Großes Konzert des Ansbacher Stadt- und Jugendblasorchesters | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.04.2025 17:32

Großes Konzert des Ansbacher Stadt- und Jugendblasorchesters

Mehr Ungarn muss her! Mit dieser Forderung wird Mark Sirok in die Geschichte der Städtischen Musikschule eingehen; neben der Tatsache natürlich, dass er seit September das Stadt- und Jugendblasorchester leitet. Am Samstag dirigierte er sein erstes Frühjahrskonzert mit dem Ensemble – und es gab mehr Ungarn.

Mark Sirok hat dessen Ungarn-Repertoire verzehnfacht. Der Abend begann mit dem einzigen Werk, das bei seinem Amtsantritt im Noten-Archiv vorhandenen war: Hector Berlioz‘ „Ungarischer Marsch aus der Oper Fausts Verdammnis“. Da kam gleich zur schieren Marsch-Gewalt der erste Eindruck von der sinfonischen Größe, zu der das Ensemble fähig ist. Sorgfältig eingesetzte Registrierung, großer Dynamikumfang und rhythmisch auf den Punkt. 50 Akteure, darunter allein zehn Trompeten, und noch fünf Köpfe am Schlagwerk – das bringt richtig Schmackes in den Saal.

Trocken-humorige Moderation

Christian Laubert als Moderator führte trocken-humorig ein in die Werke, ihre Komponisten und die Hintergründe. Er berichtete von einem ungarischen Münchhausen, Musik von Glockenspielen und Turmuhren, die es nicht gibt, und von Niederländern, die sich lustige Namen geben, wenn sie so komponieren, dass es ihrer Meinung nach ungarisch klingt.

Eine Menge Kurzweil also in einem Programm, das auch ansonsten frisch und entdeckungsreich war, etwa bei der „Ungaresca“ von István Györffy. Das Ausstellungsstück ist voller Pläne und Attitüden. Es bringt Elemente der Tanzmusik, der Kammermusik und solistische Passagen in modaler Farbgebung zusammen und ist teilweise durchaus sehnig komponiert. Bei der Uraufführung 2010 in Ungarn spielte Mark Sirok die Trompete, bei der deutschen Erstaufführung am Samstag im Onoldiasaal stand er am Pult. Auch das wird in die Annalen des Ensembles eingehen.

Das Nachwuchsorchester huldigte dem ungarischen Lügen-Dichter Háry János mit dem „Wiener Glockenspiel“ von Zoltán Kodály, bevor das Große Blasorchester im zweiten Teil des Abends einen interessanten Blend aufbot. Da war mit „Hunyadi induló“ von Ferenc Erkel schlechthin der Nationalmarsch zu hören – geschöpft aus Militärwerbemusiken und daher besonders schmissig.

Bekannt auch aus Werbung und Filmen

Johannes Brahms’ „Ungarischer Tanz Nr. 5“ dürfte die Klischeemusik überhaupt sein und ist aus Werbung, vom Tanz sowie aus Filmen bekannt. In der Bläserfassung ist er eine bärige, ländliche Urgewalt. Weniger bekannt, anderes Genre, ähnlicher Folkloregrad: Emmerich Kálmáns Operette „Die Czárdásfürstin“, deren ersten Gesangstitel Julia Hinger vortrug. Ihr dunkel-timbrierter Sopran hat große Präsenz und eine abwechslungsreiche Farbigkeit.

Der dreiteilige Zugabenblock startete mit „Die Juliska aus Buda-, Budapest“ mit ihrem „Herz aus Paprika“. Der Foxtrott stammt aus der deutschen Operette „Maske in Blau“, die 1938 in Berlin uraufgeführt wurde, und gehört aus deutscher Sicht zum Maximum an Ungarn-Folklore. Das Augenzwinkern auf beiden Seiten der deutsch-ungarischen Freundschaft ist dabei so deutlich, dass es fast den Schlager übertönt.

Das Stadt- und Jugendblasorchester zeigte bei seinem Frühlingskonzert im Onoldiasaal seine symphonische Größe. (Foto: Martin Stumpf)
Das Stadt- und Jugendblasorchester zeigte bei seinem Frühlingskonzert im Onoldiasaal seine symphonische Größe. (Foto: Martin Stumpf)
Das Stadt- und Jugendblasorchester zeigte bei seinem Frühlingskonzert im Onoldiasaal seine symphonische Größe. (Foto: Martin Stumpf)

Von Martin Stumpf
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