Der 43. Heimatbrief ist erschienen, es ist der 22. unter der Regie von Gerhard Wagner. Er enthält wieder viel Interessantes aus der Vergangenheit und der Gegenwart.
Für Robert Zöllner, Hauptautor des diesjährigen Heimatbriefes, ist diese Mischung aus Geschichte und „aktuellster Gegenwart“ ein besonderes Markenzeichen des Markt Erlbacher Heimatbriefs, der sich im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Heft auswuchs. Mit der Ortschronik, die seit vielen Jahren Rainer Fritsch betreut, kann man das vergangene Jahr noch einmal erleben – und hat ein wertvolles Archiv für die Zukunft. Wagner: „Wenn dann zum Beispiel die Gemeinde nachfragt, wann der erste Weihnachtsmarkt war, wird man hier fündig.“ Vorsitzender Reiner Leinsle sorgt dafür, dass auch der Heimatverein selbst dabei nicht vergessen wird.
Ganz aktuell ist der Artikel über den Naturlehrpfad und der Märchenwald Markt Elfbach. Auch Auszüge aus dem Theaterstück von Christel Fleischmann – gleichzeitig Lektorin des Briefs – über die Geschichte der Eisenbahn wurden aufgenommen. Von trauriger Aktualität ist der Nachruf Robert Zöllners auf Klaus Deutschländer und dessen Holztafeln, die die Geschichte in der Flur gegenwärtig machen. Die Aktualität ist nur möglich, weil Wagner den Brief auch selbst setzt.
Besonders legt dieser der Leserschaft den Artikel von Horst Ebersberger über 75 Jahre Kleingartenverein „Friede“ ans Herz: Der zeigt den einst hohen Stellenwert der Gärten für die Selbstversorgung. Nachts wurden extra Wächter aufgestellt, damit keine ungebetenen Erntehelfer tätig wurden. Eine Veränderung der Nachfrage nach den Parzellen gab es jüngst wieder: Ein Nachfrageboom während der Lockdowns flachte jedoch schon wieder ab.
Geschichte in Geschichten erzählt auch Ralf Rossmeisl: Im Juni 2022 kam Risa McDonell mit ihrer Familie aus Chicago nach Markt Erlbach. Erst als junge Erwachsene hatte sie von ihren jüdischen Wurzeln erfahren und nicht geruht, bis sie ihre Urgroßmutter Lisette Stein in Markt Erlbach ausfindig gemacht hatte.
Die Ausflüge in die weitere Vergangenheit hat allesamt Robert Zöllner unternommen – der auch bei professionellen Historikern hoch angesehene Mettelauracher. Wie es der Zufall will, befassen sich gleich zwei davon mit Bier. Da geht es um die Markt Erlbacher Felsenkeller, die bis heute dem Kegelclub ihren Namen geben, und um den Losauracher Bierstreit, der ein Schlaglicht auf die zersplitterten Herrschaftsverhältnisse früherer Zeiten wirft.
In Abwandlung des Spruchs „Wes Brot ich es, des Lied ich sing“, legten die Herren nämlich damals Wert darauf, dass ihre Untertanen ihr Bier tranken. Deshalb schmeckte es dem Rittergut Herrnneuses als größter Herrschaft in dem kleinen Dorf gar nicht, dass der Markt Erlbacher Pfarrer den Bewohnern seines Lehens das Schankrecht erteilte – und dabei über das Herrnneuseser Bier lästerte. Der Amtmann zettelte gar einen Diebeszug in den Bierkeller an.
Die Mitglieder des Heimatvereins bekommen den Brief zugesandt. Alle anderen Interessierren können ihn bei Schreibwaren Meier und Blumen-Schaudi beziehen.