In der Burghaslacher Kinderkrippe war vor Monaten ein großer Wasserschaden festgestellt worden. Einiges musste rausgerissen werden, im Anschluss liefen die Trocknungsgeräte im Dauerbetrieb. Jetzt ist der Estrich wieder getrocknet, doch es gibt ein neues Problem: Bei den Gutachterarbeiten wurden „gravierende Baumängel” festgestellt.
Konkret geht es um eine „mangelhafte Bauwerksabdichtung”, wie Gemeinderat und Bauunternehmer Christian Hofmann (BfMB/NBB) in der Burghaslacher Ratssitzung am Montagabend erläuterte. Die Krippe habe eine Betonbodenplatte, darauf wurden Schweißbahnen als Dampfsperre aufgebracht. Diese seien damals bei den Bauarbeiten zum Neubau eingebracht worden, also vor über fünf Jahren. Ebenso wie die Anschlüsse.
Stein des jetzigen Anstoßes: Die Ausführung ist laut Hofmann fehlerhaft und alles andere als fachgerecht. Das sei bei der Bodenöffnung im Zuge des Wasserschadens deutlich sichtbar geworden. Er fürchtet deshalb, dass der Wasserdampf auf Dauer zu unvorhergesehenen Probleme führen könnte, beispielsweise zu Schimmelbildung. Damit mögliche Folgeschäden nicht auf die Gemeinde zurückfallen, beantragte Hofmann die Beauftragung eines unabhängigen Sachverständigen.
„Ich gebe dir in einigen Bereichen recht”, kommentierte Bürgermeister Armin Luther den Antrag. Die Mängel an den Schweißbahnen seien ihm auch aufgefallen. Allerdings habe im Zuge der Sanierung des Wasserschadens bereits ein Gutachter der Versicherung das Gebäude genauer untersucht und die Gemeinde habe auch ein staatliches Institut beauftragt. Deren Ergebnis: Der Estrich der Kinderkrippe ist trocken, der Wiederaufbau kann beginnen. „Dann sind wir wieder im Zustand vor dem Schaden”, so Luther. Entsprechend „sehe ich mich nicht in der Verantwortung für spätere Schäden”.
Die Kinderkrippe war vor dem Wasser-Zwischenfall auch bereits fünf Jahre lang ganz normal in Betrieb, in dieser Zeit habe es keinerlei Probleme gegeben. Und: „Ich habe die ganz klare Aussage der Versicherung, sie würde einen unabhängigen Gutachter nicht mittragen.” Bedeutet: Dem Markt Burghaslach steht es selbstverständlich frei, selbst einen Sachverständigen zu beauftragen. Das Geld dafür würde dann aber zu 100 Prozent aus dem Gemeindesäckel fließen müssen.
Außerdem stellte sich der Bürgermeister schon die Frage, wie kontrolliert werden soll, ob sich aufgrund der fehlerhaften Schweißbahnen irgendwo Feuchtigkeit staut. „Wir können doch jetzt nicht alles wieder aufreißen. Das finde ich kritisch. Vor allem: Wir müssen das finanziell tragen.” Hofmann aber sah es gänzlich anders. Das staatliche Institut habe nur grünes Licht gegeben, dass der Estrich trocken sei, die Vertreter hätten sich aber die Schweißbahnen gar nicht angeschaut. Der BfMB/NBB-Rat betonte: „Es geht um die Gesundheit unserer Kinder und der Angestellten. Ich fände es grob fahrlässig, das so zu lassen.”
Daniel Wendler (CSU-FWG) fand den Wasserschaden „unglücklich”, aber dieser habe nun eben einmal massive Baumängel ans Licht gebracht. Ein neuerlicher Sachverständiger müsse auch nicht den gesamten Estrich rausklopfen, es reiche aus, an neuralgischen Stellen eine „Teilöffnung” vorzunehmen und dort zu messen. „Das wäre sinnvoll und sicher gut.” Und auch Christian Tallner (BfMB/NBB) stellte sich die Frage: „Wir machen jetzt alles zu und dann bekommt ein Kind Probleme. Was machen wir dann?” Luther aber befand, dass man nicht immer „vom Extremfall” ausgehen dürfe. In den fünf Jahren Krippenbetrieb habe es keinerlei Probleme gegeben.
Und weiter sagte Luther: „Ich hab ein Gutachten, dass unsere Kinderkrippe trocken ist. Man kann immer leicht reden, wenn man für die Kosten nicht verantwortlich ist.” Daraufhin wurde Hofmann persönlich. Zum Bürgermeister gerichtet, sagte er: „Dir sind halt die Kinder nichts wert und deren Gesundheit. Mir jedenfalls wären die Kinder sehr viel Geld wert.” Luther reagierte erbost: Derartige Unterstellungen werde er sich nicht bieten lassen.
„Wenn wir ein Riesenproblem hätten, hätten wir jetzt schon Schimmelprobleme”, besänftigte Wendler. Dann hätten die Messungen auch Schimmelsporen gezeigt. „Aber ich weiß, dass diese scheiß Dichtung nicht in Ordnung ist. Wir sollten noch stichprobenartig schauen, an zwei, drei Stellen.” So sprach sich der CSU/FWG-Rat dafür aus, Hofmanns Antrag mitzugehen. Denn: „Wenn wir nichts finden, ist alles gut und wir können wieder ruhig schlafen. Dann haben wir halt 2000 Euro rausgeblasen, fürs gute Gefühl.” Und wenn es nicht passt? „Dann muss alles raus und alles neu gemacht werden.”
Andreas Zobel (BfMB/NBB) verwies darauf, dass die Krippe im September dort eigentlich wieder einziehen soll. Er schlug vor, wenigstens die Fallrohre und Leitungen, die gerade ohnehin allesamt freigelegt sind, ordentlich abzudichten. Darauf einigten sich die Räte.
Und schließlich wurde noch über Hofmanns Antrag abgestimmt, einen unabhängigen Sachverständigen einzuschalten, damit dieser die „mangelhafte Bauwerksabdichtung” prüft. Mit elf Stimmen sprach sich eine große Mehrheit dafür aus, dass die Marktgemeinde noch einen eigenen Gutachter für die Schweißbahnen einschaltet. Hofmann: „Wir sollten die Deutsche Schadenshilfe fragen, die haben Gutachter.”