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Veröffentlicht am 08.06.2026 05:02

Handyverbindung aus Weltall: Netzbetreiber feilen an Plänen

Demonstrativ gute Laune von O2-Manager Jörg Kablitz und OQ-Chef Omar Qaise, die bei der Vorstellung ihres Vorhabens ein Modell eines Satelliten dabeihatten.  (Foto: Wolf von Dewitz/dpa)
Demonstrativ gute Laune von O2-Manager Jörg Kablitz und OQ-Chef Omar Qaise, die bei der Vorstellung ihres Vorhabens ein Modell eines Satelliten dabeihatten. (Foto: Wolf von Dewitz/dpa)
Demonstrativ gute Laune von O2-Manager Jörg Kablitz und OQ-Chef Omar Qaise, die bei der Vorstellung ihres Vorhabens ein Modell eines Satelliten dabeihatten. (Foto: Wolf von Dewitz/dpa)

Deutschlands große Telekommunikationsanbieter blicken gen Weltall, um ihre Handynetze zu verbessern. So kooperiert die Deutsche Telekom mit dem US-Datendienst Starlink, dessen Weltraum-Funk ab 2028 Handyempfang in bisherigen Funklöchern ermöglichen soll. 

Konkurrent Vodafone gründete dieses Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Satellitenanbieter AST SpaceMobile, um Weltraum-Handyempfang zu bieten - wann es in Deutschland losgehen soll, ist offen. Und nun gab O2 Telefónica bekannt, mit dem Luxemburger Satellitenbetreiber OQ Technology zu kooperieren. Anfang 2027 sollen Tests in Mecklenburg-Vorpommern starten.

Es geht um ein Gebiet bei Waren an der Müritz, also an der Mecklenburger Seenplatte. Dortige Löcher im O2-Netz sollen mit dem Satellitenfunk gestopft werden. Hierbei werden die normalen Handynetz-Frequenzen genutzt und nicht die üblichen Satelliten-Frequenzen (Mobile Satellite Service, MSS). Das hat den Vorteil, dass auch normale Handys Netz bekommen könnten und nicht nur hochpreisige Endgeräte, die kompatibel sind mit den Satelliten-Frequenzen - solche teuren MSS-Endgeräte gibt es bislang nur wenige am Markt. 

Die Telekom und Vodafone setzen hingegen auf MSS-Frequenzen - ihre Kunden müssten teure neue Smartphones haben, um die Zusatzfunktion nutzen zu können. Allerdings ist all das ohnehin noch Zukunftsmusik: Bislang kann sich noch kein Kunde über das Weltall mit den Netzen der drei etablierten deutschen Betreiber Telekom, Vodafone und O2 verbinden. Wenn es so weit ist, könnte es mehr MSS-fähige Smartphones am Markt geben, die billiger sein könnten.

Kommunikationsminimum, wenn sonst gar nichts geht

Die Funkverbindung über das Weltall ist als Ergänzung des Handynetzes gemeint, um letzte Funklöcher verschwinden lassen - etwa an oder auf Seen und in Naturschutzgebieten. Außerdem soll sie bei schweren Unwettern, großflächigen Stromausfällen und anderen Katastrophen zur Notfallkommunikation dienen. Es ist zunächst für Textnachrichten (SMS), Sprachtelefonie und kleinere Datenpakete gedacht, also für Basisfunktionen mobiler Kommunikation. „Der satellitengestützte Dienst kann die bestehenden Mobilfunknetze künftig ergänzen“, sagt das O2-Vorstandsmitglied Jörg Kablitz. „Dort, wo der Ausbau am Boden nur mit hohem Aufwand oder gar nicht möglich ist.“

Ähnlich äußert sich Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot zu den separaten Plänen von Vodafone. „Das Satelliten-Internet wird unsere Infrastruktur in abgelegenen Regionen optimal ergänzen“, sagt de Groot.

Die Satelliteninternet-Tests von O2 und OQ finden auf der Erde in der Gegend rund um Waren an der Müritz statt. Sie könnten etwa ein Jahr dauern. Wann O2 die Handys seiner Kunden mit dem Weltall-Internet verbinden könnte, ist unklar - das ist auch vom Ergebnis der Tests abhängig.

