Helene Horlamus schraubt an Autos und schreibt Bücher | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.06.2026 10:09

Helene Horlamus schraubt an Autos und schreibt Bücher

Im dritten Ausbildungsjahr ist Helene Horlamus inzwischen. Auch das Arbeiten im Team, hier mit dem Gesellen Jason Ballwieser, gefällt ihr. (Foto: Mirko Fryska)
Im dritten Ausbildungsjahr ist Helene Horlamus inzwischen. Auch das Arbeiten im Team, hier mit dem Gesellen Jason Ballwieser, gefällt ihr. (Foto: Mirko Fryska)
Im dritten Ausbildungsjahr ist Helene Horlamus inzwischen. Auch das Arbeiten im Team, hier mit dem Gesellen Jason Ballwieser, gefällt ihr. (Foto: Mirko Fryska)

„Mein Herz schlägt für das Kfz-Handwerk”, erklärt Helene Horlamus begeistert. Mit einem 1,0er Fachabi standen ihr alle Wege offen. Doch die Sugenheimerin entschied sich gegen einen Bürojob und für eine Ausbildung im Handwerk. Derzeit absolviert sie eine Lehre als Kfz-Mechatronikerin. Zudem hat sie ihren ersten Roman veröffentlicht.

„(Don't) lie to me” hat sie ihr Debüt-Werk genannt, das sie unter dem Pseudonym Helene Zink schrieb. Für den Nachnamen wählte sie den ihrer Urgroßmutter. „Ich bin mit Büchern aufgewachsen, als Kind wurde mir immer viel vorgelesen”, erzählt die junge Frau, die sich im dritten Lehrjahr befindet. Bereits in der Grundschule hatte sie begonnen, kurze Geschichten zu schreiben. Als Zwölfjährige dann verfasste sie ihr erstes Buch. „Doch das war für die Tonne”, erzählt sie schmunzelnd. Ihr aktuelles Werk, eine Mischung aus Romantik und Spannung, war dies nicht. Sie schrieb es schon mit 13 Jahren, überarbeitete es aber immer wieder.

Testleserinnen und Testleser über Social Media gefunden

„Es ist eine Liebesgeschichte mit vielen Thrill-Elementen“, erklärt sie. „Die Ideen kommen immer ganz spontan wie kleine Funken. Dann lasse ich meiner Kreativität freien Lauf und es wird aus Ideen etwas Großes.” Bevor ihr Werk veröffentlicht wurde, suchte sie über die sozialen Medien sieben Testleserinnen und -leser aus der Zielgruppe aus, die sie mit ihrem Roman ansprechen möchte: junge Erwachsene. „Die gaben mir unvoreingenommen Feedback.”

Ihre Mutter Verena las dann am Schluss noch einmal alles durch und korrigierte die letzten Schreibfehler. Ihr Buch kann man im Internet erstehen, aber auch in Buchhandlungen, unter anderem in Neustadt. Das freut die 18-Jährige riesig. Übrigens: Ihr nächstes Werk erscheint bereits am 20. August.

Ihr Debüt handelt von der 15‑jährigen Alicia, die bei einem Unfall ein Bein verloren hat. Im Krankenhaus verliebt sie sich in den Pfleger Maurice. Viele Menschen, auch ihre Mutter, haben Geheimnisse vor ihr und wollen, dass sie in der Klinik bleibt. Als die Wahrheit über ihren Unfall ans Licht kommt, gerät die 15-Jährige in Gefahr. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Es bleibt bis zum Schluss spannend, verrät die Autorin.

Ausbildung im Eiltempo

Damit zurück zu ihrer Ausbildung, die sie im Eiltempo bei der Auto-Meyer GmbH & Co.KG in Neustadt absolviert. Diese wird sie nach 2,5 Jahren und somit ein Jahr eher als viele ihrer Azubi-Kolleginnen und -kollegen beenden: Die Entscheidung, sich für eine Lehre im Kfz-Bereich zu bewerben, fiel schnell, nachdem die Sugenheimerin bereits ein Praktikum während ihrer Zeit an der Fachoberschule Scheinfeld absolviert hatte. „Das ist viel schöner als in einem Büro, wo man viel vor dem Bildschirm sitzt.”

Nach dem Probearbeiten in ihrem jetzigen Betrieb merkte sie schnell, dass das Betriebsklima passt. Wenn Schrauben mal zu fest sitzen, helfen die Kollegen. Zylinderkopfdichtung, Turbolader oder Ölfilter tauschen, all das macht ihr Spaß. So gar nicht ihr Ding ist es, Reifen zu wechseln. Die wiegen schon mal locker 15 Kilogramm. Diese Arbeit finden alle, auch die männlichen Mitarbeiter, nicht so toll, weiß Hannes Meyer.

Für ihre Arbeitgeber ist sie die erste Auszubildende im Kfz-Bereich. Inzwischen bilden auch andere Autohäuser im Landkreis Frauen in diesem Sektor aus – wenn sie auch noch gegenüber ihren männlichen Mitstreitern stark unterrepräsentiert sind, ergab eine kleine Umfrage. Wenn es mit den beiden neuen weiblichen Lehrlingen, die bald anfangen, genauso gut funktioniert wie mit Helene, könne nichts schiefgehen, betont Geschäftsführer Hannes Meyer. Um die Bewerbungen und Einstellungen kümmere sich sein Sohn Philipp.

Dreckige Hände stören sie nicht

„Mir macht es Spaß, mit den Händen zu arbeiten. Wenn sie dreckig werden, stört mich das nicht”, sagt die 18-Jährige, die bisher alles in Rekordzeit absolvierte. Vorzeitig eingeschult, übersprang sie die zweite Klasse der Grundschule und hatte so ihre Mittlere Reife bereits mit 14 Jahren in der Tasche. Ihr Fachabitur, das sie an der Fachoberschule Schloss Schwarzenberg in Scheinfeld ablegte, hatte sie schon als 16-Jährige hinter sich gebracht.

Wenn Helene Horlamus die Ausbildung im Februar 2027 beendet hat, will sie noch zehn Monate als Gesellin arbeiten und dann ihren Meistertitel machen. Wie es danach weitergeht, steht bisher noch nicht fest, nur eines weiß sie ganz sicher: Mit dem Schreiben macht sie auf jeden Fall weiter.

Ein neues Buch ist schon fertig: Dieses Mal ist es ein Mafia-Roman. Eine Auftragsmörderin muss einen Wettkampf gegen eine andere Killerin gewinnen. Wie es ausgeht, ist ab August in ihrem neuen Roman nachzulesen. Dieser ist übrigens dann unter anderem auch wie ihr Erstlingswerk in ihrem Ausbildungsbetrieb zu erstehen. Leserinnen und Leser fanden sich dort übrigens auch schon.

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