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Veröffentlicht am 15.09.2026 04:57

Hilfe, mein Kollege micromanaged mich - was hilft?

„Leute, denkt ihr noch daran, dass die Mail rechtzeitig rausgeht?“: Wenn Kolleginnen oder Kollegen sich dazu berufen fühlen, das Team zu managen, kann das für Frust und Ärger sorgen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
„Leute, denkt ihr noch daran, dass die Mail rechtzeitig rausgeht?“: Wenn Kolleginnen oder Kollegen sich dazu berufen fühlen, das Team zu managen, kann das für Frust und Ärger sorgen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
„Leute, denkt ihr noch daran, dass die Mail rechtzeitig rausgeht?“: Wenn Kolleginnen oder Kollegen sich dazu berufen fühlen, das Team zu managen, kann das für Frust und Ärger sorgen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Eine Vorgesetztenfunktion hat sie nicht. Und doch nimmt sich in vielen Teams eine Person heraus, bei gleichrangigen Kollegen und Kolleginnen ständig nach Zwischenständen zu fragen, Details vorzuschreiben und Ergebnisse zu kommentieren. Die Rede ist von Mikromanagement unter Gleichgestellten.

Es kann die Zusammenarbeit belasten, Vertrauen untergraben und auf Dauer das Teamklima zermürben. Wobei aber diese negativen Folgen nicht zwangsläufig sind. „Es kommt darauf an, wie die persönliche Beziehung zwischen dem Kontrolleur oder der Kontrolleurin und der kontrollierten Person ist“, sagt Evelyn Wurster, Teamentwicklerin und Führungskräfte-Beraterin. 

Wer etwa einen Hang zu Schludrigkeit hat und gerne mal Fristen verpasst oder Zahlenverdreher übersieht, ist womöglich dankbar, wenn ein gleichgestelltes Teammitglied einen freundlich-kollegialen Hinweis gibt.

Mikromanagement kann zu innerer Kündigung führen

„Normal kann ein solches Mikromanagement auch sein, wenn die Kontrolleurin oder der Kontrolleur jemanden einarbeitet oder etwa ein bestimmtes Projekt voranbringen will“, sagt der Arbeitspsychologe Sebastian Jakobi. Oder deshalb nachfragt, weil sie noch freie Kapazitäten hat und Unterstützung anbieten möchte. „Dann aber sollte die Kontrolleurin oder der Kontrolleur das auch von vornherein entsprechend kommunizieren“, so Jakobi.

Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die andere Seite sich bevormundet und auf fachlicher Ebene gekränkt fühlen könnte - vor allem, wenn das Nachfragen und Kontrollieren fortlaufend ohne sachlichen Grund erfolgt.

Oder wenn die kontrollierende Person ihrem Gegenüber ihren eigenen Arbeitsstil als den einzig richtigen darstellt, ungefragt Ratschläge gibt oder Kritik äußert. „Dadurch können bei der kontrollierten Person nicht nur Eigeninitiative und Kreativität verloren gehen, sondern es kann auch zu einer inneren Kündigung kommen“, so Jakobi.

Mikromanagement kann unterschiedliche Ursachen haben

Der Hang zum Mikromanagement kann unterschiedliche Ursachen haben. „Möglich ist etwa, dass in einem Team Rollen und Prozesse nicht klar sind und sich deshalb mehrere Leute zuständig fühlen“, sagt Wurster. Es kann auch sein, dass jemand eine bestimmte Aufgabe oder ein bestimmtes Projekt unfreiwillig an eine Kollegin abgeben musste und nun ständig nachfragt, weil ihm oder ihr die Sache eigentlich sehr wichtig war.

Andere treibt es zu Mikromanagement, weil sie ein starkes Sicherheitsbedürfnis haben oder etwa stark erfolgsgetrieben sind. Es kann auch sein, dass jemand schlechte Erfahrungen gemacht hat und den Erfolg des Teams nicht gefährden möchte - deshalb kontrolliert eine einzelne Person alle anderen. „Möglich ist auch, dass jemand den Wunsch hat, Führungskraft zu sein und durch Mikromanagement schlicht auffallen will“, so Jakobi.

Wie spreche ich das nervige Verhalten an?

Auch wenn einem das Mikromanagement eines gleichgestellten Kollegen oder einer gleichgestellten Kollegin zur Weißglut treibt: „Wichtig ist, die Verhaltensweise des oder der anderen nicht emotionsgeladen oder vorwurfsvoll, sondern sachlich anzusprechen“, sagt Wurster.

Dabei kann ihr zufolge die sogenannte WWW-Formel helfen, die für Wahrnehmung, Wirkung und Wunsch steht. Betroffene schildern, welche konkreten Verhaltensweisen des Gegenübers sie wahrnehmen, wie es auf sie wirkt und welche Verhaltensweisen sie sich stattdessen vom Gegenüber wünschen.

Andere passende Umgangsarten können laut Wurster sein:

  • Proaktiv informieren: Den oder die anderen proaktiv über den Stand der Dinge informieren, bevor ein Teammitglied, das Mikromanagement betreibt, fragt.
  • Zum Brainstorming einladen: Ständige ungefragte Tipps und Ideen lassen sich gut kanalisieren, wenn man das Teammitglied einmal gezielt zum Brainstorming einlädt.
  • Grenzen setzen: Feste Zeiten vereinbaren, an denen man darüber informiert, welche Arbeitsfortschritte es gibt. Das kann beispielsweise jeden Mittwoch sein.

„Bringen solche Gespräche untereinander nichts, sollte man die Führungskraft einbeziehen und ein Gespräch zu dritt führen“, sagt Jakobi. Dies sollte keinesfalls unter Stress und an einem neutralen Ort erfolgen.

Eigenes Verhalten reflektieren

Wer selbst zu Mikromanagement neigt und hierarchisch gleichgestellte Kolleginnen und Kollegen ständig kontrolliert, sollte das eigene Verhalten reflektieren, rät Jakobi. Fragen, die dabei helfen: Habe ich einen Auftrag für das, was ich hier tue? Inwiefern bin ich verantwortlich für das Arbeitsergebnis? Muss ein bestimmtes Arbeitsergebnis tatsächlich immer auf meine Art erreicht werden, oder gibt es auch andere Wege, die ich akzeptieren sollte? „Wichtig ist auch, empathisch zu sein“, so Jakobi. Wie würde es mir ergehen, wenn mich eine gleichgestellte Kollegin mich permanent kontrolliert?

© dpa-infocom, dpa:260915-930-685862/1


Von dpa
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