Was OQ für eine Firma ist

OQ Technology ist ein kleiner Anbieter, der aktuell nur fünf Satelliten im Weltall hat. Drei weitere Satelliten sind noch für dieses Jahr geplant. Die Satelliten sind grob gesagt nur so groß wie ein Schuhkarton. Der Firmenname OQ leitet sich von den Anfangsbuchstaben des Gründers Omar Qaise ab. Die Satelliten können Warnmeldungen ausspielen, ermöglichen bislang aber keinen beidseitigen Datenverkehr, etwa Chats zwischen Menschen. Das soll sich ändern: Nächstes Jahr möchte OQ eine neue Generation von Satelliten starten, die das tun kann. Die Satelliten umkreisen die Erde in etwa 500 Kilometern Entfernung, was relativ niedrig ist. 

Bis Ende 2027 sollen es 48 OQ-Satelliten sein. Dann käme eine Gegend der Erde alle 30 Minuten in Reichweite eines OQ-Satelliten, sagt Firmenchef Omar Qaise. Besonders in Notsituationen wären solche Verbindungen wichtig, sagt der deutsche Manager. „Vergangenes Jahr war das Handynetz in Luxemburg nach einem Cyberangriff ausgefallen - einen ganzen Tag konnte man nicht mobil kommunizieren: Zumindest alle 30 Minuten eine Verbindung zu haben wäre besser als nichts gewesen.“ 

2028 oder 2029 möchte OQ 150 Satelliten im Orbit haben. Damit wäre eine „kontinuierliche Abdeckung“ inklusive der Nutzung von datenintensiveren Anwendungen möglich, sagt Firmengründer Qaise - also nicht nur Text- und Sprachübertragungen, sondern auch Videoübertragungen etwa von Drohnen. Für Verbraucher bliebe das Nutzungslevel eher niedrig: Es geht nicht darum, dass sie beim Waldspaziergang dank Satelliten-Internet durchgängig Streamen können auf ihrem Handy, sondern dass sie überhaupt kommunizieren können.

„Es gibt großes Interesse an Live-Übertragungen von Drohnen - das wollen wir möglicherweise auch in dem Projekt mit O2 Telefónica unter Beweis stellen.“ Die Bandbreite auf dem Smartphone könne ein bis zwei Megabit pro Sekunde betragen, schätzt Qaise. Seine Firma hat derzeit 50 Beschäftigte und damit doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Ende 2026 sollen es 100 sein. Zum Umsatz macht die Firma nur vage Angaben: Man komme auf einen siebenstelligen Euro-Betrag pro Jahr, zuletzt sei es steil aufwärtsgegangen.

Europa als Trumpfkarte 

Wie sind die Perspektiven einer so kleinen Firma, die im Wettbewerb mit einem so großen Anbieter wie SpaceX mit dem Datendienst Starlink steht, der rund 10.000 Satelliten im Weltall hat? Bei der Antwort hierauf spielt OQ seine Trumpfkarte aus: „Wir sind zu hundert Prozent eine europäische Firma, wir betreiben die Satelliten aus Europa heraus, unsere Dienstleistung ist europäisch und wir nutzen eine Cloud aus Europa“, sagt Qaise. 

Mit Blick auf den US-Konkurrenten Starlink sagt er: „Wir unterliegen nicht der US-Cloud-Regulierung, weil wir eine europäische Firma sind.“ Diese Regulierung verpflichtet Anbieter, US-Behörden Daten herauszugeben. Die EU-Kommission habe die Firma unterstützt, und OQ habe auch Finanzmittel von EU-Institutionen bekommen.

„Europa muss eine eigene, souveräne und interoperable weltraumgestützte Mobilfunkinfrastruktur aufbauen“, sagt Qaise. Die Zusammenarbeit mit O2 zeige, dass europäische Netzbetreiber und europäische Satellitenunternehmen gemeinsam Konnektivitätslösungen entwickeln können, die auf offenen Standards, lizenzierten Frequenzen und bestehenden Smartphones basierten.

© dpa-infocom, dpa:260608-930-188170/1


Von dpa
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