Anstoß spät am Abend? Glück für Fußball-Fans, die spät nach Hause kommen und sich dann die Deutschlandspiele anschauen möchten. Denn die drei Gruppenspiele werden alle erst spät angepfiffen. Doch bei manchen fängt die Schicht da gerade erst an. Verpasst man das Spiel dann definitiv, oder darf es am Arbeitsplatz mitverfolgt werden?
„Einen Anspruch darauf, die WM-Spiele am Arbeitsplatz zu schauen, haben Arbeitnehmer grundsätzlich nicht“, sagt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Wer also ein Fußballspiel ohne die explizite Erlaubnis des Arbeitgebers im Livestream schaut, riskiert eine Abmahnung oder im Wiederholungsfall sogar eine Kündigung.
Wie ein Fußballspiel mitverfolgt wird, kann großen Einfluss auf die möglichen Konsequenzen haben. So gelten Fernsehübertragungen und Livestreams als besonders problematisch, da sie die Konzentration der Arbeitnehmer stark beeinträchtigen. Das Schauen des Spiels gilt selbst mit Erlaubnis des Arbeitgebers als privates Freizeitvergnügen, so Görzel. Diese Zeit muss dann grundsätzlich nachgearbeitet werden. Auch das Mitverfolgen eines Live-Tickers gilt als Ablenkung und kann untersagt werden.
Vergleichsweise großzügiger sind da allerdings die Regeln bei einer Radioübertragung, erklärt der Fachanwalt. Denn solange niemand durch die Übertragung gestört wird und die Arbeitsaufgaben weiterhin konzentriert, zügig und fehlerfrei erledigt werden, ist das Radiohören generell erlaubt.
Der Arbeitgeber kann das zwar auch verbieten, muss hier allerdings das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats beachten – ohne dessen Zustimmung ist das ausgesprochene Verbot unwirksam.
Generell findet der Anpfiff der meisten WM-Spiele aufgrund der Zeitverschiebung dieses Jahr für uns zu später Stunde statt – zwei Drittel aller Spiele beginnen in deutscher Zeit erst nach Mitternacht. Wachbleiben kann da für Arbeitnehmer, die früh rausmüssen, schnell zum Problem werden.
Die WM-Spiele beeinflussen auch die Entscheidung aus dem Homeoffice zu arbeiten oder ins Büro zu fahren. So plant laut der Umfrage mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) mit Homeoffice-Option am Folgetag eines Spiels der DFB-Mannschaft von zu Hause aus zu arbeiten. Unter den Fußballfans sind das sogar etwa 36 Prozent.
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