolviert seine 20. Kreugang-Spielzeit – in Folge. (Foto: Jasmin Kiendl)

Ulrich Westermann fängt an, zu zählen. Er kommt auf rund 40. In so vielen Stücken war er bereits auf der Bühne im romanischen Geviert in Feuchtwangen zu sehen. Seit 2006 gehört er zum Ensemble der Kreuzgangspiele. Diese Saison ist seine 20. – in Folge.

An seine ersten beiden Rollen in Feuchtwangen kann sich der heute 57-Jährige noch gut erinnern: den Fjosok, ein Mitglied der Mattis-Bande, in „Ronja Räubertochter“ und den Dorfpolizisten Adam im „Schinderhannes“ unter der Regie von Johannes Reitmeier, dem damaligen Intendanten.

Reitmeier und er arbeiteten gut zusammen, konnten gut miteinander, erzählt Westermann. So sei schnell klar gewesen: „Das Ding geht 2007 weiter.“ 2008 inszenierte dann Johannes Kaetzler, der 2009 die Intendanz übernahm, das erste Mal im Kreuzgang – die Shakespeare-Komödie „Wie es euch gefällt“. Westermann spielte darin den Oliver. Schon vor Ende der Spielzeit hätten Kaetzler und er sich „gegenseitig das Interesse bekundet, weiter zusammenarbeiten zu wollen“.

Gemeinsame Sprache entwickelt

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Inzwischen habe sich eine gemeinsame Sprache, ein Vertrauen entwickelt, erklärt der 57-Jährige. Und es gebe „ein unausgesprochenes Einverständnis“ zwischen ihnen. Denn Kaetzler habe ein Händchen, einen Riecher dafür, welche Rollen, die nicht Hauptrollen sind, er als Regisseur mit ihm besetzt und was er dadurch gewinnt, sagt Westermann.

Natürlich strebe er im Inneren seines Herzens danach, große Rollen zu spielen, bekennt der gebürtige Heidelberger ganz offen. Doch aus seiner Sicht gehört es zu seinen Talenten, vielleicht nicht so prominente Rollen durch Facetten und Nuancen, die er reinbringt, in ihrer Präsenz zu heben.

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Ein kleiner Ritterschlag

Welche Kreuzgang-Rollen ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind? „Eine ganze Latte“, antwortet Ulrich Westermann. Unter anderem nennt er König Ludwig XIII. in den „Drei Musketieren“ (2010) oder den Renfield in „Dracula“ (2021), für den er mit dem Kreuzgangpreis der Fränkischen Landeszeitung ausgezeichnet wurde. Gerne gespielt hat er auch den Mercutio in „Romeo und Julia“ (2016), obwohl er selbst der Meinung ist, dass er die Rolle „nicht gewuppt“ hat.

Als „eine Art kleiner Ritterschlag“ empfindet Westermann in diesem Jahr die Besetzung als Lady Catherine de Bourgh in Kaetzlers Inszenierung von „Stolz und Vorurteil“ samt imposanter Robe. Letztere hat Gewicht. Das ist ihm recht. Er mag Kostüme, durch die er „Tendenz zur Erde bekommt“, durch die „die körperliche Befindlichkeit anderes justiert wird“. Gerne hat er auch Schuhe, die „klingen“. Die mehreren kleineren Rollen in „Sherlock Holmes – ein Skandal“ wecken seinen persönlichen Ehrgeiz. Etwa der Kutscher, den er als Wesen zwischen Mensch und Pferd darstellt. Regisseur Lennart Matthiesen sei da offen für Ideen gewesen. Dann „gehen Fensterchen und Türchen auf“.

Plattform für besondere Projekte

Auf das Einverständnis zwischen Kaetzler und ihm führt Westermann zurück, dass der Intendant ihm in den vergangenen Jahren eine Plattform für besondere Projekte gab – die Monologe „Die Nacht kurz vor den Wäldern“ von Bernard-Marie Koltès und Lot Vekemans’ „Judas“, die Performance „Zersetzung“ zusammen mit Alexander Ourth.

Gemeinsam mit Korrepetitor Bernd Meyer richtet Westermann seit 2019 die Mitternachtsshow ein, die inzwischen sowohl beim Ensemble als auch beim Publikum Kultcharakter genießt. Er lege ein Augenmerk darauf, dass seinen Schauspielkolleginnen und -kollegen bewusst werde, was sie erzählen, wenn sie ein Lied singen. Da zeigt sich aus seiner Sicht, dass er „ein Mitnehmer“ ist, dem es im Idealfall gelinge, eine Energie auszustrahlen, die andere wahrnehmen, beflügele, befördere und einen Funken zünde.

Spazieren gehen und Karpfen beobachten

Dass er in Mannheim, wo er 2005 hingezogen ist, wegen seines Kreuzgang-Engagements noch keinen einzigen Sommer verbracht hat, bedauert der 57-Jährige keineswegs. Zumal es dort klimatisch im Sommer „nicht auszuhalten ist“ – im Gegensatz zu Feuchtwangen. Die Stadt an der Sulzach ist ihm zu einer zweiten Heimat geworden. Ulrich Westermann fühlt sich wohl und willkommen. Er erzählt von „angenehmen Gesprächen“ und „schönen Begegnungen“. Und er verrät seine Lieblingsspazierroute. Diese führt zum Kaltenbronner Weiher. Retour geht es über den Mosbacher Weg. Einen Stopp legt er gerne am Domizil des Fischereivereins Feuchtwangen ein, um im Lohweiher nach Karpfen Ausschau zu halten. „Ich liebe es, Karpfen zu beobachten“, bekennt er.

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