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Veröffentlicht am 14.07.2023 17:17

Heiße Bundesjugendspiele: Was wird Kindern zugemutet?

Die Bundesjugendspiele setzen in vielen Schulen seit über 60 Jahren einen Schlusspunkt unter das Schuljahr. Sich vor den großen Ferien in Leichtathletik-Disziplinen zu messen, macht vielen Kindern Freude. Aber es gibt immer mehr Tage mit Extrem-Hitze. Stellt sich die Frage: Ein Sportfest bei 35 Grad – muss das wirklich sein?

„Rein rechtlich spricht nichts dagegen“, betont Ansbachs Schulamtsdirektorin Karoline Domröse auf FLZ-Anfrage. Einzig der Ozonwert dürfe nicht kritisch sein, machte sie deutlich. Für die Temperatur gebe es hingegen keinen Grenzwert. Aber es sei Aufgabe der Schulleitung im Blick zu behalten, dass die Bedingungen für die Kinder passen.

Sportfest bei fast 36 Grad

In den vergangenen Tagen fanden die Bundesjugendspiele an mehreren Schulen statt. Besonders hart traf es die Grundschule des Ansbacher Ortsteils Hennenbach, deren Termin auf den Dienstag fiel. An dem Tag wurden fast 36 Grad gemessen. Mangels eigener Sportanlagen gab es aber keinerlei Ausweichmöglichkeit für die Schule.

Auf Umwegen erreichte die Redaktion die Information, es hätten sich im Nachgang Kinder erbrochen oder Fieber bekommen, weil sie zu viel Sonne abbekommen haben. Domröse beruhigt. „Es gab keinerlei Beschwerden von Eltern. Kein Kind hat sich erbrochen, kein Kind hatte Sonnenstich-Anzeichen.“ Ein Kind sei tags darauf krank gemeldet worden, doch das habe andere Ursachen gehabt.

Auf den 800-m-Lauf verzichtet

Die Schulleitung in Hennenbach habe abgewogen und auf den 800-Meter-Lauf verzichtet, betonte die Schulamtsdirektorin, die die Aufsicht über die Grund- und Mittelschulen in Stadt und Landkreis Ansbach innehat. So blieben nur Weitsprung, Weitwurf und Sprint als Disziplinen. Nach jeweils kurzer Anstrengung konnten die Schüler zurück in den Schatten. Auch sei für ausreichend Getränke gesorgt gewesen, betonte Domröse.

Dass es keine einheitlichen Regelungen für Schulsport im Sommer gibt, begrüßt Brigitte Limbacher, die Schulamtsdirektorin im Landkreis Neustadt/Aisch–Bad Windsheim. „Die Schulen sind unterschiedlich gebaut und befinden sich an unterschiedlichen Standorten. Harte Regeln passen nicht zu den Einzelfällen“, sagt sie. Beispielsweise lägen manche Sportplätze im Schatten oder am kühlen Waldrand. „An einem solchen Ort muss man die Bundesjugendspiele nicht verbieten“, ist Limbacher überzeugt.

Auch das Wetter sei zu unzuverlässig, um allgemein verbindliche Vorgaben zu machen. Es könne immer passieren, dass ein Wolkenbruch für Abkühlung an einem Ort im Schulbezirk sorgt. Da solle dann auch Sport getrieben werden. Kinder, Sportfeste und Hitze – aus Sicht der Schulamtsdirektorin sind das Themen, die „wunderbar mit dem gesunden Menschenverstand zu regeln sind“. Jede Schule könne hier individuell handeln, Getränke zur Verfügung stellen, Verschnaufplätze im Schatten schaffen oder eben Veranstaltungen absagen. „Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass keine Lehrerin und kein Lehrer die Kinder bei Bedingungen, die extrem aus dem Rahmen fallen, nach draußen schickt.“

Maßgeblich ist die Ozonkonzentration

Dass es für Mittelfranken kein eigenes Hitzekonzept, bestätigt auch Martin Hartnagel, Sprecher der Regierung von Mittelfranken. Maßgeblich für die Durchführung von Sportveranstaltungen im Sommer sei eine einheitlich geltende Bekanntmachung des Bayerischen Kultusministeriums zum „Sportunterricht bei erhöhter Ozonkonzentration“. In dieser Bekanntmachung steht, dass Sport bis zu einer Ozonkonzentration von 180 µg/m3 erlaubt ist.

Im konkreten Fall der Bundesjugendspiele in Ansbach sei die Abhaltung der Bundesjugendspiele in den Jahrgangsstufen eins bis zehn verbindlich gewesen. Die Ozonwerte an diesem Tag lagen nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt unter 150 µg/m3.

Ist Schulsport bei Hitze sinnvoll? Das muss jede Schule im Einzelfall abwägen. (Foto: Silvia Schäfer)
Ist Schulsport bei Hitze sinnvoll? Das muss jede Schule im Einzelfall abwägen. (Foto: Silvia Schäfer)
Ist Schulsport bei Hitze sinnvoll? Das muss jede Schule im Einzelfall abwägen. (Foto: Silvia Schäfer)

Von Daniela Ramsauer und Robert Maurer
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