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Veröffentlicht am 20.10.2022 09:36

Historischer Pavillon in Ansbach als Steuerverschwendung?

Im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler 2022 findet sich auch der historische Pavillon auf der Promenade in Ansbach. Beklagt werden die Kosten von rund 250.000 Euro. Oberbürgermeister Thomas Deffner spricht dagegen von „einem städtebaulichen und denkmalpflegerischen Glücksfall“.

„Zur Belebung des öffentlichen Raumes der neugestalteten Promenade wurde der achteckige, frisch restaurierte Pavillon als ,identitätsstiftende Maßnahme‘ nur wenige Meter von seinem ehemaligen Standort wieder aufgebaut“, beschreibt der Bund der Steuerzahler den Sachverhalt. „Seit 1. Juli 2022 wird die rund 13 Quadratmeter große Rotunde vor dem Ansbacher Amtsgericht als Crêperie genutzt, mit einer Außenbestuhlung von etwa 25 bis 30 Plätzen.“

Kosten seien aus dem Ruder gelaufen

Leider, so der Bund der Steuerzahler, seien die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Waren fürs Restaurieren ursprünglich 65.000 Euro veranschlagt, mussten schließlich 137.000 Euro gezahlt werden – unter anderem, weil man Fäuleschäden an den Dachsparren entdeckte.

Schlussendlich summierten sich die Gesamtausgaben auf rund 250.000 Euro, verursacht vor allem durch die Erschließung und den Kauf einer professionellen Kücheneinrichtung samt Lüftungsanlage und Fettabscheider.

Nicht gelten lässt der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch das Zuschuss-Argument. Auch wenn fürs Restaurieren ein Zuschuss aus staatlichen Mitteln von 60 Prozent erwartet werde, sei das wenig tröstlich. „Denn Steuergeld bleibt Steuergeld, gleich, aus welchem Topf es kommt.“

OB sieht Pavillon als Ansbacher Wahrzeichen

„Der Pavillon ist im städtebaulichen Gesamtkontext zu betrachten und erfüllt in hervorragender Weise die viel gewünschte Belebung der Promenade mit einem Café, wie die gute Annahme durch die Bevölkerung – sogar noch im Oktober – beweist“, erklärt Oberbürgermeister Deffner gestern zu der Wertung in dem Schwarzbuch. Ein solch seltenes Baudenkmal, das zudem ein Ansbacher Wahrzeichen ist, im öffentlichen Raum und mit einer akzeptierten Nutzung zeigen zu können, sei ein städtebaulicher und denkmalpflegerischer Glücksfall.

„Diese Aspekte sind dem Bund der Steuerzahler sicher entgangen“, sagt Deffner und schildert eine Beobachtung: „Nachdem der lokale Vertreter des Bundes der Steuerzahler auf Einladung der Stadt bei der Eröffnung des Pavillons gerne mit angestoßen hat, ist der Bund der Steuerzahler im tiefen Inneren sicher meiner Meinung.“

Der historische Pavillon an der Promenade in Ansbach: ein Ärgernis für den Bund der Steuerzahler. (Foto: jal)
Der historische Pavillon an der Promenade in Ansbach: ein Ärgernis für den Bund der Steuerzahler. (Foto: jal)
Der historische Pavillon an der Promenade in Ansbach: ein Ärgernis für den Bund der Steuerzahler. (Foto: jal)

Von Sebastian Haberl
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